Bielefeld Schiedsrichter Klaus Münstermann ist der Mann mit dem Adlerauge

An den letzten Platzverweis, den er ausgesprochen hat, kann er sich nicht mehr erinnern

Nicole Bentrup

Bielefeld. Klaus Münstermann (48) ist ein Unikat. So ziemlich jeder Amateurfußballer in Bielefeld und Umgebung hatte schon einmal mit der unkonventionellen Art des Schiedsrichters zu tun. Der 48-Jährige löst knifflige Situationen am liebsten verbal, bevor er in die Tasche greift und eine Karte zeigt. Neben der aktiven Pfeiferei ist Münstermann auch stellvertretender Vorsitzender des Kreisschiedsrichter- Ausschusses. Seit Juli 1999 ist Münstermann auf den Sportplätzen der Region als Referee unterwegs. „Mein erstes Spiel war ein Duell zweier D-Jugend-Mannschaften in Versmold", erinnert er sich. Heute pfeift er bis zur Bezirksliga. Ungewöhnlich, nach einer so langen Zeit. „Seit 2000 leite ich Bezirksligaspiele. Ich hätte mir gewünscht, dass es ein oder zwei Ligen höher geht, aber damals sagte man, ich sei zu alt", erzählt der Lokalsport-Redakteur einer Herforder Tageszeitung. Bereits mit vier Jahren begann Münstermann selbst Fußball zu spielen. „Das habe ich gemacht, bis ich 35 war", rechnet er vor. „Und du siehst, da gab es sogar einige Jahre eine Überschneidung mit der Pfeiferei", weist Münstermann auf die fünfjährige Doppelbelastung als Spieler und Schiedsrichter zugleich hin. »Natürlich gibt es immer wieder strittige Szenen« Während einige seiner Schiri-Kollegen eher zur Gelben oder Roten Karte greifen, löst Klaus Münstermann knifflige Situationen auf seine ganz eigene Art. „Ich bin immer bemüht, Platzverweise zu vermeiden", sagt er. Er arbeite lieber verbal. „Dafür musst du als Schiedsrichter auf jeden Fall einen Arsch in der Hose haben", bringt er die Fakten trocken auf den Punkt. Und auch eine gewisse Robustheit dürfe einem Unparteiischen nicht fehlen. Dass er mit seiner Art durchaus Erfolg hat, zeigen zwei Dinge: Zum einen kann sich Münstermann nicht an seinen letzten Platzverweis erinnern, zum anderen hat er in 19 Jahren noch nicht einen Spielabbruch gehabt. „Einmal konnte ich ein Spiel nicht anpfeifen, weil die Heimmannschaft im Winter versucht hatte, den Platz mit einem Trecker spieltauglich zu machen. Die gefrorenen Reifenspuren, haben ein reguläres Spiel unmöglich gemacht", plaudert Münstermann aus der Sparte „Kurioses". „Dieses Spiel wäre nur etwas für Bänderriss-Fetischisten gewesen", lacht er. Als Schiedsrichter brauche man ein gesundes Selbstbewusstsein, Ausstrahlung, eine ordentliche Ansprache und Gerechtigkeitssinn. „Und genau dieser Gerechtigkeitssinn war es, der mich motiviert hat, Schiedsrichter zu werden", legt Münstermann seine Beweggründe offen. Er ist von der Schiedsrichterei so begeistert, dass er manchmal auch zwei Partien am Tag leitet. „Natürlich gibt es immer mal wieder strittige Szenen", weiß der erfahrene Schiedsrichter, der bislang mehr als 890 Partien geleitet hat. Gerade in der Bezirksliga ist das Auge sehr wichtig. Oftmals gibt es Diskussionen um Abseitsentscheidungen. „Ich sage immer wieder, die Ballabgabe ist entscheidend. Daran denken viele einfach nicht", kennt Münstermann die Ursachen der Diskussionen. „Die Bezirksliga ist die schlimmste Klasse für einen Schiri. Sie ist genau so schnell wie die Landesliga, aber man pfeift halt ohne Assistenten", sagt er. Klaus Münstermann ist nicht festgefahren in seinen getroffenen Entscheidungen. „Ich habe auch schon einen Elfmeter zurückgenommen", erinnert er sich an eine Situation im Kreispokalspiel zwischen dem TuS Eintracht und Steinhagen. „Da kam der Spieler Tim Vogt zu mir und hat gesagt, dass es kein Elfer war", lobt Münstermann die Fairness des seinerzeitigen Steinhagener Kickers. Nicht viele Dinge bringen den Spielleiter auf die Palme, eine Sache allerdings verurteilt er scharf: „Ich kann es nicht leiden, wenn Spieler zu mir kommen und die Kommunikation mit ,Ey, Alter!’ beginnen. Damit habe ich ein Problem." Münstermann vergleicht es mit dem tagtäglichen Einkaufen. „Wenn die Spieler an der Supermarkttheke eine Verkäuferin so ansprechen würden, würden sie sicherlich nicht bedient."

realisiert durch evolver group