Hintere Reihe v.l. Mario Gomez, Antonio Ruediger, Sami Khedira, Mats Hummels, Niklas Suele, Jerome Boateng, Leon Goretzka, Matthias Ginter, Jonas Hector. Mittlere Reihe v.l. Oliver Bierhoff (Manager Nationalmannschaft), Bundestrainer Joachim Jogi Loew, DFB-Assistenztrainer Thomas Schneider, Toni Kroos, Julian Draxler, Thomas Mueller, Julian Brandt, Marvin Plattenhardt, DFB-Assistenztrainer Marcus Sorg, Torwarttrainer Andreas Koepke, Miroslav Klose (DFB-Trainerteam). Vordere Reihe v.l. Sebastian Rudy, Marco Reus, Timo Werner, Kevin Trapp, Torwart Manuel Neuer, Torwart Marc-Andre ter Stegen, Mesut Oezil, Joshua Kimmich, Ilkay Guendogan. - © picture alliance / GES/Markus Gilliar
Hintere Reihe v.l. Mario Gomez, Antonio Ruediger, Sami Khedira, Mats Hummels, Niklas Suele, Jerome Boateng, Leon Goretzka, Matthias Ginter, Jonas Hector. Mittlere Reihe v.l. Oliver Bierhoff (Manager Nationalmannschaft), Bundestrainer Joachim Jogi Loew, DFB-Assistenztrainer Thomas Schneider, Toni Kroos, Julian Draxler, Thomas Mueller, Julian Brandt, Marvin Plattenhardt, DFB-Assistenztrainer Marcus Sorg, Torwarttrainer Andreas Koepke, Miroslav Klose (DFB-Trainerteam). Vordere Reihe v.l. Sebastian Rudy, Marco Reus, Timo Werner, Kevin Trapp, Torwart Manuel Neuer, Torwart Marc-Andre ter Stegen, Mesut Oezil, Joshua Kimmich, Ilkay Guendogan. | © picture alliance / GES/Markus Gilliar

WM Kader Bankdrücker, Tribünenscout und Swag-Beaufragter - Der WM-Kader 2018

Marc Schröder
Dennis Bleck

Bielefeld. Es geht los in Russland und auch der deutsche Kader erwartet im WM-Quartier Watutinki das erste Spiel. Nach der Demission von Sandro Wagner und dem durchaus überraschenden Aus für den talentierten Leroy Sané, sollen 23 Spieler den WM-Titel zu verteidigen. Wir wagen eine kleine Prognose hinsichtlich der Startelf und wer wohl weniger Spielminuten sammeln dürfte. Aber das Turnier ist lang und wer weiß wen Jogi Löw dieses Mal als taktischen Geniestreich aus dem Hut zaubert oder magische Worte ins Ohr flüstert.

Die Startelf

Manuel Neuer (32, Bayern München)
Die Nummer 1 ist rechtzeitig wieder fit für die WM und das ist gut so, denn er fängt und hält fast alles fest: Bälle, Duschgel, Cola-Flaschen. Außerdem ist er gar nicht deine Freundin, sondern Manuel Neuer! Die Nr. 1 hat seit dem letzten WM-Titel (Version 4.0) außerdem das Update „moderne Interpretation des Libero" im System. Lediglich ein Feature fehlt ihm: den Videobeweis direkt durch seinen Reklamationsarm aktivieren zu können.

Jerome Boateng (29, Bayern München)
Swag-Beauftragter und unangefochtener Strippenzieher in Deutschlands Defensive. Abseits des Platzes ist der "Lieblingsnachbar" zudem einer der Wortführer des Teams. Im Netz sowieso Kult, nicht erst seit der Rettungstat auf der Linie bei der EM 2016.

Mats Hummels (29, Bayern München)

Beckenbauers Erbe, bildet mit Boateng die defensive Schaltzentrale, sorgt außerdem bei Standards mit dem Kopf für Gefahr. Hat nach dem Rücktritt von Philipp Lahm auch die Rolle des außenpolitischen Sprechers von „Die Mannschaft TM" in den Feldinterviews übernommen. Social Media übernimmt im Hause Hummels Ehefrau Cathy. Yoga-Buchautorin, Instagramerin und Video-Bloggerin. Wen das interessiert, der wird sie in den nächsten Wochen finden wenn sie „Style" geht und WM-Schminktipps gibt.

