PADERBORN Hexer mit Herz

HANDBALL-GRÖSSEN IM KREIS PADERBORN (10): Ex-Torwart Bobby Berhörster

VON ROUVEN THEISS
Franz-Bernhard Berhörster präsentiert eine alte Sportseite aus der Neuen Westfälischen mit ausführlicher Handball-Berichterstattung auf der Paderborner Rathaus-Treppe. Auf dem unteren Foto ist der Hexer von einst in Aktion zu sehen. - © FOTO: ROUVEN THEISS
Franz-Bernhard Berhörster präsentiert eine alte Sportseite aus der Neuen Westfälischen mit ausführlicher Handball-Berichterstattung auf der Paderborner Rathaus-Treppe. Auf dem unteren Foto ist der Hexer von einst in Aktion zu sehen. | © FOTO: ROUVEN THEISS

Paderborn. Multitalente, die einerseits höherklassig aktiv sind, dazu noch als Schiedsrichter unterwegs und sich zudem in das Vereinsleben des eigenen Clubs an entscheidender Stelle einbringen, sind mittlerweile nahezu verschwunden und in Handballer-Kreisen mehr oder minder ausgestorben. Einer, der den Handball in verschiedenen Positionen lebte, ist Franz-Bernhard Berhörster.

Vielen unter dem Namen "Bobby" bekannt, begann Berhörster 1966 im Alter von 12 Jahren sich dem Sport zu verschreiben, der ihn 34 Jahre lang begleiten sollte. "Bobby" durchlief die Jugendabteilung des TuS Sennelager und rückte in den 70ern als Torwart in die Erste auf. "Als wir 1980 in die 1. Kreisklasse abgestiegen sind, habe ich für mich entschieden, den Verein zu verlassen. Ich war damals 26 und wollte einfach noch mal höher spielen", verrät Berhörster die Beweggründe für seinen Abschied. Eine neue sportliche Heimat fand er bei der HG Paderborn, die gerade von der Bezirks- in die Landesliga aufgestiegen war.

Und der Wechsel machte sich bezahlt. Bis 1985 trug er das HG-Trikot und hatte großen Anteil daran, dass sich das Fusionsteam, das aus DJK und GW Paderborn bestand, in der Landesliga-Spitze etablierte. In besonderer Erinnerung sind dem Keeper zwei Dinge aus dieser Zeit. Zum einen der 1. Dezember 1981, als das Duell mit dem späteren Aufsteiger SC Bielefeld anstand. "Wir haben die Bielefelder geschlagen und ich sieben gegnerische Strafwürfe gehalten", sagt der Ur-Paderborner. Zum anderen die Aufstiegsrunde mit Recklinghausen, Arnsberg und Münster 1985, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Im Anschluss daran ging Franz-Bernhard Berhörsters Zeit in der Kernstadt zu Ende. Willi Maasen wurde nämlich als neuer Coach verpflichtet und dieser wollte sich nicht auf Berhörster als Nummer eins oder zwei zwischen den Pfosten festlegen. Der, mit Anfang 30, nahm das zum Anlass, zum TuS Sennelager zurückzukehren.

Ein Jahr später folgte ihm Reinhard "Kollo" Rabenstein – und der TuS legte eine Aufstiegsserie nach Maß hin. Bis 1993 ging es von der Kreis- bis in die Verbandsliga hoch, was der TuS-Rückhalt als größten Moment seiner Karriere beschreibt: "Wir hatten die erste Relegationsrunde gegen Ladbergen verloren, saßen niedergeschlagen in der Kabine, als der Staffelleiter hereinkam und uns mitteilte, dass wir noch eine zweite Chance hätten. Wir mussten dann gegen Hohenlimburg ran und das Hinspiel war mein Spiel." Im Anschluss an die Versetzung in die Verbandsliga zog sich der Ausnahme-Hüter wegen dreier Knie-Operationen aus der TuS-Ersten zurück, lief bis zur Jahrtausendwende aber noch für die zweite und dritte Mannschaft auf. Von 1974 bis 2001 leitete er zudem als Unparteiischer Partien bis zur Oberliga, von 1990 bis 2001 stand er dem Gesamtverein als Vorsitzender vor, was in dieser Konstellation auch damals als nahezu einmalig gegolten haben dürfte. Warum blieb ein Mann, der es durchaus zu noch höheren Weihen hätte schaffen können, seiner Heimatstadt eigentlich all die Jahre treu?

"Ich hatte zu HG-Zeiten auch mal eine Anfrage aus der Oberliga von Altenhagen/Heepen. Da wäre mir der Aufwand aber zu groß gewesen, zumal ich auch beruflich seit 41 Jahren in Paderborn verankert bin", outet sich Berhörster als Freund der Domstadt. Allerdings ist sich der heute 57-jährige fast sicher, dass ähnliche Erfolgsgeschichten, wie die von der HG Paderborn und dem TuS Sennelager, hier mittelfristig ausgeschlossen sind.

"Das Angebot für die Jugend ist heute einfach zu groß und auch die Bereitschaft, sich für den Sport zu quälen, fehlt oft. Ich denke, im Stadtgebiet kann sich eine Mannschaft nur dann in der Landesliga etablieren, wenn alle Vereine an einem Strang ziehen. Und das liegt wirklich in weiter Ferne", redet Berhörster Tacheles. Doch wer weiß schon, was in einiger Zeit ist? Vielleicht packt "Bobby" und "Kollo" doch nochmal die Lust, handballerisch etwas zu bewegen und den TuS aus den Niederungen der 2. Kreisklasse wieder nach oben zu führen.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group