Bielefeld Taekwondo-Kämpfer Ünlüsoy holt Bronze in Paris

Songokus-Kämpfer sammelt bei den French Open wichtige Zähler für die Weltrangliste

Peter Burkamp

Bielefeld. Das Gelenk schmerzte noch ein wenig, aber laufen konnte Cem Ünlüsoy am Montagmorgen schon wieder. Der heimische Taekwondo-Auswahlkämpfer hatte einen Knickfuß als weniger schönes Andenken an die French Open in Paris mitgebracht und hofft nun, dass er sich nicht ernster verletzt hat. Als Souvenir hatte der 22-Jährige allerdings auch einen erfreulichen dritten Platz mit im Gepäck. Ünlüsoy holte für die Deutsche Taekwondo-Union (DTU) bei dem international gut besetzten Turnier eine von drei Bronzemedaillen. Gern hätte er das Finale in "seiner" Gewichtsklasse, der olympischen bis 80 kg, erreicht. Doch die gegen Ende der ersten Runde erlittene Verletzung bedeutete ein zu großes Handicap. "Ich stand nur noch auf dem rechten Fuß, der linke tat so weh, dass ich nicht einmal treten konnte", erzählte Ünlüsoy. Sein norwegischer Gegner nutzte die Situation aus und entschied das Halbfinale für sich. Aber auch mit dem dritten Rang sammelte Ünlüsoy Punkte für die Weltrangliste. Die entscheidet im wesentlichen darüber, wer sich für die großen internationalen Turniere qualifiziert. Ünlüsoys großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Bis dahin möchte der Sportsoldat der Bundeswehr Platz für Platz in der Rangliste klettern. "Am Ende des nächsten Jahres würde ich gern unter den Top 32 stehen", formuliert Ünlüsoy ein ehrgeiziges Ziel. Die besten 32 der Welt werden zu den Grand-Prix-Turnieren eingeladen, bei denen es die meisten Punkte gibt. "Wenn du da einige gute Ergebnisse holst, kannst du ganz schnell einige Plätze gutmachen", weiß Ünlüsoy. Die aktuellen Qualifikationsbedingungen für Olympia sind hart. Die DTU darf nur einen Kämpfer pro Gewichtsklasse nominieren. Cem Ünlüsoy konkurriert dabei mit Tahir Gülec, dem Weltmeister von 2013. Der liegt aktuell unter den Top Ten in der Welt. »Wir sind fast jeden Tag in der Halle« Beide gehören zum Sportsoldatenteam, das sich regelmäßig in Sonthofen trifft. Vor Weihnachten fährt Ünlüsoy noch einmal eine Woche nach Bayern. Dort und bei den Lehrgängen mit Bundestrainer Aziz Acharki profitiert der Zerspanungsmechaniker davon, dass er beim Sparring Partner auf hohem Niveau hat. Trainiert wird nur dann nicht, wenn die Bundeswehr zur soldatischen Ausbildung ruft. Die Reihen seiner Trainingspartner in Bielefeld haben sich in den vergangen Jahren stark gelichtet. Frühere Weggefährten bei Songokus, dem Klub von Cems Vater Ali Ünlüsoy, haben sich mehr auf ihre Berufsausbildung konzentriert und können nicht mehr so intensiv und regelmäßig trainieren. "Ich bin froh, dass mein Vater mich so toll unterstützt. Wir sind fast jeden Tag zusammen in der Halle. Am Wochenende gelegentlich sogar zwei Mal", sagt Cem Ünlüsoy. Ali Ünlüsoy, Gründer und Trainer von Songokus Bielefeld, versucht neben den üblichen Trainingsterminen im Verein so viel Zeit wie möglich mit seinem Sohn an Schnelligkeit, Kraft und Technik zu feilen. Nach den Bronzemedaillen bei den Turkish Open, den Luxor und den French Open in diesem Jahr stehen Ende Januar in Hamburg zunächst die German Open auf dem Programm. Dort möchte Cem Ünlüsoy weitere Punkte holen, um seinem Ziel für 2017, eine Platzierung unter den Top 32, näher zu kommen.

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