Immer nah dran: Moderator Gerhard Pohl interviewt hier die Siegerin von 2015, Martina Strutz. - © Egon Bieber
Immer nah dran: Moderator Gerhard Pohl interviewt hier die Siegerin von 2015, Martina Strutz. | © Egon Bieber

Bad Oeynhausen Interview mit Moderator Gerhard Pohl

Er ist von Beginn an dabei und erinnert sich bei den sportlichen Höhepunkten vor allem an US-Sonnyboy Jeff Hartwig und die Brasilianerin Fabiana Murer

Bad Oeynhausen. Es ist bereits die 15. Auflage des in ganz Deutschland bekannten Stabhochsprung-Meetings im Bad Oeynhausener Werre-Park. Heute geht es mit dem Nachwuchs los, am Freitag folgen die Frauen und am Samstag schwingen sich die Männer hinauf zur Glaskuppel. Im Vorfeld dieser Veranstaltung sprach NW-Sportredakteur Egon Bieber mit Moderator Gerhard Pohl, dem "Mann der ersten Stunde". Er begleitete von 2002 an jedes Event im Werre-Park mit seinen fachkundigen Kommentaren am Mikrofon. Er ist Freier Journalist und Fotograf in Potsdam und moderierte auch schon Sportgalas und Leichtathletik-Veranstaltungen. Sie sind von der ersten Veranstaltung in 2002 an dabei. Was würden Sie als Ihr persönliches sportliches Highlight im Werre-Park bezeichnen? Gerhard Pohl: Da überragt natürlich der Sprung über 6,01 Meter von Jeff Hartwig (USA), dem Sieger des ersten Meetings 2002. Er überquerte ja in einem weiteren Versuch noch die 6,10 Meter, schlug aber in der Abwärtsbewegung mit einer Hand noch die Latte vom Aufleger. Das war ein denkwürdiges Springen. Spätestens nach diesem Auftaktmeeting kannte die ganze Leichtathletik in Deutschland die Kurstadt Bad Oeynhausen mit dem Werre Park. Hartwig trug sich ja noch in den Folgejahren vier Mal als Sieger ein. Unbedingt zu nennen sind auch die polnischen Athleten Adam Kolasa, der 2009 die Qualifikationsnorm seines Verbandes für die Halleneuropameisterschaften in Bad Oeynhausen sprang sowie der Landesrekord-Sprung über 5.90 Meter durch Piotr Lisek im vergangenen Jahr. Bei den Frauen habe ich Fabiana Murer aus Brasilien und Nicole Büchler aus der Schweiz in bester Erinnerung. Sie überquerten 2014 die Höhe von 4,63 Meter, und das ist der aktuelle Rekord im Werre Park. Auf den Punkt gebracht: Bad Oeynhausen hat sich zu einer internationalen Adresse bei den Leichtathleten in Sachen Stabhochsprung entwickelt. Was hat Sie außerhalb des sportlichen Wettkampfs hier am meisten beeindruckt? Pohl: Es ist eigentlich alles rund um das Meeting. Vom ersten Auftreten an habe ich mich und das gesamte Organisationsteam vom SC Potsdam hier heimisch gefühlt. Vom Center-Management erhielten wir die bestmöglichste Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung einer solch bedeutenden internationalen Sportveranstaltung. Probleme wurden ohne lange Diskussion sofort gelöst. Es ist sehr angenehm, wenn man den Werre-Park betritt und die Besucher sprechen einen an: "Das ist ja schön, die Stabhochspringer sind wieder da". Und schon ist man mitten in einem Gespräch mit den Menschen. Man spürt, da ist etwas, was von der Bevölkerung und den zahlreichen Gewerbetreibenden dieser Verkaufseinrichtung angenommen wird. Ja sie stehen hinter diesem Ereignis. Es macht einfach große Freude, hier mit dem Mikrofon als Mittler zwischen Sport und Zuschauer agieren zu dürfen, es ist immer wieder ein tolles und begeisterungsfähiges Publikum. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der jungen Stabhochspringer bei diesem Meeting? Pohl: Es ist ein besonderes Anliegen dieses Meetings, was im vollen Umfang auch auf die analoge Veranstaltung im Stern Center von Potsdam zutrifft, dem Nachwuchs eine Plattform, eine Bewährungsprobe durch Wettkämpfe vor großem Publikum zu bieten. Hier unterscheiden wir uns als Ausrichter nahezu von allen anderen Stabhochsprung-Meetings in Deutschland erheblich, wo oft nur Männer antreten. Wenn wir international (weiter) bestehen wollen, muss die Basis hierfür beim Nachwuchs geschaffen werden. Dass dieses Konzept, besser