Schlammschlacht: Schon nach wenigen Metern flogen den Fahrern die Dreckklumpen der aufgeweichten Bahn um die Ohren. Vorne ist hier gerade noch Martin Smolinski zu erkennen. - © Christian Weische
Schlammschlacht: Schon nach wenigen Metern flogen den Fahrern die Dreckklumpen der aufgeweichten Bahn um die Ohren. Vorne ist hier gerade noch Martin Smolinski zu erkennen. | © Christian Weische

Bielefeld Das Grasbahnrennen geht trotz des Wetters ordnungsgemäß über die Bühne

Motorradsport: Trotz eines heftigen Schauers am Morgen und drohender Unwetterwarnungen geht Tagessieger de Jong profitiert vom Pech der Deutschen Smolinski und Fienhage

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Der Tagessieg im wichtigsten Wettbewerb des Motorrad-Grasbahnrennens auf dem Leineweberring, der in der Internationalen Sololizenz bis 500 ccm, ging zwar an den niederländischen Ex-Weltmeister Jannick de Jong. Doch am Ende eines aufregenden Renntags konnten sich alle Fahrer, der Veranstalter DMSC Bielefeld und die knapp 2.500 Zuschauer als Gewinner fühlen: Sie hatten gemeinsam das Rennen gegen den drohenden Regen gewonnen. Pünktlich zum Trainingsbeginn war am Morgen ein heftiges Unwetter über dem Grasoval an der Eckendorfer Straße niedergegangen, der die Bahn binnen 20 Minuten tüchtig unter Wasser gesetzt hatte. Und die Rennleitung in arge Not brachte. "Ich hätte nie geglaubt, dass wir das Ding noch so gut über die Bühne bringen würden", atmete Stephan Prante, der Pressesprecher des DMSC, deshalb nach dem letzten der 23 Läufe ganz tief durch. »Wir mussten uns ein wenig sputen« Die weiteren Trainingsläufe, zwei Durchgänge und den eigentlich vorgesehenen Wettbewerb um den Bahnrekord hatte Rennleiter Michael Junklewitz angesichts der Wetterlage im mittäglichen Nieselregen kurzerhand abgesetzt. "Für den späteren Nachmittag sind heftige Unwetter angesagt, wir müssen uns ein wenig sputen", erklärte Junklewitz in der Fahrerbesprechung. Auch die beliebte Fahrervorstellung fiel aus, zudem begann das erste Rennen schon um 13.30 Uhr statt um 14 Uhr. In den knapp drei Rennstunden gab es anschließend durchweg spannende Wettbewerbe zu sehen - lediglich bei den Seitenwagen herrschten durch die Dominanz von Weltmeister William Matthijssen und seiner Beifahrerin Sandra Mollema von Anfang an klare Verhältnisse: Das Duo zeigte der Konkurrenz in allen vier Läufen das Hinterrad und siegte mit Maximalpunktzahl. In der internationalen Soloklasse beherrschte Speedway-Grand-Prix-Pilot Martin Smolinski das A-Feld und machte seine Ankündigung wahr, dass er "das Feld der Langbahn-WM-Fahrer ein bisschen aufmischen" wolle. Am nächsten kam "Smolli", der wegen Terminkollisionen mit dem Speedway-Grand-Prix eine Wildcard für die Langbahn-WM ausgeschlagen hat, noch der britische Europameister James Shanes. So richtig für Furore sorgte der erst 17-jährige Lukas Fienhage aus Lohne, der das B-Feld in Grund und Boden fuhr - und das bei seinem allerersten Auftritt auf dem Leineweberring. "Es ist hart, sogar fast kriminell, aber ich gebe mein Bestes", sagte der Youngster zwischen den Rennen. Und beinahe hätte Fienhage sogar das Große Finale um den Tagessieg gewonnen, das die fünf Besten des A-Feldes und die beiden Ersten des B-Feldes bestritten. Denn als dem schnell in Führung gegangenen Smolinski in der zweiten Runde der Motor platzte, lag Fienhage plötzlich vorne. Im weiten Rund brandete Jubel auf, der aber eine halbe Runde später von Enttäuschung abgelöst wurde, als auch der neue Publikumsliebling technische Probleme bekam. So erbte Jannick de Jong den Sieg - gegen die Konkurrenz und das Wetter, obwohl sein Regenradar schon für 15.30 Uhr "Land unter" gemeldet hatte. Es war allerdings eine holländische App.

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