Einmal Sparrenburg - Astana: Volker Stüwe nimmt Abschied von der Heimat - und natürlich müssen auch die Kinder (v. r.) Henry, Laura und Sascha für ein paar Wochen ohne ihn auskommen. - © NW
Einmal Sparrenburg - Astana: Volker Stüwe nimmt Abschied von der Heimat - und natürlich müssen auch die Kinder (v. r.) Henry, Laura und Sascha für ein paar Wochen ohne ihn auskommen. | © NW

Bielefeld Fahrradtrip nach Astana ist für Volker Stüwe schon Gewohnheit

Torsten Ziegler

Bielefeld. Vor zwei Jahren hat er es mit seiner Tour, nennen wir sie mal wagemutig, bis ins kasachische Pendant der ZDF-Hauptnachrichtensendung "Heute" geschafft. Mit einem ausführlichen Film-Beitrag. Es war ja auch eine lange und aufsehenerregende Tour. Volker Stüwe war mit dem Rennrad angereist. Von Bielefeld in die Hauptstadt Astana. Rund 5.500 Kilometer. Jetzt ist er wieder auf dem Weg. Das Ziel ist dasselbe. Weil er mit diesem Fortbewegungsmittel schon viele Länder auf dem Globus (unter anderen Indien und Australien) besucht hatte und weil für ihn damals nichts näher lag, hatte er diesen Trip gestartet. "Ich habe meinem Chef vorgeschlagen, unsere Kollegen auf der Baustelle auf dem Expo-Gelände in Astana zu besuchen. Er hat schon etwas erstaunt geguckt", erinnert sich Stüwe an das erste Gespräch mit Dirk Schaumburg von der RTS Rohrnetz-Technik Schaumburg GmbH in Bielefeld. Doch da Schaumburg, selbst ein passionierter Rennradfahrer, Läufer und Skifahrer, schnell erkannte, dass Stüwe nicht nur viel redet, sondern auch sehr viel macht, wurden schon beim zweiten Treffen der beiden Pläne entwickelt. Irgendwie passte das verwegene, aber weitgehend klimaneutrale Rennradvorhaben genau zur Leitlinie der Expo in Kasachstan, die sich der Energie der Zukunft und der Nachhaltigkeit widmet. Und RTS, Stüwes Arbeitgeber, realisierte dort die Erdwärmebohrungen für das Expo Office. Also radelte er als Markenbotschafter hin, kam an, auch bei den Menschen, die ihn als "mutigen Germanski" feierten. Seit Montag nähert sich Stüwe wieder den alten Bekannten. Schließlich beginnt die Expo am 10. Juni. Am 13. oder 14. Juni will er ankommen. "Die Form wird von Tag zu Tag besser", sagt Stüwe, der 2015 dem NW-Team Ötztaler angehörte und sich für dieses Jahr auch noch vorgenommen hat, den "Ötzi" am 27. August unter 10 Stunden zu erledigen. Das sind ja auch nur 238 Kilometer mit ein paar Bergen. Die erste aktuelle Etappe führte ihn nach Celle, wo mit der Firma Petroline ein wesentlicher Unterstützer seiner Fahrt sitzt. "Letztes Mal war alles chaotisch. Diesmal läuft es von Beginn an besser", berichtet Stüwe. Bei der Premiere fehlten ihm zunächst Visa für Weißrussland und Russland. Deshalb kreiselte er drei Tage lang um Berlin. In diesem Jahr war die Bürokratie beim Tourbeginn erledigt. "Bei allen organisatorischen Belangen hilft mir Petroline mit seinem Chef Andreas Stumpf und dessen Sekretärin Olga Lang", erzählt Stüwe. Sehr grob gezeichnet verläuft die Strecke über Berlin durch Polen nach Minsk, Moskau und Astana. Für den immensen Verkehr in der russischen Hauptstadt besorgt Stumpf ein Begleitfahrzeug, genau so soll es in der Einsamkeit kasachischer Endlos-Straßen sein. Wenn der 49-Jährige sein Ziel erreicht hat, wird der mediale Rummel gewiss nicht geringer ausfallen als 2015. Damals wurde er auf den letzten Kilometern von einer Polizeieskorte geschützt, die eines hochrangigen Staatsgastes würdig gewesen wäre. "Ich habe da einen recht hohen Wiedererkennungswert", sagt Stüwe, "auch wegen meiner Art". Seine Art ist ansteckend fröhlich. Die Menschen packt er mit einfachen Botschaften wie: "Das Leben ist schön!" Und: "Runter vom Sofa!" Vielleicht gelingt es ihm ja tatsächlich, dem autoritären kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew mit diesen Aussagen ein wenig Milde ins Gesicht zu zaubern. Er stünde jedenfalls bei einem Treffen nicht mit leeren Händen da. "Ich habe eine Handyhülle dabei, die meine Tochter Laura für ihn gestrickt hat."

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