Bielefeld Die "Hachos" und der Schreiberling: Wiglaf Droste beim TSV Altenhagen

Ex-TSGer Heinrich Rödding erinnert sich noch gut an den Satiriker Wiglaf Droste

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Am Montagvormittag klingelte bei Heinrich Rödding einige Male das Telefon. "Alle Anrufer wollten wissen, ob ich schon das Profil von Wiglaf Droste in der Neuen Westfälischen gelesen hätte", berichtet der langjährige Zweitligaspieler der TSG Bielefeld und ehemalige Handball-Chef der TSG Altenhagen-Heepen. Hatte er nicht, holte er aber gleich nach und las dort Erstaunliches über seine Person. Auf die Stichworte "Handball, Fußball oder Reiten" hatte der in Herford geborene Satiriker Droste geantwortet: "In kindlich-jugendlicher Unwissenheit Handball beim TSV Altenhagen, bis der heutige Zapfenstreichführer Jürgen Utecht Trainer wurde und ich mit den Hachos Heinrich Rödding und Andreas Westerwelle aufs Feld musste." "Da bin ich schon ins Nachdenken gekommen", gibt Rödding zu: Zunächst über die Frage, was genau denn ein "Hacho" ist. Und dann über die alten Zeiten, in denen er und Droste zusammen in der TSV-Jugend spielten. "Wiglaf war schon damals ein irgendwie spezieller Typ und immer ein bisschen schräg drauf", erinnert sich Rödding, der in der Rückschau außerdem zu dem Urteil kommt, "dass er nicht eben das begnadete Handball-Talent war". Droste habe mit seiner Bemerkung wohl zum Ausdruck bringen wollen, dass er, als beim Übergang in den Seniorenbereich im Training ordentlich draufgesattelt wurde, nicht mehr habe mitziehen wollen und einen anderen Weg gegangen sei, vermutet Rödding. "Für Trödel Westerwelle, Hansi Klindt und mich war Handball unsere Welt, für Wiglaf nur eins von vielen interessanten Dingen", erinnert sich der frühere Kreisläufer. Ganz ähnlich sieht der damalige TSV-Jugendtrainer Jürgen Utecht die verbalen Spitzen in seine Richtung. "Natürlich habe ich damals im Training angezogen - mit den Methoden, die seinerzeit üblich waren", sagt Utecht: Da sei mit Liegestützen und Klappmessern schon ein bisschen Drill dabei gewesen. "Vielleicht unterstellt Wiglaf mir ja deshalb, dass ich schon immer eine militaristische Ader gehabt hätte", lacht der Coach, der in seinem Ehrenamt als Zapfenstreichführer der Heeper Schützen bei der Zeremonie auf dem Amtsplatz seit Jahren die Kommandos gibt. Utecht fühlte sich zunächst "ein bisschen veräppelt", beschloss dann aber, die Sache nach dem Motto "Satire darf alles" ganz locker zu nehmen. Im Gespräch mit Heinrich Rödding sei ihm dann aufgefallen, wie lange er den Ewigkeiten in Berlin lebenden. jetzt aber heimgekehrten Wiglaf Droste nicht gesehen habe. "Ich würde ihn gern mal auf ein Glas Wein einladen und mit ihm über die alten Zeiten reden", meint Utecht. Wenn das kein Friedensangebot ist! Was aber ist denn nun ein "Hacho"? Wikipedia gibt als vorrangige Bedeutung Bauer - was irgendwie nicht passt - sowie (abwertend) Kerl oder Mann an. Also hat Wiglaf Droste, als "echte Kerle" gefragt waren, lieber etwas anderes gemacht. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

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