Elias Sansar siegte zuletzt im vergangenen Jahr beim Hermannslauf und lief mit Christian Dopheide ins Ziel ein, - © Christian Weische
Elias Sansar siegte zuletzt im vergangenen Jahr beim Hermannslauf und lief mit Christian Dopheide ins Ziel ein, | © Christian Weische

Hermannslauf Mit Elias Sansar auf der Strecke des Hermannslaufes unterwegs

Mythos Hermannslauf (5): Der Detmolder könnte sich in diesem Jahr mit seinem zehnten Sieg ein eigenes Hermannsdenkmal setzen. Die Anerkennung in der Region ist dem 37-Jährigen aber längst sicher

Arne Bensiek

Detmold. Es ist der ideale Tag, um Elias Sansar beim Laufen zu begleiten – und dabei nicht auf der Strecke zu bleiben. „Ich bin gestern 31 Kilometer in einem ziemlich schnellen Tempo gelaufen", sagt er. Seine Beine seien heute schwer. „Lass uns eine lockere Einheit machen", bittet Sansar und schlägt vor, Richtung Hermannsdenkmal zu laufen. Es geht also gleich mal locker bergauf. Wir haben uns auf einem Waldparkplatz in der Nähe des Ehbergs getroffen. Der König der ostwestfälischen Laufszene kennt hier jeden Trampelpfad. „Ich wohne ganz in der Nähe, das ist mein Trainingsrevier", erklärt er. Und trainiert hat der Detmolder, der in einem Fitnessstudio arbeitet, seit Anfang des Jahres jede Menge. 150 bis 200 Kilometer pro Woche waren sein Grundlagentraining, um am 30. April möglichst als fittester Läufer bei seinem zwölften „Hermann" an den Start zu gehen. Sansar dominiert den Teutoklassiker wie kein Läufer vor ihm. Gleich bei seiner ersten Teilnahme 2006 kam er als erster an der Sparrenburg an. 2013 lief er in 1:45:25 Stunden seine persönliche Bestzeit. Inzwischen sind es neun Siege, die Sansar zum Rekordmann machen, zum Mr. Hermannslauf. Der Kurde mit deutschem Pass muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber mit der Symbolik eines zehnten Sieges könnte sich der 37-Jährige in diesem Jahr sein eigenes Denkmal setzen. Seit fast 20 Jahren Laufen als Leistungssport Nach gut einer halben Stunde sind wir am Sockel des Hermanns angekommen. An welchem Punkt der Strecke zwischen Detmold und Bielefeld sollte sein Denkmal stehen, frage ich Sansar. Er schaut irritiert, etwas verlegen, schüttelt den Kopf und sagt: „Quatsch, wofür? " Er sei längst dazu übergegangen, nach dem Hermannslauf nicht mal mehr den Lorbeerkranz des Siegers mit nach Hause zu nehmen. „Die meisten habe ich noch im Zielbereich verschenkt", gesteht er. „Es hat mich mal eine Frau gefragt, ob sie ein Foto mit dem Lorbeerkranz machen könne, da habe ich zu ihr gesagt, behalten Sie ihn doch gleich", sagt Sansar und schmunzelt. Auf dem Weg zurück vom Hermannsdenkmal bergab bremst er das Tempo: „Das ist jetzt nicht gut für die Regeneration, wenn wir hier zu schnell runter rennen." Seit fast 20 Jahren betreibt Sansar Laufen als Leistungssport. Als Kind habe er in seiner Geburtsstadt Nusaybin an der türkisch-syrischen Grenze immer Fußball gespielt. Mit zehn Jahren sei er mit seinen Eltern und Geschwistern ins Lipperland gekommen und habe auch dort Fußball im Verein gespielt. "Der Lauf ist auch für mich eine große Schinderei" „Irgendwann mit 18 hat mich mein Trainer dann mal auf die Bank gesetzt und ich bin damit überhaupt nicht klargekommen", erinnert sich Sansar. Also suchte er sich einen Sport, bei dem man unmöglich auf der Bank sitzen kann. Weil er bei Fünf-Kilometer-Läufen in der Saisonvorbereitung auf der Tartanbahn seine Mannschaftskameraden schon früher immer mehrfach überrundet habe, sei seine Wahl aufs Laufen gefallen. Erst startete er auf der Bahn über Strecken bis zehn Kilometer, seit mehr als zehn Jahren über Strecken bis zur Marathon-Distanz.Wo er antritt, siegt er meist. Den Essen-Marathon „Rund um den Baldeneysee" etwa hat er in den vergangenen zwei Jahren gewonnen. Der Hermannslauf habe für ihn als „Lipper durch und durch", wie er es nennt, allerdings einen ganz besonderen Stellenwert. „Für einen Sieg beim Hermannslauf hat man die Anerkennung in der Region sicher", habe er immer wieder festgestellt. Egal ob für den ersten oder den zehnten. Weil der Lauf so viele Teilnehmer habe, gebe es viele Menschen, die einschätzen könnten, welche Leistung die Spitzenläufer erbringen. Vielleicht ist es ein Trost für alle Hobbyläufer, dass es Elias Sansar in den Tagen nach dem Hermann noch ruhiger angehen lässt als in dieser lockeren Trainingseinheit mit mir. „Ich kenne keinen anderen Lauf, der mir einen solchen Muskelkater verpasst", sagt er. Der Weg von Detmold nach Bielefeld sei natürlich auch für ihn eine große Schinderei. Die schönsten Momente des Hermannslaufs begännen für ihn im Ziel. Da warteten immer eine Reihe von Freunden. „Meine Eltern waren noch nie an der Strecke oder im Ziel, die interessieren sich nicht für Sport", sagt Sansar. Im vergangenen Jahr konnte er an der Sparrenburg immerhin auf zwei seiner Brüder warten, die nach mehr als drei Stunden ankamen. Das Läufergen ist in der Familie offenbar ungleich verteilt.

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