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Die Roten gegen die Blauen: Hendrik Wegener (links, SVLO) gegen Eduard Reh (TuRa), beobachtet von Sebastian Richter. - © Benjamin Büschenfeld
Die Roten gegen die Blauen: Hendrik Wegener (links, SVLO) gegen Eduard Reh (TuRa), beobachtet von Sebastian Richter. | © Benjamin Büschenfeld

Löhne "Das war nicht selbstverständlich"

FUSSBALL-KREISLIGA A HERFORD: Der TuRa-Trainer lobt sein Team / SVLO geht fast mit Ansage (r)unter

Wolfgang Döbber
06.07.2015 | Stand 05.07.2015, 21:44 Uhr

Löhne. Schon zwei Spielzeiten zuvor rettete sich der SVLO jeweils auf der letzten Rille, beim dritten Versuch ging es komplett schief. Ein Abstieg fast mit Ansage. Aber sehr souverän hingenommen, am "Brückenhaus" gab es keine Zerfleischungsszenen oder Vorwürfe. Im Gegenteil: Der SVLO will schnell die Ärmel wieder hochkrempeln. TURA LÖHNE Können 113 Tore lügen? Wohl kaum. Die Studtrucker-Elf blieb nur beim 0:0 gegen Hiddenhausen ohne eigenen Treffer. Der Aufsteiger in die Fußball-Bezirksliga verdiente sich den Titel mit einem stabilen Teamkonstrukt, einer wuchtigen Offensive und einer imponierenden Rückrunde, die mit einem Paukenschlag begann. 1:3 verlor TuRa gegen das bis dahin sieglose Schlusslicht SV Löhne-Obernbeck. Doch anstatt in Sack und Asche zu gehen, richtete die Studtrucker-Elf den Blick nach vorne, kompensierte die vielen Abgänge (unter anderem Sergej Bartel als Trainer zum VfL Holsen) mit A-Junioren und blieb in der Folge in 15 Partien ungeschlagen (12-3-0). Am Ende stand souverän der 1. Platz mit 73 Punkten. Der TV Herford knickte zudem ein und verlor das entscheidende Spitzenspiel bei TuRa mit 1:3. Auswärts machte TuRa dann den Sack mit drei souveränen Siegen (3:1, 5:0, 5:1) den Sack zu und wurde am vorletzten Spieltag schon Meister. Bemerkenswert: Der Absteiger SVLO knüpfte TuRa (4:4, 3:1) vier Punkte ab, wie auch der SC Enger (2:1, 1:1). Gegen den VfL Herford gab es zwei Remis, ansonsten waren die TuRaner in den Duellen zum Teil deutlich überlegen. Eine bemerkenswert stabile Saison. Trainer Stefan Studtrucker schaffte in seiner zweiten Spielzeit den Aufstieg mit den "Roten" und resümierte: "Kompliment. Die Mannschaft hat nie aufgesteckt, wir haben den großen Aderlass zwischendurch mit den A-Junioren bestens kompensiert. Dass sie so stark einschlagen, das war ja nicht unbedingt zu erwarten und keine Selbstverständlichkeit. Das Team hatte den unbedingten Willen, jedes Spiel zu gewinnen. Und zu lernen, zum Beispiel in Sachen Handlungsschnelligkeit im Spiel. Wir haben mit Abstand die meisten Tore geschossen und mit 35 die wenigsten kassiert. Das ist ein Schnitt von 1,1 pro Spiel. Damit kann ich gut leben. Damit steigt man auf"! VFL MENNIGHÜFFEN Können 84 Gegentore lügen? Wohl kaum, und es ist auch einige Zeit nach der Saison unverständlich, warum die Elf so wenig Konstanz und Defensivstabilität in der Liga hatte, trotz der vielen wichtigen Spieler, die mitunter fehlten (unter anderem Jens Kickelbick, Donat Fetahaj, Marius Mosiolek, Jan Weber, Torwart Dennis Schmidt und viele andere). Es gab zwischendurch vom VfL Spiele, da durfte der Fußballfan mit der Zunge schnalzen, dann wiederum hätte der sich fast an der selben verschluckt angesichts haarsträubender Defensivfehler. Mennighüffen (jeweils 19 Punkte pro Halbserie, nach