Salti auf dem Pferderücken: Die Jockey-Reiter aus Berlin, hochdekoriert auf dem Zirkusfestival in Monte Carlo, zeigten auf dem Rücken ihrer geduldigen Kaltblüter spektakuläre Artistik. - © Yvonne Gottschlich
Salti auf dem Pferderücken: Die Jockey-Reiter aus Berlin, hochdekoriert auf dem Zirkusfestival in Monte Carlo, zeigten auf dem Rücken ihrer geduldigen Kaltblüter spektakuläre Artistik. | © Yvonne Gottschlich

Herford Gala-Abend des Pferdes ist ein Publikumsrenner

Die Halle ist so schnell ausverkauft wie noch nie. Spektakuläre Nummern, aber auch Dressuren und Quadrillen prägen das Programm. Goldenes Reitabzeichen für Andres Quintero Palomar

Walter Dollendorf
30.11.2015 | Stand 30.11.2015, 09:59 Uhr |

Herford. Kein Geringerer als Heinrich-Hermann Engemann überreichte dem Kolumbianer die Auszeichnung, die die Deutsche Reiterliche Vereinigung für zehn Siege bei Prüfungen der schweren Klasse (S)verleiht. Dass ausgerechnet der Co-Bundestrainer nach Herford kam, war kein Zufall. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass dein Onkel und deine Tante bei mir standen und mich fragten, ob du drei Monate in meinem Stall arbeiten könntest. Aus den drei Monaten sind vier Jahre geworden. Es war eine schöne Zeit mit dir", sagte Engemann in Richtung des stets gut gelaunten Mannes aus Bogota, der seit fünf Jahren bei Wahl und Co. arbeitet. 2015 war auch aus persönlichen Gründen das Jahr des Andres Quintero Palomar: Er wurde erstmals Vater einer Tochter. Unter all den Pferden sorgten etwas kleinere Vierbeiner für stürmischen Applaus und viele Lacher. Adrian Lauenburger, in der Zirkusszene als Dompteur bestens bekannt, hatte acht Mischlingshunde mitgebracht, die ihrem Herrchen aufs Wort und auf Gesten gehorchten. Unglaublich, wie hoch die Kerlchen sprangen, wie geschickt sie sich durch einen Hindernisparcours schlängelten oder wie selbstverständlich sie sich zur Hundepolonaise zusammenfanden. Die Lecklerlis zur Belohnung hatten sich die flinken Gesellen verdient. Der preisgekrönte Hundetrainer wurde 2009 beim Zirkusfestival in Monte Carlo mit Sonderpreisen prämiert. Die Jockey-Reiter aus Berlin erhielten dort 2014 mit dem Silbernen Clown sogar eine der begehrtesten Auszeichnungen überhaupt. Die fünfköpfige Truppe aus der Hauptstadt führte ihre akrobatischen Übungen auf den Rücken von drei deutschen und einem polnischen Kaltblüter aus. Höhepunkte ihrer Show waren Salti von einem Pferd zum anderen. Allerdings brauchten sie ein paar Minuten, bevor sie ihre Übungen zum Stand brachten. Auf dem ungewohnten Boden klebte der Sand unter ihren Puschen, so dass die Artisten auf dem Pferderücken zunächst wegrutschten. Diese Probleme gibt es beim Zirkusboden mit trockenen Sägespänen nicht. "Sie treten hier in Herford erstmals außerhalb eines Zirkus auf", sagte Moderator Carsten Sostmeier, der bereits seit zehn Jahren in Herford dabei ist. Die Minihengste des Gestüts Max und Moritz der Familie Schöneberg rasten nach den Titelmelodien diverser James-Bond-Filme als vierbeinige Agenten durchs Rund. Lokalmatador und U-18-Westfalenmeister Daniel Müller gewann mit Bruder Florian als Beifahrer und Simon Ellermeier als Läufer einen kombinierten Fahrsport- Geschicklichkeitslauf-Wettbewerb gegen vier konkurrierende Teams. Die 14-jährige Vlothoerin Isabell Seeliger sprang mit ihrem 20-jährigen Nikos über bewegliche Stangen, die mit menschlicher Hilfe einmal rund um den Parcours wanderten. Für stimmungsvolle Minuten in abgedunkelter Halle sorgten gleich mehrere Nummern. Das Haflinger Show-Team von Sarah Brinkmann ritt als unheimliche Dark Angels ein. Stephanie Bolle zeigte mit ihrem Tjerragonn, einer echten Schwarzen Perle, eine Freiheitsdressur. Amrei Riesos Leidenschaft gehört den Shettys, mit denen sie am langen Zügel arbeitet. Nach Auftritten bei der Show "Apassionata" stellte die Bad Oeynhausenerin ihre Leidenschaft nun beim Gala-Abend vor. Eibeeindruckendes Bild boten junge Damen aus Berlin, Niedersachsen und Brandenburg mit ihren Friesen sowie einer außergewöhnlichen Inszenierung durch Lichtschläuche am Körper der Pferde. Dies war genau der passende Schlusspunkt der 17 Nummern umfassenden Show, bevor das Publikum den Abend traditionell mit dem Wunderkerzen-Festival beendete.

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