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Beim ersten Krombacher-Fußball-Talk des FLVW Höxter im Sporthaus Klingemann am Samstag war Ansgar Brinkmann, Ex-Profi und Ex-Enfant terrible, bestens gelaunt und beantwortete gewohnt offenherzig die Fragen von Moderator Sepp Kagerbauer. - © FOTOS: INGO KORTMANN
Beim ersten Krombacher-Fußball-Talk des FLVW Höxter im Sporthaus Klingemann am Samstag war Ansgar Brinkmann, Ex-Profi und Ex-Enfant terrible, bestens gelaunt und beantwortete gewohnt offenherzig die Fragen von Moderator Sepp Kagerbauer. | © FOTOS: INGO KORTMANN

Weisheiten des weißen Brasilianers

Ex-Profi Ansgar Brinkmann im Mittelpunkt der Krombacher-Talkrunde des Sportkreises Höxter

VON INGO KORTMANN
14.08.2012 | Stand 13.08.2012, 20:13 Uhr

Höxter. Die Idee ist clever, keine Frage. Wenn Ansgar Brinkmann, Ex-Profi und Ex-Enfant terrible auch des ostwestfälischen Profifußballs, nach Höxter zu locken wäre, dann mit einem Stammtisch. Und mit einem Sponsor. Kohle und Kneipe, das hat immer gepasst.

Noch heute staunen die älteren Fans im ehrwürdigen Preußenstadion, dass der insgesamt dreimal für Münster aktive Brinkmann seinerzeit mehr Studentenkneipen kannte als jede Infoschrift für Erstsemester und sich auch schon mal vor dem Eckball und durch den Stadionzaun nach der besten Party am Abend erkundigte.

Brinkmann war bei den Preußen und eigentlich auch überall sonst nicht so etwas wie heute "der Kehl", "der Badstuber" oder "der Huntelaar". Er war Ansgar. Fast zärtlich ausgesprochen, geliebt und gefeiert für seine Übersteiger, Dribblings, die ganzen Verrücktheiten. Ansgar war immer Kult.

Es ist schon spät, der Krombacher-Fußball-Stammtisch nach großem TV-Vorbild im Sporthaus Klingemann sollte nun beginnen. Josef Pürschel vom ausrichtenden Sportkreis Höxter schaut etwas nervös zur Tür, die Talk-Gäste Manfred Schnieders (FLVW), Jürgen Holletzek (Fußballschule Hannover 96), Elmar Gierse (Vorsitzender SV Höxter), Hubertus Grimm (Stadt Höxter), Dennis Pape (Lokalpresse) sowie Moderator Sepp Kagerbauer (Trainer TuS Bad Driburg) warten vor dem Podium.

Dann stößt Brinkmann hinzu, endlich, lässiges Polo-Shirt, Jeans und Turnschuhe, der blonde Pony noch immer etwas zu lang im Gesicht.

Wie es sich denn anfühle, doch eigentlich zu wenig erreicht zu haben in der Karriere, will Kagerbauer zuerst wissen. "Na ja, hätte auch viel weniger sein können", grinst Ansgar die Frage weg. Verbale Körpertäuschung Brinkmann, Gelächter bei den Zuhörern. Brinkmann stilisiert sich als "Typ mit Ecken und Kanten", das ist sein Geschäftsmodell. Und das will gepflegt sein.

So geht es ein wenig weiter in der illustren Diskussionsrunde. Jürgen Holletzek mahnt grundlegende Werte wie Respekt und Anstand an, Hubertus Grimm vertieft den demografischen Wandel im Kreis und ist für Spielgemeinschaften, Manfred Schnieders ist dagegen, Sepp Kagerbauer fragt nach Brinkmanns Fußballschuhen, Elmar Gierse wird Brinkmann nicht für den SV Höxter verpflichten. Intensiv und erkenntnisreicher wird es vor allem, als über die Nachwuchsarbeit diskutiert wird.

"Dass nur der Erste und der Beste zählt ist in frühen Jahren der falsche Ansatz", findet Ansgar Brinkmann und erntet viel Zustimmung. "Es geht um die Freude und darum, in jungen Jahren überhaupt Sport zu machen." Der weiße Brasilianer ist manchmal auch ein weiser Brasilianer. Manchmal.

Die Zeit verfliegt, die Talkrunde auch. Ansgar muss zurück nach Osnabrück, der Rest zurück an die Basis. Unterhaltsam war und ist ein Nachmittag mit Ansgar Brinkmann immer, zum Vorbild aber taugt der Unvollendete wohl nicht. Und auch die Preußen in Münster, die stiegen mit Brinkmann erst aus der zweiten Liga ab und dann nie wieder auf, allen Übersteigern zum Trotz. Auch das ist Teil der Wahrheit.

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