Rote Karte gegen Aleksandar Svitlica? Dafür ist es noch zu früh, kommentiert Marcus Riechmann. - © picture alliance / Eibner-Pressefoto
Rote Karte gegen Aleksandar Svitlica? Dafür ist es noch zu früh, kommentiert Marcus Riechmann. | © picture alliance / Eibner-Pressefoto

GWD Minden Kommentar zu Kokain-Vorwürfen gegen GWD-Handballer: "An die Fakten halten"

Marcus Riechmann

Je komplexer der Sachverhalt, desto hilfreicher die Konzentration auf die Fakten. Bekannt sind diese: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt in einem Fall von Kokainschmuggel in erheblichem Ausmaß. In diesem Zusammenhang wirft die Behörde dem Mindener Handball-Profi Aleksandar Svitlica Beihilfehandlungen vor. Es wurden Haftbefehle ausgestellt. Anders als die meisten anderen Beschuldigten im Verfahren sitzt Svitlica aber nicht in Untersuchungshaft. Nun wird abzuwarten sein. Die Ermittlungen werden zeigen, ob sich genügend Hinweise für eine Anklage-Erhebung finden lassen. Falls ja, wird gerichtlich zu klären sein, ob und in welchem Umfang sich der Bundesliga-Handballer strafbar gemacht hat. Das wird dauern. Bis dahin ist Svitlica ein freier Mann. Der Umstand, dass man in seinem Fall auf die Anordnung von Untersuchungshaft verzichtet hat, deutet darauf hin: Vermuteter Tatbeitrag und Tatwissen Svitlicas sind nach Einschätzung der Ermittlungsbehörde unbedeutend genug, dass keine Verdunklungsgefahr vorliegt – und auch keine Fluchtgefahr. Rückhalt nicht selbstverständlich Bis zur einer möglichen Verurteilung gilt der gute Grundsatz der Unschuldsvermutung: Der Beschuldigte eines Strafverfahrens muss bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig gelten - und auch so behandelt werden. Genau das tut man bei Svitlicas Arbeitgeber GWD Minden. Man lässt den langjährigen Torjäger weiter Handball spielen. Jedenfalls so lange, bis sich wesentliche neue Erkenntnisse ergeben. Dann werde man den Fall neu bewerten, heißt es bei GWD. Diese loyale und an Wort und Gesetz angelehnte Haltung ist nicht selbstverständlich. In anderen Fällen werden Beschäftigungsverhältnisse auf Eis gelegt, um Distanz zu halten und um das eigene Image wie auch den Beschuldigten zu schützen. Tatsächlich birgt die respektable Treue zu einem Mann in der Schusslinie auch Risiken. Schließlich kann sich am Ende ergeben, dass man einem Straftäter eine Bühne geboten hat. Gerade die Art des schweren Deliktes – Kokainhandel – ist für einen Sportverein mit familiärer Fan-Ausrichtung ein gefährliches Terrain. GWD hätte Herr des Geschehens bleiben können Dass die Bombe just am Tag des Derbys platzte, ist für die GWD-Handballer sicher alles andere als leistungsfördernd gewesen. Bei der verständlichen Kritik an der Berichterstattung sollte man bei GWD allerdings selbstreflektiert bleiben. Schließlich hatte man nach Kenntnis der Sachlage etliche Wochen Zeit, als Herr des Geschehens die Entwicklung selbst und unter Berücksichtigung der Belange von Verein und Beschuldigtem öffentlich zu präsentieren. Diese Chance hat man verstreichen lassen und stattdessen die Kommunikation des Ermittlungsverfahrens dem Zufall oder eben dem Willen anderer überlassen. Die Vorwürfe stellen für Aleksandar Svitlica eine schwere Belastung dar. Immerhin ist ihm nun der Druck des Geheimen genommen worden. Der Rückhalt des Vereins und seiner Mitspieler werden ihm und seiner Familie gut tun. Auch das Publikum in Lübbecke zeigte sich einfühlsam und fair. Schmähungen jeder Art blieben aus. Am Ende stand im Derby der Handball im Vordergrund. Bis sich neue Fakten ergeben, darf das so bleiben.

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