Kasper Jebjerg, ein 26-jähriger Profi aus Dänemark, durfte am Freitag vor begeisterten Zuschauern gleich zweimal die Arme ausbreiten. Erst gewann er das Rundstreckenrennen vor Falk Hepprich (Bild) und dann den Derny-Cup. - © FOTOS: HENRIK MARTINSCHLEDDE
Kasper Jebjerg, ein 26-jähriger Profi aus Dänemark, durfte am Freitag vor begeisterten Zuschauern gleich zweimal die Arme ausbreiten. Erst gewann er das Rundstreckenrennen vor Falk Hepprich (Bild) und dann den Derny-Cup. | © FOTOS: HENRIK MARTINSCHLEDDE

"Danish Dynamite" explodiert zweimal

RADSPORT: Felix Schäfermeier rast bei der 33. Volksbank City-Nacht als Dritter aufs Treppchen

VON WOLFGANG TEMME

Gütersloh. Die wichtigste Nachricht vorneweg: Henrik Eggers hat Glück im Unglück gehabt. Der 24-jährige Radrennfahrer, am Freitagabend in Gütersloh schwer gestürzt, zog sich "nur" eine Riss- und Quetschwunde am Oberarm zu. So geht von der spektakulären 33. Volksbank City-Nacht vor allem das sportliche Ergebnis in die Chronik ein. Und das trägt den Titel "Danish Dynamite": Kasper Jebjerg, 26-jähriger Profi aus dem dänischen Rennstall Gluud & Marstrand, gewann nach dem Rundstreckenrennen (wir berichteten) auch den Dernycup. Schon im Untertitel aber taucht der RSV Gütersloh auf: Felix Schäfermeier raste als Bester des Volvo-Markötter-Teams auf Platz drei.

Just als um 22.55 Uhr am Berliner Platz die Siegerehrung begann, sorgte das Feuerwerk der Pfingstkirmes für den finalen Knalleffekt. Vorher hatten die Rennfahrer auf der 1-Kilometer-Runde ein Feuerwerk abgebrannt, bei dem einem angesichts des Tempos und der hitzigen Fahrweise angst und bange werden konnte. "Ich war besorgt wegen der engen Kurven", gestand hinterher auch Jebjerg ein. In einem von Beginn an hektischen Rundstreckenrennen, das auch nach Unterbrechung und Neustart nicht viel ruhiger wurde, hatte der Däne mit seinem Teamkollegen Michael Bernling aber einen routinierten Anfahrer, der ihn vor dem Schlusssprint optimal aus dem Wind nahm. Auf der kurzen Zielgeraden in der Berliner Straße war der Antritt Jebjergs, 2006 dänischer U 23-Meister, so unwiderstehlich, dass er sogar schon vor dem Zielstrich nach 1:05:57 Stunden seine Arme zur Siegerpose ausbreiten konnte.

Dahinter fightete Dennis Klemme, von seinem Wiedenbrücker Helfer Henrik Albinus protegiert, um Platz zwei, den er dann doch Falk Hepprich (Regio Team) überlassen musste. "Das ist eine sehr, sehr schnelle Runde hier", pustete der 22-Jährige auf dem Weg zum Podium gleichwohl zufrieden. Mit auf die Siegerehrungsbühne rief Moderator Peter Rohde (Bramsche) ausnahmsweise auch den Viertplatzierten. Felix Schäfermeier vom RSV Gütersloh hatte schon während des Rennens eine Aktivität an den Tag gelegt, die Cheforganisator Hansi Eggert das Kompliment "sensationell" entlockte. Drei Runden vor Schluss setzte der 23-jährige Versmolder dann alles auf eine Karte und ließ sich von seinem Teamkollegen Felix Reinken an die Spitze des Feldes ziehen. Um am Ende des von 60 auf 51 Runden verkürzten Rennens wirklich um den Sieg mitzusprinten, reichten die Körner dann zwar nicht mehr. Doch als Vierter sicherte sich Schäfermeier auf direktem Wege eines der begehrten Tickets für das Dernyfinale.

Auch Christoph Dargatz musste keine der "Wild-Cards" in Anspruch nehmen. Als Achter war der von einem Sehnenriss am Zeigefinger gehandicapte RSV-Kapitän im Top-Feld dabei. "Zwei Fahrer direkt qualifiziert - damit hätte ich im Traum nicht gerechnet", staunte Hansi Eggert. Beinahe wären es sogar drei gewesen, denn der 44-jährige Seniorenfahrer Bernd Brune war im Massenspurt auf Rang neun vorgestoßen. So konnte der RSV die beiden freien Plätze an den Polen Mateusz Nowaczek (Team Graudenz) und Christoph Schübbe (PZ Racing Team) vergeben.

Das wegen des verspäteten Starts (22.20 Uhr) von 25 auf 20 Runden verkürzte Derny-Rennen geriet dann fast zur Kopie der Rundstreckenjagd. "Danish Dynamite" explodierte zum zweiten Mal. Obwohl nie zuvor im Rennen hinter einer "Knatterkiste" gefahren, gewann Kasper Jebjerg zusammen mit Schrittmacher Christian Dippel (Bielefeld) den finalen Sprint vor Nowaczek. Die beiden RSV-Piloten hatten die Hochgeschwindigkeitsjagd entscheidend geprägt. Erst setzte Christoph Dargatz Akzente, als er das Feld an ein früh enteiltes Trio heranführte. 11 Runden vor Schluss attackierte er dann selbst und wurde schließlich Achter. Dann verblüffte erneut Felix Schäfermeier die Experten, als er vier Runden vor der Glocke mit einem Ausreißversuch erfolgreich war und das Feld unter dem begeisterten Applaus des Publikums sogar an der Spitze liegend in die letzte Runde führte. "Ich habe alles versucht", schnaufte Schäfermeier, nachdem er zusammen mit Schrittmacher Lars Rellensmann als Dritter gefinisht hatte.

Erklären konnte der RSV-Fahrer seinen Erfolg selbst nicht so recht. "Ich wundere mich, dass es heute so gut gelaufen ist." Der frühere Lamonta-Profi konzentriert sich nämlich eher auf Mountainbike-Wettbewerbe, hat in dieser Saison kaum Straßenrennen bestritten und befindet sich als "International Management"-Student der Hochschule Ansbach (Bayern) derzeit in einer Klausurphase. Als Sechster betrieb Dennis Klemme auch im Dernyrennen wieder Werbung für den SC Wiedenbrück.

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