Jonas Hector (27, 1. FC Köln)
In Troja zwar nicht dabei gewesen, dafür in einigen der schwereren Schlachten der jüngeren DFB-Geschichte. Gerne mal angezweifelt, gilt er für die WM als gesetzt, weil, naja, gibt halt sonst keinen. Das kommt vielleicht auch daher, dass er nicht bei Twitter oder Instagram vertreten ist. Ein schweres Versäumnis.

Joshua Kimmich (23, Bayern München)
Fast so unermüdlich wie sein Vorgänger, der „große" Philipp Lahm, nur torgefährlicher. Allerdings bisher nicht in der "Mannschaft". Ob Kimmich auf lange Sicht ähnlich konstant wie der Duracel-Hase ans Werk geht, muss sich noch zeigen. Talent hat er außerdem für feuchtfröhliche Kabineneinblicke. Bei den DFB-Versionen wird dann allerdings ein gewisser Sandro W. fehlen.

Sami Khedira (31, Juventus Turin)
Raubt seinen Gegenspielern auch in der 119. Minute mit seiner Lauf- und Zweikampfstärke den Nerv. Hat sich neben Kroos auf der Doppelsechs etabliert und darf den Vorzeigemann für gelungene Integration spielen: Sein DFB-Trikot hängt im Museum Europäischer Kulturen in Berlin. Allerdings nicht in der Abteilung "Dribblings auf engem Raum".

Toni Kroos (28, Real Madrid)
Bringt 101 von 100 Pässen an. Ist wie eine dieser alleskönnenden Küchenmaschinen: Da gelingt alles. Berührt den Ball wie ein Pianist, ist ansonsten aber einer für die leisen Töne. Kann seine Mitspieler dann auch eher selten mitreißen, kann keinen Rückstand allein umbiegen. Seltsam, denn als einziger Deutscher hat er schon viermal die Champions League gewonnen.

Thomas Müller (28, Bayern München)
Meister der Antizipation und seit Lukas Podolskis beruflicher Neuorientierung (Döner) zuständig für die Stimmung im Team. Taucht immer dort auf, wo der Ball hinkommt. Von wo ist meist nicht ganz klar, soll uns aber egal sein. Trotz Storchenbeinen äußerst torgefährlich – vor allem bei Weltmeisterschaften. 2010 und 2014 traf Müller jeweils fünfmal. Einziger Spieler, der in Russland den Tore-Rekord von Miro Klose (16 Treffer) in naher Zukunft angreifen kann.

Jerome is back 👏😀 #diemannschaft #esmuellert #boateng #dfb #eppan

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Mesut Özil (29, FC Arsenal)
Schleicht ab Minute drei über den Platz, als hätte er schon 120 in den Beinen. Bei Jogi Löw aber unumstritten. Zudem einziger Spieler im Kader mit eigenem Emoji bei Whatsapp. Kann in wichtigen Spielen oft nicht sein volles Potenzial abrufen. Darauf kommt es in Russland aber an. Sollte sich wie Kollege Gündogan seine Twitterfoto-Nebenmänner sorgfältiger aussuchen.

Julian Draxler (24, Paris Saint-Germain)
Führte das DFB-Team als Kapitän schon zum Confed-Cup, Stammspieler im Nationaltrikot, aber nur Reservist bei Heimatverein Paris. Dreht auch gerne mal den Swag auf, so wie offenbar auch das Parfümfläschchen. Draxler geht nämlich nur wohlriechend auf den Platz. Das könnt ihr jetzt nicht mehr nicht wissen.

Timo Werner (22, RB Leipzig)
Pfeilschnell und furchtbar torgefährlich. Halb Europa jagt die Nummer eins im deutschen Sturm. Kann sich bei der WM ins Rampenlicht spielen, sofern er nicht wieder durch eine unrühmliche Schwalbe auffällt. Hat seine Lektion aber gelernt und auch Frieden mit den deutschen Fans geschlossen. Werner führt ein Leben an der Abseitsgrenze. Gegen tiefstehende Gegner aber häufig noch zu harmlos. Er braucht Platz, um seine Geschwindigkeit zu entfalten.

