Die drei Sieger bei den Männern: Thomas Kühlmann, Elias Sansar und Jan Kerkmann (v.l.). - © Sarah Jonek
Die drei Sieger bei den Männern: Thomas Kühlmann, Elias Sansar und Jan Kerkmann (v.l.). | © Sarah Jonek

Hermannslauf Sansar übertrifft sich beim Hermannslauf selbst

Männer: Der Rekordchampion fügt noch einen elften Sieg hinzu. Auch ein Berglaufspezialist aus dem Harz kann den Detmolder nicht aufhalten. Kerkmann freut sich über Platz drei

Stephanie Fust

Bielefeld. „Spätestens jetzt sollten wir ihm ein Denkmal setzen", brüllte Moderator Thorsten Nöthling ins Mikrofon. Und die Zuschauer-Scharen entlang der Sparrenburg-Promenade jubelten mit, als Elias Sansar allein auf weiter Flur seinem elften Hermannslauf-Triumph entgegenlief. Am Fuße der Lämershagener Treppen wäre ein solches Ehrenmal dann wohl am besten aufgehoben. Denn wie schon so oft nutzte der Rekordchampion auch am Sonntag die 127 tückischen Stufen, um seinen streckenunerfahrenen Widersacher Thomas Kühlmann aus Wernigerode abzuschütteln und schließlich satte 2:19 Minuten vor dem Berglauf-Spezialisten aus dem Harz und 4:52 Minuten vor dem überglücklichen Jan Kerkmann ins Ziel zu kommen. "Auf Bestzeit-Kurs" Dass Sansar bei seinem erneuten Sieg in 1:45:03 Stunden die eigene Bestleistung aus dem Jahr 2013 um 20 Sekunden unterbot, war für ihn selbst auch überraschend. „Ich habe es erst an der Anzeige auf der Zielgeraden gesehen, dass ich auf Bestzeit-Kurs bin", sagte der 38 Jahre alte Detmolder. „Hätte ich das früher gewusst, hätte ich vorher noch mehr Power gemachte", fügte er augenzwinkernd hinzu. Dabei war Sansars elfter Erfolg beim Teutoklassiker wahrlich kein Selbstläufer. Die durch das Sturmtief Friederike veränderte Vorbereitung hatte den Detmolder, der unweit der Hermannslaufstrecke wohnt, „viele Nerven" gekostet. Das Wald-Begehungsverbot zwang den „Herminator" zum ungewohnten Training auf die Straße. Siegpotenzial in den Beinen „Weil ich nicht wusste, wie sich das auswirkt, habe ich mehr auf Schnelligkeit trainiert und immer wieder Intervalle eingefügt. Das scheint sich ausgezahlt zu haben", erklärt Sansar. Zudem machte kurz vor dem Start die Nachricht über die Teilnahme eines Berglaufspezialisten aus dem Harz die Runde, der Siegpotenzial in den Beinen habe. Bis dahin hatte Sansar Jan Kerkmann als stärksten Konkurrenten auf dem Zettel. Tatsächlich konnte Thomas Kühlmann Sansar bis zu den Lämershagener Treppen Paroli bieten. An der Gabelung nach den ersten 73 Stufen wählte der Experte wie gewohnt den etwas längeren „Weichei-Weg" durch den Wald, während sich der Debütant auch die weiteren 54 noch steileren Stufen vornahm. „Ich bin bewusst die Treppen gelaufen", erklärte Kühlmann, der sich vorher über die Strecke und über die Renntaktik des Favoriten zumindest informiert hatte. Vorbereitung für Berglauf-WM „Elias war dann einfach zu stark, da musste ich abreißen lassen." Der mehrfache Brockenlauf-Sieger und Rennsteiglauf-Gewinner von 2017 hatte die Startnummer von seiner Freundin zum Geburtstag geschenkt bekommen und nutzte den Teutoklassiker, um für die Berglauf-Weltmeisterschaften in Slowenien den noch ausstehenden Leistungsnachweis zu erbringen. „Das dürfte gereicht haben", meinte der 28-Jährige strahlend. „Die WM ist immer ein Highlight." Seinen persönlichen Höhepunkt feierte auch Jan Kerkmann an der Sparrenburg. Der Philosophiestudent freute sich diebisch über seine um eine Minute verbesserte Bestzeit von 1:49:55 Stunden und wohl noch mehr über den Erfolg seiner Trainingsmaßnahmen. „Ich hätte nicht gedacht, dass man nach hinten raus noch so viel Zeit aufholen kann", erklärte der 26-Jährige vom Ausrichterverein TSVE 1890 Bielefeld. Kerkmann hatte sein Gewicht reduziert und an seinem Studienort Freiburg das Bergauf-Bergablaufen – „drei Kilometer runter, dann drei Kilometer wieder hoch" – trainiert, um auf der zweiten Streckenhälfte besser laufen zu können. Dass der Bielefelder die Rolle des ärgsten Sansar-Widersachers nicht erfüllen konnte, grämte ihn in keiner Weise. „Ich leide nicht an chronischer Selbstüberschätzung. Deshalb kann ich mit Souveränität und Gelassenheit die Stärke von Elias anerkennen." Alles rund um den Hermannslauf 2018 finden Sie hier im Liveticker:

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