Gemeinsam in Marburg: Die Ex-Bielefelder (v. l.) Stefan Conrad, Dale Heffron, Kai Stockfisch und Neal Howey. - © NW
Gemeinsam in Marburg: Die Ex-Bielefelder (v. l.) Stefan Conrad, Dale Heffron, Kai Stockfisch und Neal Howey. | © NW

Bielefeld Die Bielefelder Footballspieler Conrad und Stockfisch stehen mit Marburg in den Play-offs zum German Bowl

Als Sold gibt’s lediglich Spritgeld

Arne Schütforth

Bielefeld. Jeden Dienstag und Donnerstag hat Stefan Conrad einen kurzen Arbeitstag. Und auch Kai Stockfisch darf eher Feierabend machen. Zwei Stunden dauert die Fahrt der beiden Bielefelder Footballspieler zum Training nach Marburg, im Berufsverkehr schnell auch deutlich länger, zwei Stunden dauert die Rückfahrt. Für das knapp zweistündige Mannschaftstraining der Marburg Mercenaries aus der GFL 1, Staffel Süd, ein immenser Zeitaufwand. Dazu kamen die Gegner der "Söldner" immer aus dem süddeutschen Raum, was lange Fahrten bedeutete. Doch Marburg belegte in der regulären Saison 2017 Platz drei - jetzt geht im Play-off-Viertelfinale gegen die Kiel Baltic Hurricanes. "Was Dale Heffron aus den paar Euros gezaubert hat, ist wirklich einzigartig", meint Conrad, der den Etat der Marburger auf dem Niveau des Budgets der Bielefeld Bulldogs zu Zweitligazeiten ansiedelt. Viel verdienen können die beiden Bielefelder im Hessischen nicht: Ein Auto stellen die Marburger ihrem Bielefelder Duo, die Spritkosten gibt es zurück - das war's. Neben den langjährigen Bulldogs Conrad und Stockfisch sind auch Neal Howey, der die Bulldogs 2016 vor dem Abstieg retten sollte, sowie der aktuell verletzte Olivera Nsingui dem Ruf Heffrons gefolgt. "Siegen oder fliegen", freut sich Conrad auf die Herausforderung Play-offs. Beide können das das "Football-Abenteuer Marburg" (Conrad) nur durch die Unterstützung ihres Umfeldes bewerkstelligen. "Ich bin in der Fahrschule meines Vaters angestellt. Ohne seine Unterstützung ginge das nicht", sagt Stockfisch. Conrad, selbstständig, kann sich auf die Unterstützung seiner Kunden verlassen: "Teilweise sind sie selber Football-Fans. Wenn wir in den German Bowl nach Berlin kommen, haben sie ihr Kommen zugesagt." Eine interessante Perspektive, doch es wird schwer. "Wir sind auf jeden Fall der Außenseiter", so Conrad. Denn neben Braunschweig und den Schwäbisch Hall Unicorns bringen die Kieler die größte Play-off-Erfahrung aller Endrundenteilnehmer mit. Seit 2007 sind sie regelmäßig in den Play-offs gewesen. "Der Norden ist generell stärker einzuschätzen als der Süden, die haben vier Spitzenteams", meint Stockfisch. Immerhin haben Stockfisch und Conrad ihr Schicksaal gegen die stürmischen Kieler in der eigenen Hand. Stockfisch spielt in der O-Line als Left Tackle. Er beschützt den Quarterback auf der sogenannten Blindside, der Blick- und Ball-abgewandten Seite. Der Schutz des Quarterbacks ist für das stets passlastige Spiel Heffrons besonders wichtig. Und Conrad, Defense-End, muss helfen, den lauflastigen Angriff der Kieler zu stoppen. Eine Aufgabe, die er bislang mit Bravour bewältigt hat, gehört er doch mit 62 gelungenen Tackles gegen den Ballträger zu den 50 besten Verteidigern der Liga. Es ist also angerichtet, der Kick-Off am Samstag um 16 Uhr in Kiel kann kommen.

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