0

"Das ist der Tod eines jeden Ehrenamtlers"

Fussball: Wie das Urteil über einen Jugendtrainer im Sportkreis Höxter gesehen wird

22.01.2015 | Stand 21.01.2015, 19:53 Uhr

Kreis Höxter (um). Das Urteil, das gestern in Detmold gesprochen wurde, betrifft natürlich auch den Sportkreis Höxter mit seinen vielen ehrenamtlich arbeitenden Jugendtrainern oder Betreuern. Und nicht nur die. Hermann-Josef Koch, Vorsitzender des Sportkreises Höxter geht sogar soweit, dass er glaubt, dass das Urteil "der Tod eines jeden Ehrenamtlers ist".

"Da werden sich in Zukunft viele überlegen, ob sie noch ein Ehrenamt im Sportverein übernehmen", glaubt Koch, der selbst jahrzehntelang ehrenamtlich tätig ist. Er selbst ist als Hausmeister der Sportanlagen am Bad Driburger Iburgstadion verantwortlich für die Sicherheit. "Jeder Unfall ist schlimm, gar keine Frage, aber man sollte das nicht überbewerten und nicht in Panik verfallen. Ich gehe davon aus, dass das in unseren Hallen im Kreis Höxter nicht passieren kann. Alle Tore sind gesichert. Und draußen müssen die tragbaren Toren entweder durch Gewichte oder Erdhaken gesichert werden. Wir beim TuS Bad Driburg haben extra Gewichte daran", erklärt Koch. Aber er will mit dem Kreisvorstand alle Ehrenamtler im Sportkreis sensibilisieren. "Wir müssen die Leute in den Vereinen aufklären bezüglich der Sicherheit."

Information

Das Urteil

Detmold (lz). Das Amtsgericht Detmold hat am Mittwoch einen ehrenamtlichen Jugendtrainer des FC Augustdorf der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gesprochen. Der Angeklagte erhielt eine Strafe in Höhe von 40 Tagessätzen á 50 Euro (2.000 Euro) auferlegt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Außerdem muss er eine Geldauflage in Höhe von 700 Euro an den Kinderschutzbund Lemgo zahlen. Zur Überzeugung des Gerichts hat der Betreuer am 12. Januar 2013 bei einem D-Jugend-Hallenturnier in Augustdorf seine Sorgfaltspflichten verletzt. Damals war ein ungesichertes Handball-Tor einem seinerzeit elf Jahre alten Jungen auf den Kopf gefallen und hatte ihn sehr schwer verletzt.

Auch Horst Sündermann, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, sieht aufgrund des Urteils große Probleme speziell für die Jugendarbeit auf sich zukommen. "Es ist jetzt ja schon schwierig, immer genug Trainer und Betreuer für die Jugend zu bekommen. Das wird jetzt noch schwieriger. Da fragt sich mancher, ob er sich so etwas noch antut. Oft genug trainiert einer allein und kann unmöglich auf alle Kinder ein Auge haben." Beim Jugend-Staffeltag am Mittwoch, 28. Januar, wird über das Thema auf jeden Fall mit den Vereinsvertretern diskutiert. "Wir können als Kreisjugendausschuss aber nichts anderes machen, als den Vereinen zu sagen, dass sie auf die Sicherheit der Tore unbedingt achten müssen", so Sündermann.

Auch Olaf Wittrock, Jugendobmann der JSG Marienmünster und Trainer, sieht das Urteil kritisch. "Bei uns sind die Tore in der Halle und auch draußen gesichert, trotzdem kann immer etwas passieren. Das Problem ist, dass durch das Urteil das Ehrenamt beschädigt wird. Vor allem jüngere wird man so noch schwerer als Trainer oder Betreuer gewinnen können", so Wittrock.

Norbert Sander vom Jugendvorstand des TuS Bad Driburg war über den Unfall schockiert. "Das ist tragisch, hätte aber vielen anderen Trainern auch passieren können. Nicht alle Vereine sichern ihre Tore. Oft liegt es auch am Geld noch ein Schloss oder Gewichte zu kaufen oder an der Zeit. Spätestens jetzt sollten alle 100-prozentig die Regeln einhalten. Als Jugendtrainer hat man eine große Verantwortung, auch für die Gesundheit und Sicherheit der Kinder", so Sander, der anfügt: "dieses Urteil sollte uns alle wachrütteln und mehr sensibilisieren."

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group