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Christian Bollrath, wie er am Nürburgring in der Boxengasse vor seinem Audi R8 steht. - © FOTOS: NW
Christian Bollrath, wie er am Nürburgring in der Boxengasse vor seinem Audi R8 steht. | © FOTOS: NW

"Jetzt bin ich versaut"

MOTORSPORT: Wie Christian Bollrath den Nürburgring bezwingt

VON MARTIN FRÖHLICH
01.07.2011 | Stand 30.06.2011, 21:28 Uhr

Nürburg/Löhne. Ein Drittel der 24 Stunden ist fast geschafft. Mitternacht naht und Christian Bollrath saust über die Nordschleife des Nürburgrings beim größten Autorennen der Welt. Da überholt ihn eines der Topteams und nimmt sich gleich noch zwei Wagen vor. Es kracht bei Höchstgeschwindigkeit direkt vor dem Löhner. Der steigt voll in die Eisen, bringt den Audi in letzter Sekunde zum Stehen. Glück gehabt in dieser einzigen brenzligen Situation in einem Traumrennen.

Zum vierten Mal hat Christian Bollrath am für ihn schönsten Motorsportspektakel der Welt teilgenommen. Und diesmal hat sich der Amateurrennfahrer viel mehr als den Wunsch des Dabeiseins erfüllt. Der 42-Jährige hat eine Topplatzierung erreicht. Gesamtrang 18 bei 202 Startern ist viel mehr, als sich ein Quartett mit nur einem Profifahrer erhoffen darf. "Wir waren das beste Amateurteam im Feld", sagt Bollrath. Der Geschäftsführer einer deutschen US-Niederlassung in Atlanta startete auf einem Werksaudi R8 LMS mit dem Profi Frank Schmickler und den Amateurkollegen John Barker und Rudi Speich.

Keiner der drei Hobbypiloten hatte den 500-PS-starken Wagen je zuvor auf dem Nürburgring gefahren. "Die ersten Trainingsrunden waren erschreckend. Das ist wirklich ein respekteinflößendes Fahrzeug", befand Bollrath. Technisch gesehen hätte er mit dem Wagen um den Gesamtsieg mitfahren können gegen die starken Porsche, BMW und Mercedes. Drei baugleiche Audi belegten die Ränge drei bis fünf.

Doch Bollrath und Co gingen defensiv an die Sache ran. "Wir wollten uns aus allen Scharmützeln raushalten und dann sehen, wo wir landen. Sollten sie uns doch überholen." Das Vorhaben gelang auch dank der Vollbremsung in tiefster Nacht. Im Klassement vor ihnen fiel ein Fahrzeug nach dem anderen aus. "Unser Wagen war wohl der einzige, der nicht einen Kratzer hatte." Die fehlenden Trainingsrunden holte das Team einfach im Rennen nach. Klingt komsich, war aber genau so: "Wir wurden immer schneller", so der Löhner. Am Ende hätten die drei Amateure nur noch rund 15 Sekunden pro Runde auf ihren Profikollegen verloren. Bollraths schnellste Rundenzeit lag bei 9:18 Minuten. Die Spitze im Feld schaffte etwa 8:40 Minuten.

"Es war einfach ein Wahnsinnswochenende, ich kann das kaum glauben", gestand Bollrath am Montag kurz vor dem Rückflug in die USA. Satt aber sei er nicht. Von wegen: "Wir planen schon die nächsten Rennen." Schließlich müsse man die Gelegenheit, auf einem so schnellen Auto zu fahren, nutzen. Andersherum heißt das: "Jetzt bin ich versaut", sagt Christian Bollrath und meint damit all die anderen Rennautos, auf denen er bisher gefahren ist. "Auf die hat man nach diesem Audi einfach keine Lust mehr."

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