Christian Prokop - © Foto: Monika Skolimowska
Christian Prokop bleibt Handball-Bundestrainer. | © Foto: Monika Skolimowska

Keine Trennung Trotz EM-Debakel: Prokop führt Handballer zur Heim-WM

Hannover - Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Nachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen.

«Er war sehr erfreut über die Entscheidung», berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop. «Er wird weiter den Weg für die Mannschaft vorgeben.» Nach einer wochenlangen Hängepartie mit vielen Einzelgesprächen sprach sich das Präsidium des Deutschen Handballbundes auf einer rund zweistündigen Sitzung in einem Flughafenhotel in Hannover mehrheitlich für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Prokop aus. «Dieser Weg war steiniger. Es hat deshalb auch etwas länger gedauert. Aber es ist der mit dem ehrlichsten Ergebnis», bilanzierte Kromer die interne EM-Aufarbeitung.

«Wir haben die Fakten auf den Tisch gelegt. Es war deutlich», berichtete DHB-Vizepräsident Bob Hanning und richtete den Blick nach vorn: «Wir werden jetzt alle Kraft in das Projekt WM-Medaille hineinstecken. Alle können das noch besser machen - die Mannschaft, der Trainer und der gesamte Staff.»

Die Jobgarantie für Prokop, den der DHB im Vorjahr für 500 000 Euro aus seinem Vertrag beim SC DHfK Leipzig herauskaufte, soll langfristig gelten. «Wenn wir Letzter werden bei der WM, weiß ich natürlich nicht, ob er zu halten ist», sagte Hanning. «Aber ansonsten wollen wir bis 2022 miteinander den Weg gehen.»

Damit ist auch ein Rücktritt von Hanning vom Tisch, der bei einem Neuanfang mit einem anderen Trainer seinen Posten geräumt hätte. «Es hat sich im Präsidium aber niemand erpresst gefühlt», versicherte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Den Ausschlag für Prokop, der nach dem enttäuschenden neunten Platz bei der EM sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Teilen der Mannschaft in die Kritik geraten war, gab letztlich die Einsicht des 39-Jährigen. «Er hat Fehler eingeräumt und ganz klar gesagt, wo er Veränderungen in seinem eigenen Handeln vornehmen wird, weil er gemerkt hat, dass es nicht in allen Bereichen richtig war», berichtete Kromer. Und Michelmann ergänzte: «Es hat eine deutliche Entwicklung beim Trainer gegeben. Das hat uns dazu veranlasst, ihm zu glauben, dass er diesen Weg auch weiter gehen kann.»

Mit dieser Entscheidung war nicht unbedingt gerechnet worden. Noch am Wochenende hatte Bundesliga-Boss Uwe Schwenker von anhaltenden «atmosphärischen Störungen» zwischen Prokop und Teilen der Mannschaft gesprochen. Dass sich diese innerhalb kurzer Zeit offenbar ausräumen ließen, überrascht. Einige Akteure sollen sogar mit ihrem Rücktritt gedroht haben, sollte Prokop bleiben.

Kromer geht jedoch davon aus, dass es keine personellen Konsequenzen geben wird. «Es gab keine Differenzen in irgendeiner Art und Weise, dass sie uns die allergrößten Sorgen bereiten und nicht behoben werden können», sagte der Sportvorstand und betonte mit Blick auf die Heim-WM: «Wir gehen davon aus, dass auch weiterhin die besten deutschen Spieler für die Nationalmannschaft spielen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft das Projekt mit vollem Engagement angehen wird.»

Allerdings muss sich nach zuletzt zwei enttäuschenden Turnieren einiges ändern, um in elf Monaten wieder in die Weltspitze zurückzukehren. «Wir haben zuletzt als Sportart Schaden genommen, weil wir nicht so aufgetreten sind, wie wir uns das selbst vorgestellt hatten», räumte Kromer ein. «Alle wollten nicht mit so einem Ergebnis und so einer Stimmung nach Hause fahren.»

Wie stabil der Frieden zwischen Mannschaft und Trainer nun ist, werden spätestens die nächsten Länderspiele am 4. und 7. April gegen Serbien zeigen. «Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Christian Prokop mit seiner fachlichen Kompetenz dieses Team voranbringen wird», sagte Michelmann.

Dabei muss der Coach die Mannschaft jedoch stärker mitnehmen als bei der EM. «Wir haben sehr viele Informationen eingeholt. Es war von den Spielern offen und fair, die Dinge anzusprechen, die nicht so funktioniert haben», sagte Kromer. «Sie sind sehr sachlich und verantwortungsbewusst mit ihrer Rolle umgegangen.»

Künftig gehe es darum, das vorhandene Leistungspotenzial auszuschöpfen. «Der Bundestrainer hat den Willen und Wunsch bekundet, an den nötigen Stellschrauben zu drehen», so Kromer. Für die Zukunft äußerte er Zuversicht: «Der Trainer hat keinen Schaden genommen.»

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