Das Trikot passt noch: Fürs Foto hat sich Dieter Pries noch einmal die Arbeitsbekleidung aus dem Jahr 1973 angezogen und es sich damit im Garten des eigenen Hauses gemütlich gemacht. Sportlich wirkt der Mann eben immer noch. - © FOTO: DIRK KRÖGER
Das Trikot passt noch: Fürs Foto hat sich Dieter Pries noch einmal die Arbeitsbekleidung aus dem Jahr 1973 angezogen und es sich damit im Garten des eigenen Hauses gemütlich gemacht. Sportlich wirkt der Mann eben immer noch. | © FOTO: DIRK KRÖGER

Kirchlengern Warum Pelé sich bedankte

SPORT-LEGENDEN: Dieter Pries zog es einst vom SV Ennigloh in den Profi-Fußball

Dirk Kröger

Kirchlengern. Irgendwie hat er sich nicht verändert. Dieter Pries ist inzwischen zwar 63 Jahre alt und seit fünf Jahren im Vorruhestand, aber dieses spitzbübische Grinsen hat er sich über die Jahrzehnte bewahrt. Seine offene Art ist die gleiche wie zu den Zeiten der sportlichen Anfänge - und Erfolge heimst der Mann auch immer noch ein. Als Achtjähriger begann Pries das Fußballspielen beim VfL Herford. Er durchlief am Gaswerk alle Jugendmannschaften, ehe es ihn zum SV Ennigloh zog, wo er gleich Torschützenkönig in der Landesliga wurde. Das machte den benachbarten Profi-Verein Arminia Bielefeld auf ihn aufmerksam. Der suchte nach dem Bundesligaskandal und dem Zwangsabstieg aus der Erstklassigkeit junge Spieler aus der Region - und verpflichtete Dieter Pries nach einem Probetraining. Natürlich mussten die Bielefelder schon damals Geld sparen - auch diesbezüglich hat sich nichts verändert. Aber Pries erhielt auf der "Alm" immerhin 10.000 Mark Handgeld, dazu ein monatliches Brutto-Einkommen von 500 DM sowie Prämien. Nebenbei arbeitete er als Elektriker bei der Firma Heinze. Der rasante Aufstieg des Dieter Pries erreichte in den Jahren 1972 bis 1974 seinen Höhepunkt, als er in der Regionalliga West - damals die zweithöchste deutsche Spielklasse - zunächst unter Trainer Jan Notermans, dann unter Norbert Lessle für die Arminia stürmte. Gerd Siese, Detlef Kemena, Norbert Leopoldseder, Georg Stürz, Hans-Jürgen Wloka, Bernd Wehmeier, Jürgen Gelsdorf, Wolfgang Pohl und Wolfgang Mittendorf gehörten zu den Mitspielern des damals 20-jährigen Stürmers. Seine Zeit bei Arminia genoss Dieter Pries. Und auch im Rückblick kann er davon schwärmen. "Das war damals schon sehr professionell. Das Training war anders, wir bekamen Massagen. Aber der Höhepunkt war immer, wenn wir zu einem Heimspiel durch den Tunnel auf den Rasen der Alm gingen und bejubelt wurden - das gab jedes Mal wieder eine Gänsehaut", berichtet er. Die intensivste Erinnerung an seine Bielefelder Zeit ist aber nicht mit einem Punkt-, sondern mit einem Freundschaftsspiel verbunden. Die Arminen unternahmen eine USA-Reise und traten in deren Rahmen in Philadelphia gegen den großen FC Santos an. Und der spielte mit Pelé. "Eigentlich war alles klar, ,Mongo' Mittendorf sollte gegen ihn spielen. Aber irgendwie hatte der am Tag des Spiels plötzlich eine sehr merkwürdige Magen-/Darmerkrankung", erinnert Pries sich, der daraufhin zum Pelé-Gegenspieler auserkoren wurde und von Trainer Jan Notermans mit auf den Weg bekam, dass Grätschen gegen den Superstar verboten sei: "Lauf einfach neben ihm her", soll der Bielefelder Coach gesagt haben. Pries tat das. Und