Kommt ein Angreifer geflogen: Hanno Lüttmann, der neue Zuspieler des Telekom Post SV (l.), wird gleich Tim Borgstedt einsetzen, der bereits zu einem "Aufsteiger" angesetzt hat. - © Christian Weische
Kommt ein Angreifer geflogen: Hanno Lüttmann, der neue Zuspieler des Telekom Post SV (l.), wird gleich Tim Borgstedt einsetzen, der bereits zu einem "Aufsteiger" angesetzt hat. | © Christian Weische

Bielefeld Telekom Post SV freut sich über Momentaufnahme als Tabellenführer

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Bei den Volleyballern des Telekom Post SV ist die Schere zwischen Männer- und Frauenbereich mit dem Ende der vergangenen Saison weiter aufgeklappt denn je. Spielten die Geschlechter früher oft auf Augenhöhe - zum Beispiel in der Regional- oder Oberliga -, so liegt momentan eine kleine Welt zwischen den ambitionierten Männern, die gerade wieder in die Regionalliga aufgestiegen sind, und den Frauen, die nur noch in der Landesliga aufschlagen. "Angesichts dieses Niedergangs habe ich schon ein Tränchen im Auge", sagt Jörg Borgstedt. Der 60-Jährige, der zu besseren Zeiten schon insgesamt 14 Jahre als Trainer der "Briefträgerinnen" an der Seitenlinie stand, hat sich bereit erklärt, noch einmal die sportliche Verantwortung für die erste Frauenmannschaft zu übernehmen. "Für uns kann es um nichts anderes als einen Neuaufbau gehen", erklärt der erfahrene Coach, der neben vielen jungen Spielerinnen auch auf ein erfahrenes Quartett, bestehend aus Theresa Kley, Christiana Schmidt, Saskia Gauer und Libera Britta Müller, zurückgreifen kann. Doch aller Anfang ist nach dem stetigen Abwärtstrend der vergangenen Serien, in denen viele Spielerinnen den Verein verließen, schwer. "Wenn man bedenkt, dass früher von der Regional- bis zur Kreisliga alle Spielklassen besetzt waren und jetzt gerade mal noch drei Mannschaften da sind, dann weiß man, was da weggebrochen ist", verdeutlicht Borgstedt, dass es mittlerweile nicht nur an Klasse, sondern auch an Masse fehlt. Dem Coach obliegt nun die Aufgabe, aus einem großen Aufgebot von 15, 16 Spielerinnen so schnell wie möglich ein schlagkräftiges Team zu formen, das am besten sofort den Wiederaufstieg in die Verbandsliga realisiert. "Wir befinden uns in der Findungsphase, müssen uns erst noch einspielen", beschreibt Jörg Borgstedt die aktuelle Situation seines Teams, das mit 4:2 Punkten zwar einen ganz guten Start hingelegt hat, am ersten Spieltag aber gleich ein glattes 0:3 gegen die eigene zweite Mannschaft verpacken musste. "Da haben wir so richtig einen auf die Mütze gekriegt und reichlich Lehrgeld bezahlt", gibt der Coach zu: Die älteren Spielerinnen hätten nicht mehr und die jüngeren noch nicht gewusst, wie man gewinnt. "Die Routiniers aus der Zweiten haben zudem ganz gemütlich ihren Streifen runtergespielt, worauf wir einfach keine Antwort gefunden haben", so Borgstedt weiter. Die beiden anschließenden Siege hätten aber gut getan: "Wir wissen jetzt, dass und wie es gehen kann. Und ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft das Potenzial hat, um den Aufstieg mitzuspielen." Darauf setzt auch Wolfgang Stender. "Wenn es einer schafft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, dann ist es Jörg mit all seiner Erfahrung", sagt der Vereinschef, der gerne längerfristig mit dem Coach zusammenarbeiten möchte. "Mit ihm wollen wir einen Generationswechsel einleiten und in einigen Jahren zumindest wieder an die Tür zur Oberliga klopfen", so Stender. Die Oberliga gerade hinter sich gelassen hat dagegen das aufstrebende Männerteam des Telekom Post SV, das nach drei Spieltagen und drei Siegen als Spitzenreiter der Regionalliga grüßt. "Wir sind gut in der Liga angekommen, doch eine realistische Standortbestimmung ist erst möglich, wenn wir auch gegen die Spitzenmannschaften gespielt haben", sagt Trainerin Anne Schade, die die Tabellenführung als "schöne Momentaufnahme" aber gerne mitnimmt. Als wichtigsten Grund für den Aufschwung nennt Schade, "dass unser Stamm jetzt seit zwei, drei Jahren zusammenspielt und sich kontinuierlich weiterentwickelt hat". Außerdem sei der Kader punktuell immer wieder sinnvoll verstärkt worden - vor dieser Saison etwa mit Diagonalangreifer Tobias Walter sowie Zuspieler Hanno Lüttmann. "So haben sich meine taktischen Möglichkeiten deutlich erweitert", freut sich die frühere Nationalspielerin, die zum Beispiel in wichtigen Phasen mit einem Doppelwechsel den Angriff stärken kann: "Dieses Mittel hat sich in den ersten Spielen als sehr effektiv erwiesen", sagt Schade. Ganz wichtig ist für sie aber auch, "dass die Mannschaft trotz allen Leistungsdrucks, der in der Regionalliga zweifellos da ist, immer noch einen Riesenspaß hat, schöne Punkte zu erzielen." Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch in der Bielefelder Sportszene herumspricht, dass in der Almhalle sehenswerter Sport zu sehen ist: Bislang hielt sich der Zuschauerzuspruch eher in Grenzen. Doch auch in dieser Hinsicht ist Anne Schade zuversichtlich: "Zu unserem Stammpublikum gehören auch viele Studenten. Und da das Semester eben erst begonnen hat, gehe ich davon aus, dass demnächst wieder mehr Fans kommen."

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