Joachim Löw - © Foto: Thomas Frey
Bundestrainer Joachim Löw auf dem Weg zur Pressekonferenz in Mainz. | © Foto: Thomas Frey

WM-Qualifikation Löw startet WM-Testphase - «Topleistung abrufen»

Mainz - Den Rekord für die beste Qualifikations-Bilanz einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft seit 1934 will sich Joachim Löw mit dem zehnten Sieg im zehnten Spiel natürlich noch sichern.

Die Gedanken des Bundestrainers gehen aber schon längst über die letzte Partie in der bislang makellosen WM-Ausscheidungsrunde am Sonntag (20.45 Uhr) in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan hinaus. Für Löw hat die Titelverteidigung im kommenden Sommer in Russland Priorität.

«Die Spieler, die dabei sein werden, müssen auf den Punkt auf dem höchsten Niveau sein und müssen zu jeder Zeit, zu jeder Minute und zu jeder Sekunde eine Topleistung abrufen, wenn sie gebraucht werden. Daran arbeiten wir», formulierte Löw in einer Grundsatzansprache im Mainzer Teamhotel seinen Arbeitsplan bis zum WM-Start am 14. Juni 2018.

Russland wird laut Löw das «schwierigste Turnier» überhaupt. «Der Kampf an der Spitze wird brutal hart», prognostizierte der Weltmeister-Trainer und mahnte: «Glaubt doch bloß nicht, dass wir die Einzigen sind, die wirklich gute Spieler haben. Auch andere Nationen haben in der Ausbildung unglaublich aufgeholt und sind hartnäckig. Auch wir als Weltmeister müssen uns neu erfinden und neu definieren.»

Die Partie gegen Aserbaidschan ist der nächste Schritt zu Löws großem Ziel. Deshalb schaltet der 57-Jährige auch gleich in den WM-Testmodus und kündigte im Vergleich zum 3:1 am Donnerstag in Nordirland mindestens drei personelle Veränderungen in der Startelf an.

Bernd Leno bekommt nach seinem unglücklichen Auftritt beim 3:2 zum Confed-Cup-Auftakt gegen Australien eine weitere Bewährungschance im Tor als Vertreter des wegen seines erneuten Fußbruches langfristig fehlenden Manuel Neuer. Eine Aussage des Kapitäns zu seinem Heilungsprozess ließ am Samstag aufhorchen. «Es findet noch eine Wundheilung statt innerhalb des Fußes. Die kann sogar bis zu einem halben Jahr dauern», sagte der 31-Jährige im FCBayern.tv. Trotzdem halten der FC Bayern und auch Neuer selbst am Plan fest, dass der Kapitän zum Rückrundenstart wieder trainieren und spielen soll.

Auch Löw verfolgt die Entwicklungen bei seiner Nummer 1 genau. Aber er will sie nicht dramatisieren. «Man sollte den Teufel nicht an die Wand malen mit Manuel Neuer», sagte der 57-Jährige in Mainz. Richtung WM 2018 mache er sich «aktuell keine Sorgen». Klare Nummer 2 im DFB-Team ist inzwischen Marc-André ter Stegen, dem Löw beim FC Barcelona und auch im DFB-Trikot eine gute Entwicklung bescheinigt. «Wenn man jetzt von einem Torhüter hinter Manuel Neuer spricht, ist das der Marc», sagte der Bundestrainer.

Zudem werden die Premier-League-Profis Emre Can vom FC Liverpool im defensiven Mittelfeld und Außenstürmer Leroy Sané von Manchester City gegen Aserbaidschan in der Startelf stehen - wie auch erneut Leon Goretzka. «Was er macht im Spiel, welche Wege er in die Tiefe macht, das ist es, was von einem Mittelfeldspieler gefragt ist», lobte Löw den 22-Jährigen vom FC Schalke 04.

Er wolle Spieler, die den «immensen Hunger haben», das Turnier im kommenden Jahr unbedingt zu gewinnen. «Nur wir als Weltmeister haben etwas zu verlieren. Alle anderen können nur gewinnen. Um den WM-Titel zu wiederholen, brauchen wir eine Topleistung von jedem einzelnen Spieler», betonte Löw.

Neun Siege in neun Spielen stehen bislang in der Gruppe C für die DFB-Elf zu Buche. «Jetzt werden wir alles dran setzen, um auch das zehnte Spiel zu gewinnen. Das war von Anfang an die Idee, das Ziel», sagte Löw. Zehn Siege waren unter Löw auch auf dem Weg zur EM 2012 gelungen, aber mit einem schlechteren Torverhältnis. Letztmals ohne Punktverlust konnte sich Deutschland für eine WM vor 36 Jahren qualifizieren. Unter Jupp Derwall gab es damals acht Siege aus acht Spielen.

Am sechsten Sieg im sechsten Aufeinandertreffen gegen Aserbaidschan hat der DFB-Chefcoach keine Zweifel. Man wolle den Zuschauern «Freude bereiten». Der Gegner scheint ihm fußballerisch sogar sympathischer zu sein als die letzten Kontrahenten Norwegen und Nordirland. «Sie verstecken sich nicht und hauen auch nicht die Bälle kreuz und und quer, wie wir es zuletzt erlebt haben.»

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