Die Bank

Marc-Andre ter Stegen (26, FC Barcelona)
Verbringt, wenn alles gut/schlecht läuft die WM auf der Bank. Präsentiert sich in den sozialen Netzwerken fast genauso solide wie auf dem Platz. Seine Abschiedsposts für Team-Kollege Andres Iniesta oder Torwartikone Gigi Buffon sind was fürs Fußballromantikerherz. Und vielleicht schafft es sein Opa dieses Jahr nach dem "Clasico" auch in ein WM-Stadion.

Antonio Rüdiger (25, FC Chelsea)

Hat sein ohnehin dynamisches Spiel in Italien und inzwischen England enorm weiterentwickelt. Ein Kandidat, wenn Löw es nochmals mit einer Variante der Dreier-Kette versucht. Oder auf dem rechten Auge blinde Sportjournalisten mal wieder "der junge Boateng" schreiben wollen.

Niklas Süle (22, Bayern München)
Hätte bei Karl May wohl "pfeilschneller Büffel" geheißen. Süle überzeugt, egal ob an der Seite von Hummels oder Boateng. Beherrscht nicht zuletzt die eingesprungene (Rettungs-)Fluggrätsche. Echte Kante, die man lieber im eigenen Team hat. Geht es gegen Spanien gehen, wäre Süle ein Kandidat für den Boss-Kampf gegen Sergio Ramos.

Marvin Plattenhardt (26, Hertha BSC)
Backup für Jonas Hector. Es gibt härtere Konkurrenten. Dürfte außerhalb Berlins und des Schwäbischen unbehelligt in Straßencafés sitzen können. Nahe seinem Geburtsort, im Großraum Stuttgart, hat man aber schon mal einen Ort nach ihm benannt, oder andersherum.

📍😉 #heimat #family #kurzurlaub

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Marco Reus (28, Borussia Dortmund)
Der Dortmunder ist eine Rakete. Sagt Jogi Löw. Eine gesunde Rakete, hoffentlich. Zu häufig warfen den Nationalspieler Verletzungen zurück. Die WM 2014 und EM 2016 verpasste er tragisch. Wäre ein Gewinn für jedes WM-Turnier.

Ilkay Gündogan (27, Manchester City)
Hat trotz seiner Veranlagung noch kein Turnier im Nationaltrikot bestritten. Hat kein Gespür für Politik, aber das ist ja auch nicht sein Beruf, wie er selbst findet. Von daher: Aufregung runterfahren. Das Foto mit Russlands Präsident Putin gibt es dann nach dem WM-Triumph.

Julian Brandt (22, Bayer Leverkusen)
Das bei 80 Millionen Bundestrainern ungeliebte Sané-Substitut. Schnell, kreativ und immer für eine Überraschung gut. Ein Spieler, wie Löw ihn mag. Kann mit seinem Gesicht als zweites Standbein neben dem Fußball auch Werbung für Kinder-Schokolade machen. Zumindest während der vier Wochen in Russland keine so schlechte Idee. Denn mehr als Teilzeitarbeit wird Brandt auf dem Platz nicht verrichten.

Mario Gomez (32, VfB Stuttgart)
Setzte sich im Fernduell gegen Sandro Wagner durch – wohl auch weil sein Ego bequemer in den Teambus passt. Auf dem Platz langsam aber sicher der Grandseigneur in Löws Sturm. Tore bejubelt die Fangemeinde mit dem Mario-Gomez-Button. Zumindest melodisch auf einer Stufe mit Will Griggs.

Bankdrücker

Kevin Trapp (27, Paris Saint-Germain)
Torwart Nummer 3, wird die WM ähnlich verbringen wie seine Saison mit Paris Saint-Germain, auf der Bank. Doch auch diese Rolle will gelernt sein. In seiner Vita konnte er trotzdem einen neuen Satz französische Fußballtitel eintragen. Vielleicht kommt dieses Jahr auch noch ein internationaler Titel dazu. Erfahrungswerte auf der Bank kann im Notfall der Torwarttrainer liefern...

