Bielefeld Christoph Ahlers läuft Marathon in den Metropolen der Welt

Claus-Werner Kreft

Bielefeld. Auch wenn in einigen Altersklassen Top-Zeiten erzielt wurden: Insgesamt kochte die heimische Marathonszene 2016 eher auf Sparflamme. Der Schnellste des Vorjahres, Jan Kerkmann (TSVE), deutete sein Potenzial nur als überlegener Sieger beim nicht offiziell vermessenen Teutoburger-Wald-Marathon an. Zu Landschaftsläufen zog es auch Silke Pfenningschmidt-Gläsker (SVB), die den Eifel- und den Rothaarsteigmarathon gewann. Sieben Bielefelder schafften den Sprung unter die drei Stunden (siehe Bestenliste), allen voran der "Unbestechliche" Konrad Schulz. In seiner neuen Klasse M 50 glänzte er mit 2:36:15 Stunden - eine Zeit, die ihm beim Top-Event in Berlin den 6. Rang unter mehr als viertausend Alterskollegen einbrachte. Seine Brüder Robert und Waldemar belegen hinter dem in Duisburg angetretenen TSVE-Duo Ole Krumsiek und Björn Bohle die Plätze 4 und 5 in der lokalen Saisonstatistik. Eine herausragende Seniorenleistung gelang Jochen Menke (Jg. 1949), der wie die Schulz-Brüder vereinslos läuft und somit nicht in den verbandsoffiziellen Bestenlisten erscheint. Dort würde er weit vorn stehen, in Berlin holte er mit erstaunlichen 3:11:14 Std. Bronze im 325-köpfigen Feld der Klasse M 65. Berlin fasziniert auch den Bielefelder Internisten Christoph Ahlers. "Mit seiner Zuschauerkulisse und seinem Kurs vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten erlebt man hier einen der schönsten Marathons", urteilt er. Ahlers muss es wissen: Er beteiligt sich an den World Marathon Majors (WMM), einer Serie, die sich aus den sechs größten Marathonläufen der Welt zusammensetzt. Seit Tokio 2012 hinzukam, sind die früheren "Big Five" um ein Event erweitert. Die nächste Olympiastadt ist im Februar auch das nächste Ziel des Marathon-Weltenbummlers. In New York, Berlin, London, Boston hat er schon "gefinisht". Und jüngst in Chicago, wo er am 9. Oktober mit einer Zeit unter vier Stunden sein persönliches Soll erfüllte. "Ich bin ja kein Leistungsläufer und erst ein paar Jahre dabei. Mir ist es wichtig, mich nicht zu überfordern", sagt der 56-Jährige. Schon immer hat er sich durch Sport fitgehalten, mit seinen beiden Söhnen war er beim Fußball und Radfahren aktiv. Weil Letzteres im Winter problematisch ist, bot sich Laufen als Alternative an. Ahlers ließ sich motivieren für den "Hermann", den er mehrmals absolvierte. Der Kontakt zu einem amerikanischen Austauschstudenten führte zum gemeinsamen Marathonstart in Marburg. Beim Gegenbesuch lockte ihn 2010 der New-York-Marathon. "Daraus ist dann ein Hobby geworden", sagt er. New York war sein Einstieg in die Weltserie, die offenbar bislang kein anderer Bielefelder in Angriff genommen hat. Das Rennen durch Big Apple stuft er als sein eindrucksvollstes Lauferlebnis im Ausland ein. Nach dem Abschluss der Serie in Tokio will er sich ein Jahr Pause gönnen. "Mal schauen, wie viel Spaß ich danach noch am Marathon habe." Ahlers, der auch Sportmediziner ist, hält Marathonlaufen zwar für belastend, aber nicht für schädlich. Herzgesunden Menschen sei es durchaus zu empfehlen. "Ich rate aber zu einem Test, um Gefahren vorzubeugen, etwa nach einem verschleppten Infekt." Wichtig sei, Muskeln und Gelenke zu stärken. Für sein Training bevorzugt er die Natur: "Da fühle ich mich wohler als auf dem Laufband."

realisiert durch evolver group