acht Spielen sogar im tiefen Tabellenkeller) setzte sich nie entscheidend aus dem unteren Mittelfeld ab, musste bis zum vorletzten Spieltag auf den Relegationsrang achten. Viel zu wenig für den einstigen jahrelangen Bezirksligisten, sieht man den ausgewogenen und gut verstärkten Kader mit allen Altersklassen sowie so unterschiedlichen Typen und Leadern wie Gugo Tamojan, Jens Kickelbick, Jan Weber oder die Mosiolek's oder die Fetahaj's. Nachwuchsspieler wie Niklas Stickdorn, Kevin-Can Aklikli oder Dennis Klipker hatten ihre Einsatzzeiten und werden unter dem neuen Trainer Lars Thielking sicher ihren Weg machen. Trainer Mario Ljubas, der nach dem 1:6 beim SC Herford II nach einer Saison-Analsyse zurücktrat, sagte umfassend: "Dieses Spiel war ein Spiegelbild der Saison. Ein lauer Sommerkick. Wir konnten froh sein, nicht mehr Tore kassiert zu haben. Die Einstellung fehlte komplett. Die Mannschaft hat sich zu oft durch viele entscheidende individuelle Fehler um den Lohn gebracht. Wir haben immer nur kleine Einzelschritte gemacht." Dass die Elf sich am Ende nach der 5:1-Gala beim TV Herford (2:3 Bünde, 1:6 SCH II) nicht aus eigener Kraft gerettet hat oder zumindest den 9. Platz so herschenkte, wurmte Ljubas. Nun werden die Uhren auf "Null" gestellt, ein neuer Trainer "von außen" soll es richten. SV LÖHNE-OBERNBECK Kann der dritte Abstiegskampf in der Fußball-A-Liga in Folge Zufall sein? Wohl kaum. Dem SVLO und dem Trainer Markus Drawert gebührt aber der Respekt, nach einer sportlich dürftigen bis katastrophalen Hinrunde mit vier (Remis)-Punkten noch einmal am Klassenerhalt geschnuppert zu haben. Denn mit den vier Siegen unmittelbar nach der Winterpause war der SVLO auf einmal wieder im Rennen. Doch dann zeigte sich nach einem 0:5 in Oetinghausen wieder ein krasser Leistungsabfall, vor allem daheim beim 1:4 gegen Rot-Weiß Kirchlengern II. Der SVLO-Vorsitzende Jörg Petzold fasst diese Phase der Saison so zusammen: "Die Tendenz in der Rückrunde ging ja zunächst nach oben, und wir waren ja auch nicht angetreten, so eine Hinrunde noch einmal abzuliefern. Aber wir wussten, die Chemie und die Harmonie zwischen Team und Trainer passte, also brauchten wir nicht eingreifen. Nach den vier Siegen haben uns dann die beiden Niederlagen gegen RWK II und Bruchmühlen II das Genick gebrochen. Das waren die vorentscheidenden Knackpunkte. Mit dem 2:3 gegen Hunnebrock war es dann endgültig aus. Aber wir wollen gestärkt wiederkommen, die Mannschaft bleibt bis auf wenige Ausnahmen zusammen. Wir wollen das wieder reparieren." Immerhin schaffte es der SVLO, dem späteren Meister TuRa Löhne vier Punkte abzuknöpfen (4:4, 3:1). "So schlecht konnte die Mannschaft ja nicht sein. Es fehlte hingegen in vielen Spielen an der nötigen Ruhe, und die Chancenverwertung war einfach schlecht", ergänzte Trainer Markus Drawert. Selten konnte der SVLO, bedingt durch Ausfälle und Formschwankungen von Spielern, einmal dieselbe Elf durchspielen lassen. Auch auf der Torwartposition gab es den ein oder anderen Wechsel. "Vielleicht ist es besser, dass nach drei Jahren im Abstiegskampf sich in der B-Liga wieder das Gefühl des Siegens einstellt", sagte Jörg Petzold guten Mutes vorausschauend. Es sei ihnen zu wünschen, dem Dynamiker Drawert und dem ganzen Team.

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