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"Zeigen, wer der Stärkere ist"

Dieter Waltke erinnert sich an das erste Derby 1976 und blickt auf die aktuelle Partie

VON RAINER PLACKE
16.03.2013 | Stand 15.03.2013, 19:14 Uhr

Dieter Waltke wird von Herbert Lübking (l.) bedrängt, Peter Pickel (Nummer 10) hat sich positioniert. - © FOTO: WILFRIED BRASE
Dieter Waltke wird von Herbert Lübking (l.) bedrängt, Peter Pickel (Nummer 10) hat sich positioniert. | © FOTO: WILFRIED BRASE

Lübbecke. Er muss nicht lange überlegen. "Ich habe das erste Derby noch ganz genau in meinem Kopf. Das war etwas ganz Besonderes, auch für mich persönlich", sagt Dieter Waltke, um sogleich eine Erklärung hinterher zu schicken. "Ich war gerade vom TV Hille zu Grün-Weiß Dankersen gewechselt. Das erste Jahr in der Bundesliga war schon ganz speziell für mich, und dann auch noch dieses Duell. Der gesamte Handballkreis Minden-Lübbecke war davon infiziert", erzählt Waltke. Damit meint er zunächst einmal die Tatsache des ersten Bundesligaderbys an sich, aber viel wichtiger erscheint ihm dabei ein ganz anderer Aspekt. "Die Stimmung im September 1976 war geprägt von einem Gedanken: da kommt so ein Emporkömmling aus der Nachbarschaft und strebt an, im Mindener Revier zu wildern", weiß Dieter Waltke noch ganz genau um die explosive Stimmung rund um das Derby.

Immerhin war die Handball- Ikone und der Ur-Dankerser Herbert Lübking 1970 zum TuS Nettelstedt gewechselt, was eine Woge von Emotionen ausgelöst hatte. "Ich möchte die Derbys von damals mit den aktuellen Vergleichen in der Fußball-Bundesliga zwischen Bayern München und Borussia Dortmund vergleichen. Es war eben sehr wichtig, als Platzhirsch seine Position zu verteidigen. Und das haben wir in dem ersten Derby sehr gut geschafft", so Waltke.

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Der Beginn der Derbygeschichte

Am 18. September 1976 stieg in der damals noch zweigeteilten Bundesliga, Gruppe Nord, das erste Derby in Minden. Gastgeber GW Dankersen gewann in der natürlich ausverkauften Mindener Kreissporthalle (2.500 Zuschauer), wie sie damals noch hieß, mit 19:15 (12:6) gegen den TuS Nettelstedt.

Die beiden Kontrahenten spielten in folgenden Aufstellungen, Grün-Weiß Dankersen: Rainer Niemeyer, Martin Karcher; Olafur Jonsson (5), Axel Axelsson (1), Hans-Jürgen Grund (1), Gerd Buddenbohm, Gerd Becker (3), Walter von Oepen (3), Hans Kramer (1), Dieter Waltke, Bernhard Busch (5/2). Trainer: Vitomir Arsenijevic.

TuS Nettelstedt: Abas Arslanagic, Willi Möhle; Rainer Gosewinkel (2/1), Jadrenko Demirovic (3/2), Klaus Schibschid (1), Heiner Möller (2), Jürgen Glombeck, Herbert Lübking (1), Peter Pickel (6), Fido Gast. Trainer: Herbert Lübking.

Dieter Waltke erinnert sich noch sehr genau an zwei Dinge. "Vorne habe ich überhaupt nichts hinbekommen. Darüber war ich ziemlich genervt, doch das war nicht so wichtig. Dagegen war ich mit meiner Abwehrleistung umso zufriedener, denn ich musste gegen Heiner Möller, den damals besten Rechtsaußen Deutschlands, spielen. Und das ist mir sehr gut gelungen", freut sich Waltke immer noch.

Der schnelle Linksaußen erlebte in den darauf folgenden Jahren einen sportlichen Höhepunkt nach dem anderen im grün-weißen Trikot. Außerdem denkt er logischerweise nach wie vor liebend gerne an das Endspiel der Handball-Weltmeisterschaft 1978 mit Deutschland gegen die damalige UdSSR zurück, in dem ihm innerhalb von 190 Sekunden drei extrem wichtige Treffer gelangen – der Name Dieter Waltkes wird immer im Zusammenhang mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft stehen.

Nachdem er in der Saison 1979/80 mit GW Dankersen noch den DHB-Pokalsieg errungen hatte, stand auch für ihn der Wechsel zum TuS Nettelstedt an. "Auch das entwickelte sich zu einer tollen Zeit mit vielen Erfolgen", denkt er gerne an seine Zeit in Lübbecke zurück. Auch mit dem TuS Nettelstedt gewann er den DHB-Pokal, außerdem war er an dem historischen Europapokalsieg im April 1981 gegen den SC Empor Rostock beteiligt. "Das waren ebenfalls tolle emotionale Momente, die man für alle Zeiten abgespeichert hat", erzählt Waltke, der immer noch gute Kontakte zu den ehemaligen Mitspielern beider Vereine pflegt.

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