Fährt vorneweg: Michel Gießelmann vom TSVE Bielefeld während eines Juniorenrennens vor dem Fahrerfeld. - © Werner Möller
Fährt vorneweg: Michel Gießelmann vom TSVE Bielefeld während eines Juniorenrennens vor dem Fahrerfeld. | © Werner Möller

Bielefeld Bundesligasiege bescheren Radsporttalent Gießelmann einen Profivertrag

Michel Gießelmann vom TSVE unterschreibt nach Einzelerfolgen in Genthin und Karbach sowie dem Triumph mit dem NRW-Team beim UCI Continental Team Sauerland

Johnny Dähne

Bielefeld. Der Himmel ist grau in grau, das Thermometer an der Queller Hauswand klettert nur mit Mühe in den zweistelligen Celsiusbereich, der Wind peitscht die Regentropfen an die Fensterfront. Selbst Michel Gießelmann verspürt in diesem Moment keine gesteigerte Lust, sich aufs Fahrrad zu setzen. Muss er auch nicht, denn zum einen steht auf dem Dachboden ein Rollentrainer für alle klimatischen Eventualitäten - und zum anderen schließt sich für ihn die so erfolgreiche Saison 2017 mit einem Vertrag beim UCI Continental Team Sauerland. "Mehr als eine, anderthalb Stunden Rolle schaffe ich nicht - dann wird mir langweilig", sagt Michel Gießelmann zwei Etagen weiter unten bei Kaffee und Keksen schmunzelnd. Viel mehr Trainingskilometer als die 2017 absolvierten 15.000 müssen es für den 18-Jährigen, der in diesem Jahr auf Platz eins der Bundesliga mit seinem Brose-NRW-Team fuhr, auch gar nicht mehr werden. Diese Teamleistung, an der auch sein TSVE-Vereinskollege Lars Kulbe seinen Anteil hatte, sowie die beiden Einzelsiege bei den Bundesliga-Rennen in Genthin und Karbach waren die Grundlage dafür, dass sich Michel Gießelmann für einen Anschlussvertrag beim UCI Continental Team Sauerland empfehlen konnte. »Beim Radfahren hatte ich am meisten Spaß« Dieses Radsport-Team, das vor allem die Förderung von U-23-Fahrern aus Nordrhein-Westfalen im Blick hat, gehört hinter den Teams der World Tour wie "Katusha Alpecin" und den Professional Continental Teams der dritten Kategorie des Radsports an. "Wir fördern Michels Talent so gut wie wir können. Das hätten wir aber auch in jedem anderen Sport gemacht", erklärt Vater Jörg Gießelmann. Einen gewissen Einfluss dürfte der Vorsitzende der Radsport-Abteilung des TSVE durchaus auf die sportliche Präferenz seines Sohnes gehabt haben, denn nach Ausflügen zum Fußball, Crosslaufen, Duath- und Triathlon - dort ist Michels Mutter Sabine sportlich zuhause - siegte die Liebe zum Drahtesel. "In den anderen Sportarten war ich vielleicht erfolgreicher, aber beim Radfahren hatte ich am meisten Spaß - deshalb bin ich dabei geblieben", erläutert der Schüler des Rudolf-Rempel-Berufskollegs, der in seiner Jugendzeit mit körperlichen Nachteilen zu kämpfen hatte. "Michel ist wie ich ein Spätentwickler und kam zwischen 14 und 16 Jahren nur schwer gegen die kräftigeren Fahrer an. Das hat sich jetzt aber wieder geändert", erklärt Jörg Gießelmann, dessen Sohn in dieser Zeit wegen seines geringen Gewichts nur am Berg den anderen voraus war. Apropos Berg: Im Alter von gerade einmal zehn Jahren bezwang Michel Gießelmann mit dem Mendelpass seinen ersten Gebirgszug: Der weist auf 14 Kilometern bei 950 Höhenmetern eine durchschnittliche Steigung von 6,8 Prozent aus - Werte, die einem Kategorie-Eins-Berg bei der Tour de France alle Ehre machen würden. Klar, dass die aktuelle Nummer 13 unter Deutschlands besten Radfahrern der U 19 bei besagtem Mekka des Radsports gerne irgendwann mal in die Pedale treten würde. "Zunächst steht das Abitur an und dann sehen wir weiter", sagt Mutter Sabine fürsorglich. Zuvor muss Michel aber erst einmal eine wichtige Unterschrift leisten: "In ein bis zwei Wochen sollte der Vertrag da sein", erklärt Michel Gießelmann voller Vorfreude. Bei dem dann anstehenden, kurzen Weg zum Briefkasten sollte es dann auch egal sein, ob es regnet, stürmt oder gar schneit.

realisiert durch evolver group