Herford Sorour Chaharlang gewinnt fast jeden Inline-Skating-Wettkampf

Friderieke Schulz

Herford. Sorour Chaharlang besucht die internationale Klasse des Königin-Mathilde-Gymnasiums (KMG). In ihrer Heimat, dem Iran, war sie eine erfolgreiche Nachwuchs-Inline-Skaterin. Mit 54 Sekunden im 500 Meter Sprint landete sie fast immer auf dem ersten Platz und gewann selbst in hohen Klassen. Obwohl Inline-Skating in Deutschland nicht so beliebt ist wie in ihrer Heimat, hat sich zumindest eines für die 15-Jährige nicht geändert: Ihr sekundenschneller Siegeszug. Mit zehn Jahren bemerkte ihr Trainer im Iran das Talent von Sorour Chaharlang. „Ich wurde Stadtmeisterin und mit 13 Jahren sogar Landesmeisterin", erinnert sich die sportliche junge Dame. Auch die gut gefüllten Ränge in den Skate-Stadien sind ihr noch präsent. „Was mir nicht so gut gefallen hat, war die Pflicht ein Kopftuch zu tragen. Gerade beim Sport wird es sehr heiß darunter", sagt Sorour. Mit den Siegen war ihr Weg in eine gute Sportlerkarriere geebnet, doch dann zog ihre Familie nach Deutschland und Sorour beendete ihr Hobby. Hiddenhausen wurde zur neuen Heimat. „Ich bin ein bisschen in meiner Freizeit gefahren, aber trainiert habe ich nicht", sagt sie und erzählt, dass sie in der internationalen Klasse andere Schwerpunkte setzte: „Ich wollte schnell Deutsch lernen." Mit den gestiegenen Sprachkenntnissen stieg auch die Anzahl an Kursen mit den deutschen Schülern des Gymnasiums. Als Sport hinzu kam, geriet die 15-Jährige an genau den richtigen Sportlehrer. Denn Herr Friesen unterrichtet unter anderem Inlineskating. „Ich habe ihn gefragt, ob er vielleicht einen Trainer wüsste und er konnte mir gleich einen Kontakt nach Bielefeld vermitteln." Bei den Speed-Skatern war Sorour gleich willkommen, eine Probefahrt führte schnell zur ersten Wettkampfteilnahme. Eine oder zwei Wochen später ging es bereits für die Iranerin nach Osnabrück zum Marathon über 9.200 Meter. „Das Wetter war schlecht, es hat geregnet. Eigentlich kann ich das besser", ärgert sie sich über ihre Leistung, die ihr dennoch den ersten Platz brachte. Es folgte die Landesmeisterschaft in Duisburg, bei der Sprint, Team Sprint und Marathon gefordert werden. In allen drei Disziplinen hatte Sorour ihre Nase vorn und rollte sich so bis zur NRW-Meisterschaft der „Young Stars" – auch hier schwang sie sich in allen Disziplinen als Erste durchs Ziel. Ihr bisher größter deutscher Erfolg ist wohl der Erfolg in der Gesamtwertung der Meisterschaft in Bochum. Denn trotz der geringen Wettkämpfe belegte Sorour in der Gesamtwertung den dritten Platz. „Damit hätte ich jetzt auch nicht im ersten Jahr gerechnet", sagt die KMG-Schülerin bescheiden. Und auch auf den bisherigen Wettkämpfen im Jahr 2016 sieht es nicht so aus, als würde die Erfolgsreihe der Iranerin abreißen – meist steht sie auf dem ersten Platz. Dabei trainiert die Sportlerin e nur zweimal pro Woche. Die Freiheit in Deutschland gefällt ihr gut. Dennoch vermisst sie manchmal den Zuspruch an ihrem Sport. „Im Iran waren die Stadien immer sehr gefüllt. Inline-Skating ist dort ein sehr beliebter Sport", sagt Sorour. Dennoch gefällt es ihr in Deutschland besser. Sie hat schon viele Freunde gefunden. Auch beim Fußball in Schweicheln, ihrem zweiten Hobby. Doch noch immer liegt ihre Priorität auf dem Lernen: „Mein Lehrer sagt, je besser ich deutsch spreche, desto mehr Fächer kann ich hinzu nehmen." Ein Schulabschluss ist der 15-Jährigen wichtig. Denn Sorour möchte Trainerin für Inlineskating werden. Obwohl ihre Mutter lieber möchte, dass sie Zahnärztin wird: „Abwarten, erst einmal mache ich meinen Abschluss, fahre ein paar Rennen und dann sehen wir, was ich dann möchte."

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