Paderborn Der Weltranglistensiebte vom Paderborner SC Simon Rösner kann Geschichte im Squash schreiben

Vereinskollegin Wall ist die Topfavoritin bei den Damen

Triumph auf ganzer Linie: Simon Rösner vom PSC holte 2015 in seiner Heimatstadt Würzburg zum neunten Mal den deutschen Einzelmeistertitel. Für Sina Wall war es der zweite Sieg nach 2011. - © Cubbins
Triumph auf ganzer Linie: Simon Rösner vom PSC holte 2015 in seiner Heimatstadt Würzburg zum neunten Mal den deutschen Einzelmeistertitel. Für Sina Wall war es der zweite Sieg nach 2011. | © Cubbins

Paderborn. Hamburg ist im deutschen Squash-Sport ein geschichtsträchtiger Ort. Vor 40 Jahren wurde in der Metropole an der Alster erstmals eine deutsche Einzelmeisterschaft im Squash ausgetragen. Heute fällt in Hamburg der Startschuss für die 41. Auflage der nationalen Titelkämpfe. 32 Herren und 16 Damen kämpfen auf der 15 Courts zählenden Anlage des Sportwerks Hamburg um die Medaillen. Der beste deutsche Squashspieler aller Zeiten kann dann Geschichte schreiben: Simon Rösner vom Paderborner SC peilt nämlich seinen zehnten Titelgewinn in Folge an. Bei einem erneuten Triumph würde der 28-Jährige am ehemaligen PSC-Akteur Hansi Wiens vorbeiziehen. Doch neben Rösner hat der Paderborner SC noch zahlreiche weitere heiße Eisen im Feuer.

"Unsere Jungs und Mädels sind super drauf. Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht", betont PSC-Geschäftsführer Norman Farthing, dessen Verein in den A-Feldern insgesamt sieben Herren und drei Frauen ins Rennen um die Podestplätze schickt. Den drei PSC-Frauen war hierbei im vergangenen Jahr bei den nationalen Titelkämpfen in Würzburg ein besonderes Kunststück gelungen. Sina Wall, Annika Wiese und Franziska Hennes holten Gold, Silber und Bronze. "Es wäre natürlich klasse, wenn sie das wieder schaffen könnten", sagt Farthing. Die Chancen stehen nicht schlecht. Vor allem Sina Wall dürfte nur sehr, sehr schwer zu schlagen sein.

"Die Form passt definitiv. Es läuft derzeit sehr gut", berichtet Wall, die unlängst bei den Edinburgh Open erstmals das Finale eines Weltranglistenturniers erreicht hatte. Bei der DM 2015 war die 26-Jährige sogar ohne Satzverlust zum zweiten deutschen Meistertitel ihrer Karriere marschiert. Doch Wall weiß nur allzu gut, dass das Turnier in Hamburg kein Selbstläufer wird. Dabei hat sie vor allem ihre Teamkolleginnen Franziska Hennes und Annika Wiese auf der Rechnung. "Franzi ist gut drauf und immer gefährlich. Annika kann zwar aufgrund ihres Studiums derzeit nicht so viel trainieren, ist aber stets für eine Überraschung gut", urteilt die Titelverteidigerin, die bei einem "normalen" Turnierverlauf im Halbfinale auf Wiese treffen würde. Für Hennes dürfte die Frankfurterin Sharon Sinclair die härteste Kontrahentin auf dem Weg ins Finale (Sonntag, 14.05 Uhr) sein.

Und während die Frauen erst am Freitag ins Turniergeschehen eingreifen, sind die sieben PSC-Herren schon heute im Einsatz. Abgesehen vom 16-jährigen Youngster Tobias Weggen gehen alle Paderborner als Favoriten in ihre Erstrundenspiele. Vor allem für das topgesetzte Duo Simon Rösner und Raphael Kandra dürften die ersten Auftritte an der Alster lediglich bessere Trainingseinheiten sein. Beide sind in Topform und hoffen, dass es im Finale am Sonntag (14.45 Uhr) zu einem vereinsinternen Duell kommen wird.

Im vergangenen Jahr verpasste Raphael Kandra dieses Ziel, weil er im Halbfinale eine bittere 2:3-Niederlage gegen den Wormser Jens Schoor erlitt. "Das wird sich nicht wiederholen", gibt sich Kandra kämpferisch. Hinter dem 25-jährigen PSC-Akteur liegen allerdings ziemlich stressige Tage. Erst am Montag kehrte Kandra aus Übersee zurück. Dort hatte er zunächst das Weltranglistenturnier in Calgary gewonnen, um anschließend bei den "Oregon Open" in Portland bis ins Halbfinale vorzudringen. Anschließend ging es vom Flughafen Frankfurt aus direkt nach Zürich, wo Kandra ein Einzel in der Schweizer Liga bestritt. "Ich habe aber genug Reserven. Auch mental bin ich gut eingestellt", berichtet die aktuelle Nummer 46 der Welt, dessen Minimalziel in Hamburg das Endspiel ist.

Und auch in einem Finale gegen Simon Rösner würde er sich durchaus etwas ausrechnen. "Wir spielen dort nicht auf einem Glascourt. Zudem ist das Tin höher. All dies ist Simon nicht gewohnt. Und wenn ich einen draufsetzen kann, könnte es ein interessantes Match werden", sagt Kandra mit Blick auf das mögliche Paderborner Traumfinale.

Simon Rösner ist bewusst, dass das Unternehmen Titelverteidigung kein Spaziergang wird. "Alle erwarten von mir einen Sieg. Deshalb stehe ich bei Deutschen Meisterschaften immer unter einem enorm hohen Druck. Aber ich habe es schon neun Mal in Folge geschafft - da will ich jetzt auch den zehnten Titel holen", erklärt der Weltranglistensiebte. Dann wäre Rösner alleiniger Rekordhalter. Sollte er es jedoch nicht schaffen, wäre dies ebenfalls ein Stück deutscher Squashgeschichte. Denn sein letztes Spiel gegen einen deutschen Kontrahenten verlor Simon Rösner am 21. Mai 2006.

Copyright © Neue Westfälische 2016
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group