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Das Ende der Leidenszeit

FUSSBALL: Lars Beuckmann feiert nach siebenmonatiger Verletzungspause sein Debüt beim FC Gütersloh

VON CARSTEN BIERMANN VON CARSTEN BIERMANN
18.01.2012 | Stand 17.01.2012, 22:12 Uhr
Im Testspiel gegen den SC Wiedenbrück (hier mit Kwasi Boachie) verteidigte Lars Beuckmann (r.) nach seinem Wechsel vom SV Spexard erstmals für den FC Gütersloh. - © FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE
Im Testspiel gegen den SC Wiedenbrück (hier mit Kwasi Boachie) verteidigte Lars Beuckmann (r.) nach seinem Wechsel vom SV Spexard erstmals für den FC Gütersloh. | © FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE

Gütersloh. Kreuzbandriss - jeder Fußballer zuckt zusammen, wenn er nur an diese Verletzung denkt. Lars Beuckmann traf sie zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: im letzten Saisonspiel für den SV Spexard. Kurz zuvor hatte der Innenverteidiger beim Westfalenligakonkurrenten FC Gütersloh einen neuen Vertrag unterschrieben. Statt in dieser Saison den Schritt von einem Abstiegs- zu einem Aufstiegskandidaten zu meistern, lag er sieben Monate auf Eis. Am Sonntag endete die Leidenszeit im Testspiel gegen Wiedenbrück.

"Ein schönes Gefühl" - den Moment, als ihn Holger Wortmann in der 73. Minute aufs Feld schickte, hatte der 22-Jährige lange herbeigesehnt. Für den neuen FCG-Trainer war es selbstverständlich, seinem Schützling dieses "Bonbon" zu gönnen. "Er hat in der Reha hart gearbeitet", sagt Wortmann. Alle vier Einheiten seit dem Trainingsauftakt konnte Beuckmann schmerzfrei absolvieren. Ein guter Neustart, wie er findet: "Auch wenn ich lange nicht bei 100 Prozent bin." Äußerst sachlich spricht Beuckmann über sein Unglück. Ohne Frust, sondern mit einem optimistischen Blick in die Zukunft. Er hat den Augenblick, der seiner Karriere einen Knick versetzte, verarbeitet. Vergessen wird er den 29. Mai 2011 aber nie.

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Polizei hilft bei der Ausbildung

Auch die berufliche Karriere von Lars Beuckmann stand durch die Verletzung auf der Kippe. Als Anwärter zum Polizeikommissar muss er in seiner Ausbildung neben dem theoretischen Teil auch einen praktischen absolvieren. Als er sein Knie noch nicht belasten konnte, durfte er in der Wache Rheda-Wiedenbrück im Innendienst arbeiten. "Die Polizei war kooperativ", sagt Beuckmann, der inzwischen die Hälfte der drei Jahre geschafft hat. Wenn sich die Vorgesetzten quer gestellt hätten, hätte er das ganze erste Jahr verloren – obwohl er alle Klausuren bestanden hatte. "Aussetzen geht nicht", erklärt er, "ich hätte nochmal von vorne anfangen müssen."

Es geschah in der 30. Minute. In der Partie gegen die Spvg. Emsdetten, für den SV Spexard ging es nicht mal mehr um die berühmte goldene Ananas. "Bei einer Abwehraktion habe ich das Gleichgewicht verloren und mein rechtes Knie verdreht", erinnert sich Beuckmann. Als er aufstehen wollte, merkte er sofort, dass etwas passiert ist: "Ich hatte keinen Halt mehr." Die Betreuer riefen den Krankenwagen. Die Sanitäter und auch die Ärzte im Krankenhaus machten ihm Mut. Da das Knie nicht angeschwollen war, schlossen sie eine Kreuzbandverletzung aus. Das MRT brachte aber die niederschmetternde Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes. "Ein Tiefschlag", sagt Beuckmann, zumal es in 18 Jahren Fußball die erste schwere Verletzung war.

Es begann das übliche Szenario. Nach der Operation im Städtischen Krankenhaus startete drei Wochen später mit dem FCG-Physiotherapeuten Martin Simov das Reha-Programm. Weitere drei Monate vergingen, ehe er sich zum Lauftraining steigerte. Eine harte Prüfung. Während seine Teamkameraden an den Ball traten, drehte er im Heidewald seine Runden. "Natürlich juckte es in den Füßen", sagt er. Die sportliche Krise des FC Gütersloh machte die Zuschauerrolle umso schwieriger. Bei der Siegesserie zum Saisonstart konnte er sich gemütlich zurücklehnen, es funktionierte ja auch ohne hin. Als dann die Erfolge ausblieben, verstärkte sich der Wunsch, "helfen zu wollen."

Ohne jemals direkt beteiligt gewesen zu sein, erlebte der gebürtige Rhedaer schließlich beim FC Gütersloh "ein Chaos wie in keinem anderen Verein zuvor." Gerüchte um eine mögliche Ablösung von Trainer Dirk Flock hätten zwar die Runde gemacht. Dass auch zwei Vorstandsmitglieder zurücktraten, sei eine "richtige Bombe" gewesen. Und was Beuckmann noch mehr entsetzte: der "fehlende Informationsfluss. Wir Spieler haben kaum etwas erfahren." Als Wortmann das Ruder übernahm, registrierte Beuckmann dies mit Erleichterung. Er kennt ihn von seinem Ex-Verein SV Lippstadt, als A-Jugendtrainer. "Kein Nachteil für mich", sagt der Spieler - und hofft, vom "frischen Wind" auch persönlich profitieren zu können.

Im Abwehrzentrum stellen sich mit Steven Degelmann und Patryk Plucinski zwei Konkurrenten, denen in der Hinrunde wenig vorzuwerfen war. "Aber", so Beuckmann, "jeder kann sich nun von Neuem empfehlen." Sein Trainer nährt die Zuversicht auf einen baldigen Ligaeinsatz: "Sobald er richtig fit ist, wird er zu einer echten Alternative." Etwas gedulden muss sich Beuckmann noch. Um zu seiner aus Spexard bekannten Spielstärke zurückzufinden, vergehen vermutlich ein bis zwei Monate. "Aber auf die kommt es bei der langen Pause auch nicht mehr an", sagt Wortmann. Fest steht: Der Patient Lars Beuckmann befindet sich auf dem Weg zur vollständigen Genesung. Und das ist zunächst das Wichtigste.

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