Der neue Cheforganisator ist ein Judoka

Hermannslauf: Der Bielefelder Daniel Skakavac hat beim ausrichtenden TSVE 1890 Bielefeld die Teamleitung übernommen. Dabei hat der 29-Jährige mit dem aktiven Laufsport wenig am Hut

Stephanie Fust

Bielefeld. Daniel Skakavac hat sich ein paar Tage frei genommen. Nicht, um abseits des Bielefelder Aprilwetters irgendwo Sonne zu tanken und sich zu erholen. So wie das Menschen in Lohn und Brot für gewöhnlich tun. Skakavac nimmt Urlaub, um zu arbeiten. Der 29-Jährige hat den Posten des Cheforganisators beim Hermannslauf von seinem langjährigen „Lehrmeister“ Christian Dopheide übernommen und hat zwei Tage vor der 46. Auflage des Teuto-Klassikers am Sonntag alle Hände voll zu tun. „In der heißen Phase wäre diese Aufgabe ohne Urlaub nicht zu bewältigen“, erklärt der Bielefelder, der Hermannslauf-Veteran Rudi Ostermann als gleichberechtigten Partner an der Spitze des zehnköpfigen Orgateams vom ausrichtenden TSVE 1890 Bielefeld an seiner Seite weiß. „Auf dem Papier braucht es einen, der die Leitung hat, aber grundsätzlich treffen wir alle Entscheidungen im Team“, erklärt Skakavac. Die Führungsposition im Ehrenamt ist zwar neu, die Abläufe in der Ausrichtung des OWL-Klassikers sind dem langjährigen TSVE-Mitglied aber längst bekannt. Skakavac hilft seit vielen Jahren bei der Durchführung des Hermannslaufes mit, 2007 rückte er in den engeren Kreis des Orgateams. Christian Dopheide, der fünf Jahre lang die Chefmütze trug, entdeckte sein Organisationstalent und nahm ihn an die Hand, um ihn als seinen Nachfolger auszubilden. Es sei immer der Plan gewesen, dass er irgendwann ins erste Glied rücke, sagt Skakavac, auch wenn das Laufen als Sport für ihn eher nicht in Frage käme. Die traditionelle Lorbeerkranzübergabe auf der Promenade, wenn er als Organisationschef beim Zieleinlauf das Tempo des Siegers und der Siegerin aufnehmen muss, stellt ihn deshalb vor eine größere Herausforderung. Skakavac ist Judoka und hat bis vor einem Jahr noch in der Regionalliga, der dritthöchsten Klasse, gekämpft. Mittlerweile hat er mehr den Nachwuchs im Fokus und versucht im wöchentlichen Training seine Begeisterung weiterzuvermitteln. Er habe selbst als Kind mit dem Kampfsport angefangen, erzählt der Ehrenamtler. „Dann habe ich alles mögliche ausprobiert – Handball, Fußball, Tennis, Badminton, Volleyball – bis ich als 15-Jähriger wieder beim Judo gelandet bin.“ Mit der Leichtathletik kam er über seine Vereinsmitgliedschaft in Kontakt. „Beim TSVE ist es üblich, dass alle Abteilungen beim „Hermann“ helfen.“ Und da ihn die Organisation einer Veranstaltung schon immer interessierte, war die Karriere im Ehrenamt quasi vorprogrammiert. Dass ihm sein Arbeitgeber, die Goldbeck-Gruppe, in den Wochen vor dem Hermannslauf flexible Arbeitszeiten ermögliche, sei eine große Hilfe. „So kann ich auch mal um 16 Uhr eine Pressekonferenz abhalten oder stehe für eine Streckenbegehung zur Verfügung.“ Eine Woche vom Jahresurlaub muss der Servicetechniker für Versorgungstechnik dann aber doch opfern. Kein Problem, denn das gesellschaftliche Engagement kommt von Herzen. Und die Begeisterung der über 7.000 Teilnehmer und der Zuschauer an der Strecke ist mehr als eine Entschädigung für die zahlreichen Arbeitsstunden im Hintergrund. Für ihn, das gesamte Orgateam und alle freiwilligen Helfer vom TSVE.

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