Die 18-jährige Erika Mumperow (4. v. l.) im Kreis ihrer Tennisfreude im August 1933 auf dem Vereinsgelände des TC Herford.
Die 18-jährige Erika Mumperow (4. v. l.) im Kreis ihrer Tennisfreude im August 1933 auf dem Vereinsgelände des TC Herford.

Vom Verbot bis zur Rehabilitierung

Herforder Sportgeschichte nach Dokumentationen von Rudolf Wehmeier und eigenen Recherchen

VON ULRICH FINKEMEYER

Herford. Die Herforder Sportgeschichte erfuhr nach der Machtergreifung Hitlers Anfang 1933 einen heftigen Einschnitt, bedingt durch das Verbot des sozialdemokratischen Arbeitersportes. Um die folgende Verschmelzung mit dem "bürgerlichen" Sport, von dem sich der Arbeitersport zuvor scharf distanziert hatte, kam es zu heftigen Diskussionen. In Herford betraf das Verbot des Arbeitersports, der seit seiner Entstehung 1893 mit der Sozialdemokratie eng verbunden ist, den Verein für Leibesübungen Herford, der erst 1930 aus dem Turnverein "Jahn"? Vorwärts Stiftberg und dem Turnerbund Stiftberg hervorgegangen war.

Noch am 14. Januar 1933 lud ein Plakat zum Aufführungs-Abend auf der Berglust ein. Die Kinder-Abteilung des VfL Herford führte dort Gymnastik und Geräteturnen vor. Mit dem Bläserkorps wurden Singspiele, Neckspiele und Tanzreigen aufgeführt. Doch bald darauf war Schluss. Acht Tage vor Ostern 1933 - Hitler ist längst Reichskanzler, der Reichstag abgebrand, das Ermächtigungsgesetzt setzt die Weimarer Verfassung außer Kraft - verlas der Vereinsvorsitzende Heinrich Schmiedeskamp vor dem Vorstand des VfL Herford eine Mitteilung der Stadt: "Alle öffentlichen Plätze sind ab sofort für den Arbeitersport gesperrt. Das Vereinsvermögen verfällt dem Staat".

Es wurde über die Lage beraten. Eine Fusion zwischen dem VfL und dem Herforder Boxverein wurde von den Mitgliedern beider Klubs akzeptiert. Der VfL hatte zu dieser Zeit rund 1.000 Mitglieder in der Turn-, Fußball-, Handball-, Wander- und Tennisabteilung, in der Theatergruppe und im Bläsercorps. Die Fusion wurde von der Stadt abgelehnt. Das Vereinsauflösungsprotokoll vom 2. Juni 1933 ist von Heinrich Schmiedeskamp als Vorsitzender, Ernst Wehr als Kassierer des VfL Herford und von Verwaltungs-Oberinspektor Schnier unterzeichnet.

Zerstreut in alle Winde, suchten sich die Mitglieder in dieser dunklen Zeit neue Vereine, die von der Willkür der neuen Machthaber verschont geblieben waren. Das jedenfalls fand der Herforder Sportchronist Rudolf Wehmeier heraus. Es ist nicht bekannt, dass ehemalige VfLer es auch nur versucht hätten, im blühendem Tennisclub Herford Unterschlupf zu finden.

Der bürgerliche Traditionsverein von 1900 hatte 1929 die neue Tennisanlage an der Mozartstraße mit zunächst zwei, später drei Plätzen fertig gestellt. Unberührt von den politischen Ereignissen der frühen 1930-er Jahre schloss sich der ebenfalls dem Arbeitersport ferne Skiclub dem TC Herford an. Auf Initiative des 1934 gewählten Vorsitzenden Edgar Meyer - auch das ist der knappen Vereinschronik zu entnehmen - entstand ein schmuckes Klubhaus. "Wir konnten ungestört unserem geliebten Tennissport nachgehen, bis der Krieg in den frühen 40-er Jahren auch nach Herford kam", berichtete Zeitzeugin Erika Rackmann, geborene Mumperow , vor nicht einmal zehn Jahren. Schon als Jugendliche hatte sie, die Tochter eines Herforder Bankdirektors, leichten Zugang zum bürgerlichen TC Herford gefunden.

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