Matthias Ginter (24, Borussia Mönchengladbach)
Tja also Matze Ginter fährt mit zur WM, ist nen feinen Kerl und hat dem Papst schon die Hand geschüttelt… und vielleicht kommt auch mal zu ein paar Einsatzminuten. Zu mehr wird es allerdings wohl nicht reichen, selbst wenn er in der Abwehr und defensiven Mittelfeld variabel einsetzbar ist.

Sebastian Rudy (28, Bayern München)
Sein großer Vorteil ist seine Vielseitigkeit: Rudy könnte wohl auch den Mannschaftsbus zum Hotel lenken oder die Eistonne eines Per Mertesacker befüllen. Im Mittelfeld wird der Bayern-Profi bei Jogi Löw aber wohl nicht zum Einsatz kommen, aber das kennt Rudy ja vom FC Bayern.

Leon Goretzka (23, Schalke 04)
Die vierte Geige in Jogis-Mittelfeld-Quartett. Wird in Russland wichtige Erfahrung sammeln und das erste Mal WM-Luft schnuppern. Ist für einen Mittelfeldspieler sehr torgefährlich und lange noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Kann er sich in München durchsetzen, steht einer Weltkarriere nichts im Wege. Wenn nicht, wer waren doch gleich Serdar Tasci, Jan Kirchhoff oder Vahid Hashemian?

Die Macher

Joachim Löw (58, Bundestrainer)
Könnte auch hauptberuflich Nivea-Markenbotschafter sein, braucht nach eigener Aussage morgens 30 Minuten im Bad und rasiert sich täglich. Bei jedem Turnier, in dem Löw als Trainer an der Seitenlinie stand, erreichte das DFB-Team mindestens das Halbfinale. 2014 gewann man die Weltmeisterschaft. Die einen sagen Dank Jogi, die anderen sagen trotz Jogi.

Thomas Schneider (45, Assistent)
Schneider ist Jogis rechte Hand (Nein, wohl nicht in seiner Hose). Unterstützt den Bundestrainer beim Finden von Taktik und Aufstellung, arbeitet intensiv mit den Videoscouts zusammen. Schneider und Löw kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart.

Marcus Sorg (53, Assistent)
Wird während des Turniers nur selten den Platz auf der Trainerbank einnehmen. Soll von der Tribüne aus die Gegner analysieren. Von dort hat man schließlich einen besseren Überblick. Bislang konnte er als "Tribünenbote" seine Erkenntnisse erst zur Halbzeit weitergeben, bei der WM sind „handliche mobile Geräte" erlaubt. Ganz wichtig: „höögschde Fuungdischzipliin".

Andi Köpke (56, Torwarttrainer)
Hat von allen im Trainerstab wohl den leichtesten Job. Köpke kümmert sich um die Torhüter im DFB-Team, also um die Position, wo in den vergangenen Jahren am wenigsten Handlungsbedarf bestand. Schlimmer wäre es bei den Engländern. Köpke kann den zwei Ersatzleuten aus eigener Erfahrung vermitteln, was ein Reserve-Torwart bei einem Turnier zu leisten hat, Köpke erfüllte diese Rolle 1990 und 1994, bevor er als Stammkeeper für den EM-Titel 1996 mitverantwortlich war.

Mirsolav Klose (40, Assistenztrainer)
Bevor er seine Stelle im Nachwuchsbereich von Bayern München antritt, gibt Miroslav Klose beim Turnier noch den Trainer-Azubi. Ob der WM-Rekordtorschütze den Offensivspielern in Sondertrainingseinheiten seine Salto-Tricks verraten hat, ist bislang nicht bekannt.

Oliver Bierhoff (50, Teammanager)
Alle zwei Jahre checkt Bierhoff auf den einschlägigen Web-Portalen die günstigen Hotelpreise, um eine geeignete Unterkunft für „Die Mannschaft" zu finden. Ob das ehemalige Sowjet-Sanatorium Watutinki jemals an das Beach-Ressort von Campo Bahia heranreicht wird sich zeigen. Übrigens: Der Werbe-Claim, den außer beim DFB und den Werbepartner wohl niemand ernsthaft verwendet, entstammt wohl auf einer Bierhoff Idee. Was kommt als nächstes? „Die Mannschaft 2" oder so...

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