OWL sucht den nächsten Hermannslauf-Sieger: Wer auch immer am 29. April in den Siegerkranz von Orgateamchef Daniel Skakavac läuft, hat zuvor eine Menge investiert. - © Sarah Jonek, Gestaltung: Thomas Löhrig
OWL sucht den nächsten Hermannslauf-Sieger: Wer auch immer am 29. April in den Siegerkranz von Orgateamchef Daniel Skakavac läuft, hat zuvor eine Menge investiert. | © Sarah Jonek, Gestaltung: Thomas Löhrig

Hermannslauf Lauf in die Unsterblichkeit: Champions geben eine Anleitung zum Erfolg

Mythos Hermannslauf (5): Für den Sieg gibt es Ruhm auf Jahrzehnte.

Arne Bensiek

Bielefeld. Die schlechte Nachricht vorweg: Selbst wenn Sie ab sofort jeden der folgenden Ratschläge beherzigen, könnte es mit einem Sieg beim Hermannslauf knapp werden. Wer den prestigereichsten Lauf in Ostwestfalen-Lippe gewinnen will, braucht Talent, noch mehr Fleiß und einen bärenstarken Willen – über Jahre. Niemand weiß das besser als die Sieger selbst: Heike Mohn, Theo Pyl, Michael Amstutz, Andreas Ewert und Marcus Biehl berichten, wie sie den Teutolauf gewinnen konnten. Das Talent „Ohne eine besondere Gabe zum Laufen kann niemand den Hermannslauf gewinnen", sagt Marcus Biehl, Sieger von 2000 und 2004. Wer trotz großen Trainingsfleißes als Mann die 10.000 Meter nicht in weniger als 31 Minuten laufe, dem fehle die Geschwindigkeit für den Sieg, glaubt der Oerlinghauser. „Die einzige Ausnahme war Martin Sprenger (Sieger von 1988, A.d.R.), der recht klein ist und dadurch pfeilschnell die Berge hochkam." Außerdem brauche es einen robusten Körper, der mit den hohen Trainingsumfängen zurechtkomme, sagt Theo Pyl, der den „Hermann" 1993, 1994 und 1996 gewann. Nur ein stabiler, kräftiger Stützapparat schütze vor Verletzungen. „Wer nur läuft, läuft sich kaputt", meint der Bielefelder. Das Ziel „Für mich war der Sieg beim Hermannslauf schon als Kind ein Traum", erzählt Andreas Ewert aus Borgholzhausen. Der Sieger von 1995 ging zum ersten Mal als 12-Jähriger an den Start – als das noch möglich war – und erreichte das Ziel in 2:32 Stunden. „Da dachte ich mir: Mensch, wenn ich groß bin, kann ich gewinnen", erinnert sich Ewert. „Die Priorität, die ich dem Hermann dann eingeräumt habe, ist sicherlich ein entscheidender Grund für meinen Sieg gewesen." Die Bielefelderin Heike Mohn, Gewinnerin in den Jahren 1999, 2000 und 2003, bestätigt das: „Um zu gewinnen, muss man den Hermannslauf auch als Spitzenamateur spätestens drei Monate vorher ganz in den Mittelpunkt stellen." Das Training Je nach Läufertyp variieren die wöchentlichen Trainingsumfänge zwischen 120 und 200 Kilometern. „Ich hatte nur wenig Talent und musste dafür umso mehr trainieren", sagt Michael Amstutz, siegreich 1990 und 1992. Er habe für den Erfolg in manchen Trainingswochen zehn Einheiten absolviert – in der Spitze 180 Kilometer. „Um die nötige Kraft auf den letzten zehn Kilometern zu haben, muss man pro Woche mindestens 140 Kilometer laufen", ist der gebürtige Bad Driburger überzeugt. Biehl empfiehlt unbedingt die Zusammenarbeit mit einem Trainer: „Das Training muss gut strukturiert sein und darf nicht aus dem Bauch heraus geplant werden." Ewert schwört auf sein Bergab-Lauftraining: „Das sollte man unbedingt üben, weil der Hermannslauf in Summe bergab geht und das den Muskeln mehr zusetzt, als viele glauben. Heike Mohn berichtet, sie habe in den letzten Wochen vor dem „Hermann" oft die finalen zehn Kilometer von Lämershagen bis zur Sparrenburg in hohem Tempo trainiert – mental von Vorteil. Das Rennen „Ich empfehle allen Hermannsläufern, ihr eigenes Rennen zu laufen und sich an niemandem zu orientieren", sagt Biehl. Jeder habe andere Stärken und Schwächen: bergauf, bergab oder in der Ebene. Das gelte auch für die Spitzengruppe. „Ein Taktieren bringt nichts, weil am Ende sowieso die Stärksten gewinnen." Der Hermann sei ein Wartespiel, sagt Pyl. Bis Kilometer zehn dürfe man seine Muskeln nicht spüren, sonst verliere man die vermeintlich eingesparte Zeit am Ende wieder. Das Prestige Für den Sieg beim Hermannslauf gibt es kein Geld, dafür eine Menge Ruhm, der auch nach Jahrzehnten nicht verfliegt. „An andere, zum Teil größere Erfolge können sich die Leute später nicht erinnern, aber den mit dem Lorbeerkranz vergisst niemand", ist Ewerts Eindruck. „Man könnte denken, in OWL stehen der Olympiasieger und der Gewinner des Hermanns auf einer Stufe", wundert sich Pyl. Für jemanden, der in der Region lebt, sei der Sieg einfach unbezahlbar, schwärmt Mohn: „Ich würde jederzeit wieder das investieren, was für meine drei Erfolge beim Hermann nötig war." Lesen Sie in der nächsten Folge: Der Ruf des Teutos – Hermannsläuferinnen erzählen über ihre Motivation, ihre Ängste und Erlebnisse

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