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Willi Wülbeck demonstriert den Schülern am Wiedenbrücker Burgweg zusammen mit Radu Calkan aus der 6a der Matthias-Claudius-Schule die Stabübergabe.
Willi Wülbeck demonstriert den Schülern am Wiedenbrücker Burgweg zusammen mit Radu Calkan aus der 6a der Matthias-Claudius-Schule die Stabübergabe.

Inspiration vom Rekordläufer

LEICHTATHLETIK: Ex-Weltmeister Willi Wülbeck trainiert in Wiedenbrück für die RWE-Schulstaffel

13.06.2013 | Stand 12.06.2013, 19:39 Uhr
Die Schüler der Johannis-Schule mit den Sportlehrern Georg Linnenbrink und Natalie Richter sowie Schulamt-Vertreterin Christiane Offel (h.v.l.).hörten gestern auf das Kommando von Willi Wülbeck.
Die Schüler der Johannis-Schule mit den Sportlehrern Georg Linnenbrink und Natalie Richter sowie Schulamt-Vertreterin Christiane Offel (h.v.l.).hörten gestern auf das Kommando von Willi Wülbeck.

Rheda-Wiedenbrück. "Was glaubt ihr: Wie schnell kann man die 800 Meter laufen?" Willi Wülbeck erhält die erwarteten Antworten - die Spanne reicht von einer bis drei Minuten. Einer hat sich vorher schlau gemacht: "1:43" ruft er und trifft damit den von Wülbeck gehaltenen Deutschen Rekord (1:43:65 Minuten) ziemlich genau. Den zu brechen ist das Ziel der vom Ex-Weltmeister entwickelten RWE-Schulstaffel. Gestern trainierte Willi Wülbeck mit 66 Grund- und Hauptschülern aus Rheda im Wiedenbrücker Stadion am Burgweg, wo am 20. Juni, einer der Vorentscheide stattfindet.

Jeweils acht Schüler bilden ein Team, jeder läuft 100 Meter. Die möglichst ohne Tempoverlust ablaufende Übergabe des Staffelstabes ("Mit rechts annehmen, auf den ersten Schritten in die andere Hand wechseln und mit links übergeben") ist eine der Techniken, die Wülbeck den Schülern gestern demonstrierte. In den sieben Jahren, in denen der vom Energieversorger RWE gesponserte Wettbewerb läuft, hat es noch keine Staffel in Nordrhein-Westfalen geschafft, Wülbecks Marke zu unterbieten. Er hält es aber für möglich, dass es dieses Jahr passiert. Beim Vorentscheid in Bad Berleburg erreichte jüngst ein aus sieben Jungen und einem Mädchen gebildetes Team der örtlichen Realschule mit 1:44,5 Minuten die schnellste bislang erzielte Zeit.

Franziska Birkemeier aus der 6b trug das T-Shirt mit der Aufschrift: 'Willi’s Rekordjäger'.
Franziska Birkemeier aus der 6b trug das T-Shirt mit der Aufschrift: 'Willi’s Rekordjäger'.

Wülbeck lief den Rekord 1983 bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki, wo er mit einem furiosen Spurt alle Konkurrenten bezwang. Wie bei seinen zehn nationalen Titelgewinnen in Folge (1974 bis1983) hallten auch dort die legendären "Williiiiiiiiii"- Rufe durchs Stadion. "Die Zeit jährt sich 2013 zum 30. Mal", staunt Wülbeck ein wenig, dass es bislang kein deutscher Athlet geschafft hat, ihn zu entthronen. Seine am 1. Juli 1980 in Oslo aufgestellte Bestmarke über 1.000 Meter (2:14,53 Min.) ist sogar noch älter.

Der Vergleich mit seinem Rekord ist für den 58-jährigen Oberhausener aber nur das Vehikel, um andere Ziele zu erreichen: "Es geht um den Spaß am Laufen und um die Entwicklung von Teamgeist und Ehrgeiz." Die von ihm ins Leben gerufene Aktion läuft in diesem Jahr erstmals in 17 Städten. Für das Finale am 16. Juli in Dortmund qualifizieren sich die schnellste Grund- und weiterführende Schule der örtlichen Vorentscheide. Bei der Rheda-Wiedenbrücker Premiere im Vorjahr machten die Brüder-Grimm-Grundschule und die Ketteler-Realschule das Rennen. Diesmal freut sich Christiane Offel vom Schulamt für den Kreis Gütersloh, das die Aktion unterstützt, über die Teilnahme von fünf Schulen mit 14 Mannschaften am 20. Juni. Immerhin werden hier und besonders im Finale auch kleine Geldprämien an die Schulen ausgeschüttet.

Gut vorbereitet werden die Johannis-Schule und die Matthias-Claudius-Schule an den Start gehen. 26 Viertklässler der Grundschule und 40 Fünft- und Sechstklässler der Hauptschule bekamen gestern vom Ex-Weltmeister praktische Tipps. Willi Wülbeck, der immer noch zwei- bis dreimal pro Woche läuft, wärmte sich mit den Schülern auf, erklärte ihnen die Wechseltechnik und wies sie in die 400-Meter-Rundbahn ein, auf der der Wettbewerb ausgetragen wird. Zum Abschluss gab es natürlich auch einen Test über die Originaldistanz von 8 x 100 Meter. "Ich fände es toll, wenn der Wille zum Erfolg auch die Schüler aus Rheda-Wiedenbrück inspirieren würde", sagte der frühere Hochleistungssportler, der lange Vorsitzender des Leichtathletikvereins ASV Duisburg war und in Oberhausen immer noch eine Fitness- und Laufschule betreibt.

Dass Willi Wülbeck die Kinder immer noch begeistert, obwohl sich inzwischen selbst deren Lehrer nicht mehr an sein Weltmeisterrennen von Helsniki erinnern können, bewiesen Franziska Birkemeier und Alexander Erling aus der 6b der Matthias-Claudius-Schule. Sie waren schon im letzten Jahr dabei und kamen gestern zum Training mit dem dort gewonnenen T-Shirt. "Willi’s Rekordjäger" steht auf dem Rücken über dem Autogramm des Läufer-Idols.

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