als Pelé sich in der 75. Minute auswechseln ließ, ging der noch zu seinem Gegenspieler und bedankte sich mit einem Handschlag für das faire Spiel. Dass Dieter Pries beim folgendem Freundschaftsspiel in Deutschland gegen Borussia Mönchengladbach dann Günter Netzer als Gegenspieler zugeteilt bekam, verstand sich fast von allein. Doch die Profizeit endete schnell. Rudi Fastnacht wurde Trainer in Bielefeld, erwischte Pries, wie der in einer Kneipe ein Alster trank und servierte ihn daraufhin ab. Der Ex-Ennigloher wollte zur DJK Gütersloh wechseln, beide Vereine mochten sich aber nicht auf eine Ablösesumme einigen. "Aus Trotz bin ich dann Amateur geworden. Das war wohl der größte Fehler meines Lebens", weiß er zurückblickend. Es folgten Spieler- und Trainerstationen beim FC Gohfeld, Bünder SV, FC Gütersloh, wieder Gohfeld, SuS Wulferdingsen, BV Stift Quernheim und noch einmal beim Bünder SV. Zudem spielte Pries weiter in der Traditionsmannschaft Arminia Bielefelds - bis vor acht Jahren. Parallel dazu hatte er mit dem Tennisspielen begonnen - und entschied sich als Senior dann für diesen Sport, in dem er beinahe noch erfolgreicher war und ist als im Fußball. Aktuell belegt Pries den 80. Platz in der deutschen Rangliste der Herren 60 und ist beim TC Hiddenhausen in der Westfalenliga tätig. Zuvor war er drei Jahre lang Spitzenspieler beim VfL Herford - und blieb in dieser Zeit gänzlich ungeschlagen. Stolz zeigt Dieter Pries eine Urkunde: Im vergangenen Jahr wurde er Bezirksmeister der Herren 60. "So lange ich noch halbwegs laufen kann, werde ich auch Tennis spielen", sagt der Ex-Profi, der in dieser Sportart kein Geld verdient. Dieter Pries? Herz schlägt indes immer noch für Arminia Bielefeld. "Ich gehe auch auf die Alm", berichtet er, "bei dem Verein fühlt man sich einfach wohl." Entsprechend hatte der Ex-Stürmer nach dem Pokalsieg gegen Werder Bremen vergangene Woche besonders gute Laune. "Das ist für den ganzen Verein Gold wert", freut er sich mit den jetzigen Arminen, die seiner Meinung nach viel mehr gefordert werden als der damalige Vertragsspieler Pries: "Der Fußball ist athletischer als damals, und auch im taktischen Bereich sind die Spieler unglaublich gefordert. Damals war Fußball einfacher zu spielen", weiß er. Arminia Bielefeld - das ist für Dieter Pries neben seiner Ehefrau, mit der er inzwischen seit 40 Jahren verheiratet ist, den beiden Kindern und der Enkeltochter die Liebe des Lebens. Aber ein Stück in seinem Herzen ist auch noch frei für den BV Stift Quernheim. "Da gehe ich manchmal noch hin. Und in Rödinghausen war ich auch schon im Stadion. Ein gutes Fußballspiel ist doch immer etwas Schönes", sagt der Mann, der einst durchaus auch zum SC Herford gegangen wäre. "Aber der damalige Trainer wollte mich nicht haben", erinnert er sich. Reich geworden ist Dieter Pries durch den Fußball nicht. "Aber ich war immer sparsam", sagt er. Und so war er schon früh in der Lage, sich im Kirchlengeraner Ortsteil Häver ein schmuckes Haus zu bauen. Dort bewahrt er all seine Erinnerungsstücke auf: Fotos, Zeitungsausschnitte, Pokale. Sein Leben ist halt dem Sport gewidmet - und auch dieser Bericht wird sicher noch in Dieter Pries Erinnerungs-Koffer Einzug halten.

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