die Notwendigkeit der Förderung der unteren Altersbereiche aufgeht, hat diese Veranstaltung eindrucksvoll bewiesen. Ständig steigende Teilnehmerzahlen bei den Jungen und Mädchen aus mehreren Bundesländern belegen es nachhaltig. Das zwang uns zur Durchführung der einzelnen Springen, oft kurzfristig, entsprechende Organisationsformen zu finden, um den großen Teilnehmerfeldern auch korrekte Wettkämpfe entsprechend der IWR zu garantieren. Und die jungen Athleten/-innen dankten es mit großem Engagement und vielen neuen persönlichen Bestleistungen. Genau das wollten wir. Bad Oeynhausen hat zum Abschluss der Hallensaison einen festen Platz im Terminkalender der Vereine! Wo steht aktuell der Stabhochsprung in Deutschland. Ist er international konkurrenzfähig? Pohl: Wenn man den überschaubaren Zeitpunkt der letzten beiden Olympiazyklen betrachtet, konnten wir zumindest im Männerbereich mit zwei Medaillen in London 2012 durch Björn Otto und Paphael Holzdeppe international mithalten. Holzdeppe wurde 2013 Weltmeister und belegte 2015 den 2. Platz. Otto ersprang sich jeweils Silber bei Welt- und Europameisterschaften. Auch in der Halle konnte bei internationalen Titelkämpfen Edelmetall erkämpft werden. Insgesamt könnten wir noch ein paar Anschlusskader, wie unter anderem Carlo Paech, gebrauchen. Wie sieht es bei den Frauen aus? Pohl: Bei den Frauen sind wir von der internationalen Spitze etwas entfernt. Der WM- und EM-Medaillengewinn von Martina Strutz liegt schon einige Jahre zurück. DLV-Athletinnen, die konkurrenzfähige Höhen von etwa 4,75 beziehungsweise 4,80 Meter konstant anbieten, sind gegenwärtig nicht in Sicht. Da haben wir großen Nachholbedarf. Am ehesten ist Silke Spiegelburg in der Lage, in der internationalen Spitze mitzuspringen. Was den Nachwuchs im Stabhochsprung anbelangt, hat gerade Finnland bei den Jungen und Mädchen erstaunliches geleistet. Was erwarten Sie sportlich von der bereits 15. Auflage des Stabhochsprung-Meetings im Werre-Park? Pohl: Wir werden wieder spannende Springen erleben dürfen. Natürlich haben die internationalen Wettbewerbe der Frauen und Männer eine herausragende Stellung. Sie sind beide gut besetzt. Immerhin stehen mit dem Deutschen Hallenmeister Carlo Paech, der als Sieger in Potsdam die WM Norm von 5,77 Meter erfüllte, und weitere erstklassige Athleten wie unter anderem der Franzose Jerome Clavier in der Springerliste, die einen offenen und spannenden Wettkampf garantieren werden. Leider fehlt der gemeldete Raphael Holzdeppe, amtierender Vizeweltmeister, wegen einer Fußverletzung. Was ist von den Frauen beim Meeting zu erwarten? Pohl: Bei den Frauen könnte es durch die Schweizerin Nicole Büchler einen neuen Meeting-Rekord geben. Sie springt in dieser Saison beständig über 4,60 Meter und wird sicherlich alles daran setzten, die 4,63 Meter zu übertreffen. Ihren elften Start hat bereits Lokalmatadorin Annika Roloff vom MTV Holzminden, die am vergangenen Wochenende die Bronzemedaille bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig gewonnen hat. Sie wird ja jetzt am Bundesstützpunkt Potsdam vom DLV-Disziplintrainer Stefan Ritter betreut, wo zur Trainingsgruppe auch Anjuli Knäsche und Friedelinde Petershofen gehören. Auch sie greifen am Freitag zum Stab. Dieses Trio blickt berechtigt in Richtung nationale Spitze. Aber auch vom Nachwuchs erwarte ich zum Ende der Hallensaison neue Bestleistungen. Was könnte das Meeting noch bereichern? Pohl: Grundsätzlich sollte dieses Konzept, was ein Mix aus Nachwuchs- und Spitzensport sowie Unterhaltung ist, beibehalten werden. Ich würde es als zusätzliche Bereicherung ansehen, wenn die Sportvereine, Fitness Center beziehungsweise Gesundheitseinrichtungen von Bad Oeynhausen und Umgebung diese Veranstaltung nutzen würden, sich an den drei Tagen zu präsentieren und ihre Angebote beziehungsweise vorhandenen Möglichkeiten im Werre-Park vorstellen.

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