Erfahrene Sportler: Jürgen Müller (vorne v. l.) und Bernd Stute möchten am 13. September zum Landrat gewählt werden und beantworteten Fragen des Kreissportbundes, vertreten durch die Vorstandsmitglieder Ulf Dreier (hinten v. l.) , Regina Wachowiak, Nils Wörmann und Dieter Steffen. - © Yvonne Gottschlich
Erfahrene Sportler: Jürgen Müller (vorne v. l.) und Bernd Stute möchten am 13. September zum Landrat gewählt werden und beantworteten Fragen des Kreissportbundes, vertreten durch die Vorstandsmitglieder Ulf Dreier (hinten v. l.) , Regina Wachowiak, Nils Wörmann und Dieter Steffen. | © Yvonne Gottschlich

Kreis Herford Landrat-Kandidaten sind beim Kreissportbund zu Gast

Ein Heimspiel für zwei Praktiker

Walter Dollendorf

Kreis Herford. Der eine tritt für die SPD an, der andere geht für die CDU ins Rennen. Jürgen Müller und Bernd Stute möchten am 13. September zum Landrat des Kreises Herford gewählt werden. Die beiden mögen unterschiedlichen politischen Strömungen angehören, in Sachen Sport aber sprechen sie eine Sprache. Der Vorstand des Kreissportbundes (KSB) mit Dieter Steffen, Ulf Dreier, Regina Wachowiak und Nils Wörmann legte den Kandidaten einen Fragenkatalog vor. Deutlich wurde: Stute und Müller sind Praktiker mit großer Nähe zum Vereinssport. Stute war aktiver Fußballer beim FC Exter, bekleidete dort und auch beim TC Vlotho nach Ende seiner aktiven Laufbahn Vorstandsämter. „Die habe ich erst aufgegeben, als ich vor zwölf Jahren zum Vlothoer Bürgermeister gewählt worden bin“, so Stute. Handballer Müller ist seit 2011 Vorsitzender des TuS Westfalia Uffeln, betreut zudem verschiedene Jugendmannschaften. Seit 2013 ist er 2. Vorsitzender des Stadtsportverbandes Vlotho. Wichtigste Nachricht für die KSB-Spitze: Am System der Sportförderung wollen beide Kandidaten festhalten. Per Vertrag hat sich der Kreis verpflichtet, Sportvereine und -verbände sowie den Schulsport finanziell zu fördern. Unter anderem werden darin die Zuschüsse für Übungsleiter sowie den Bau von Sportstätten geregelt. „Ich halte diesen Vertrag für nicht kündbar“, sagt Jürgen Müller. „Eine Erhöhung der Zuschüsse kann ich nicht versprechen. Den Vertrag werde ich aber in keinem Fall in Frage stellen“, ergänzt Bernd Stute. Einig sind sich die beiden Vlothoer auch in Sachen Sportstätten-Nutzungsgebühr, die in einigen Kommunen immer mal wieder diskutiert wird. „Die ist für mich kein Thema, weil sie nichts bringt“, so Stute. In Vlotho und auch in anderen Städten des Kreises haben die Vereine aber zumindest teilweise die Schlüsselgewalt in Sporthallen, um damit Hausmeister zu entlasten und Kosten zu sparen. „Auch wenn es da schon mal die eine oder andere Diskussion gibt, klappt das insgesamt gut“, sagt Müller. Den großen Aufgaben der Zukunft wird sich nach Stutes Meinung auch der organisierte Sport stellen. Er sieht darin eine große Chance: „Vereine können doch froh sein, wenn sie junge Flüchtlinge in ihre Mannschaften integrieren und somit den demografischen Wandel ausgleichen können.“ Müller sieht zudem die „große Aufgabe“, dass Vereine und Verbände sich um das große Feld Gesundheitssport kümmern und gemeinsam Angebote aufbauen. „Dabei ist der Kreissportbund ein wichtiger Mittler“. Als „gesellschaftliche Kernaufgabe“ sieht es Müller an, Menschen für die ehrenamtliche Arbeit zu bewegen. „Es wird nicht leichter, junge Leute für Vorstandsposten in Vereinen zu gewinnen. Oft ist eine solche Aufgabe so zeitaufwendig wie ein zweiter Beruf. Wir müssen Anreize schaffen, damit diese Aufgaben attraktiver werden. Das gilt natürlich nicht nur für Sportvereine“, ergänzt Stute. Müller kann sich vorstellen, Leute, die sich um eine Arbeitsstelle bewerben, bevorzugt zu behandeln, wenn sie ehrenamtliche Mitarbeit nachweisen. „Wir können auch unseren Vereinen, die im Spitzensport tätig sind, helfen, wenn wir sie bei der Suche nach Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen für ihre Spielerinnen oder Spieler unterstützen“, so Bernd Stute. Einig waren sich Kandidaten und KSB-Vorständler darin, dass die Ganztagsschule und die verkürzte Gymnasialzeit auf acht Jahre den Sportvereinen junge Mitglieder kosten. „Die Kinder und Jugendlichen haben bei ihrem verdichteten Alltag schlicht keine Zeit mehr für den Sport“, so Stute. „Die Vereine müssen in die Schulen gehen, dafür brauchen sie aber Übungsleiter und ehrenamtliche Mitarbeiter“, sagt Müller. Auch für KSB-Geschäftsführer Nils Wörmann ist dies eine der Hauptaufgaben für die Zukunft. „Wir müssen als Kreissportbund Vereine beraten, welche Möglichkeiten es da gibt.“ So blieb am Ende der Fragerunde der Eindruck, dass der organisierte Sport nach dem 13. September keine negative Überraschung zu erwarten hat. Egal, ob Bernd Stute oder Jürgen Müller gewählt wird.

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