Bessere Regeln: Erdogan Acar vom TuS Erkeln findet nur den Fairplay-Anstoß widersinnig. - © Aaron Reineke
Bessere Regeln: Erdogan Acar vom TuS Erkeln findet nur den Fairplay-Anstoß widersinnig. | © Aaron Reineke

Kreis Höxter "Die neuen Regeln wurden von Theoretikern aufgestellt"

Futsal: In der Halle wird kein Fußball, sondern nur noch Futsal gespielt. Die neuen Regeln - speziell der sprungreduzierte Ball - sorgen für viele Diskussionen bei den Hallenturnieren von der Jugend über die Senioren bis hin zu den Altherren

Aaron Reineke

Kreis Höxter. "Fußball oder Futsal?", das ist aktuell bei nahezu jedem Hallenturnier die Frage. Besonders im Seniorenbereich können sich Viele nur schwer mit den neuen Regeln anfreunden. Vielerorts wird der Sinn des neuen Regelwerks hinterfragt und es wird eine klare Linie vermisst. Einzig das vom Futsal übernommene Grätsch-Verbot findet eine deutliche Mehrheit an Befürwortern. Die Vier-Sekunden Regel (Torhüter müssen den Ball innerhalb von vier Sekunden abwerfen und Schützen Eckbälle sowie Freistöße in dieser Zeit ausführen), der fünfte Feldspieler anstelle eines Torhüters, ein anderer Ball und ein Fairplay-Anstoß, bei dem der Ball zunächst zum Gegner gepasst wird um dann direkt zurückgespielt zu werden, fallen bei zahlreichen Beteiligten unter die Kategorie "nicht besser, Hauptsache anders". Spieler und Trainer äußern sich zu der Regelneuerung - mit den unterschiedlichsten Ergebnissen. Erdogan Acar (Trainer TuS Erkeln): "Ich finde die neuen Regeln gut. Man hat jetzt auch die Möglichkeit, in der Schlussphase bei einem Rückstand den Torhüter durch einen fünften Feldspieler zu ersetzten und so zusätzlich Druck zu erzeugen. Meiner Meinung nach sind die Regeln besser geworden und die Verletzungsgefahr wurde reduziert. Auf den Fairplay-Anstoß könnte ich dennoch verzichten. Ein solcher Anstoß bringt noch lange kein Fair-Play." René Filter (SV Bredenborn): "Beim Winter-Cup wurde nicht mit einem Futsal gespielt und daher wieder mehr gebolzt. Hier fehlt die Einheitlichkeit. Der Fairplay-Anstoß ist nicht verkehrt. Die Vier-Sekunden Regel wird nur selten wirklich durchgeführt und ist so kaum zu beurteilen. Wirklich nervig ist es, dass die Torhüter den Ball abwerfen können wie sie wollen. So wird das Spiel schnell hektisch, es gibt viele Ballverluste und keinen sicheren Aufbau mehr." Mark Meinhardt (Trainer FC Nieheim): "Ich halte vom Futsal absolut nichts. Fußball ist Fußball und Futsal ist eine eigene Sportart, für die es auch eigene Ligen, Mannschaften und Regeln gibt. Ich kann mit einem Futsal-Ball rein gar nichts anfangen. Wir spielen mit dem FC Nieheim bei keinem Hallenturnier mit, weil wir uns keine Verletzten mehr erlauben können." Thorsten Kraut (Trainer B- und C- Junioren SpVg. 20 Brakel): "Besonders das rigorose Ahnden von Grätschen finde ich gut. Die Vier-Sekunden-Regel beschleunigt das Spiel und macht es so attraktiver. Der Futsal selbst kommt dem Fußball entgegen, es wird weniger gebolzt. Wenn der Fairplay-Anstoß richtig ausgeführt wird, zeigt dies einen der Grundgedanken des Fußballs, den fairen Umgang miteinander und nimmt beim engen Hallenfußball ein wenig die Anspannung aus der Partie. Stephan Zänger (Trainer SV Nieheim-West): "Hallenfußball soll Spaß machen! Das neue Regelwerk und der Futsal machen mir persönlich keine Freude. Es wurde versucht die Spielqualität durch neue Regeln zu erhöhen, davon sind wir aber meilenweit entfernt. Besonders schlimm finde ich, dass selbst sogar die Altherren ihre Turniere nach dem neuen Regeln absolvieren müssen. Es wäre schön, wenn wir wieder zu den Wurzeln des Budenzaubers zurückkehren würden." Heinz-Josef Böddeker (SV Holzhausen/Erwitzen): "Das Grätschverbot finde ich super. Das Verletzungsrisiko wird damit deutlich geringer und es wird mehr gespielt. Der Futsal selbst ist eine absolute Katastrophe. Die Vier-Sekunden-Regel, die das Spiel schneller machen soll, ist ein Widerspruch zur Abschaffung der Bande und auch der Fairplay-Anstoß ist völliger Unsinn. Die neuen Regeln wurden wieder einmal von Theoretikern und nicht von Praktikern erstellt."

realisiert durch evolver group