Middendorp mobilisiert die Arminen

500 Fans verfolgen erstes Training des neuen, alten Cheftrainers / Geideck bleibt im Team

VON TORSTEN ZIEGLER

Bielefeld. Er saß in einem Garten in Johannesburg, war nach dem ersten Besuch eines Balletts total entspannt, trank Kaffee und hatte gerade für den heutigen Donnerstag einen Flug nach Dubai gebucht. "Eigentlich hatte ich vor, von dort weiter nach Sydney zu fliegen, um am 24. ein Spiel der Urawa Reds von Holger Osieck zu sehen", erzählt Ernst Middendorp. Doch es kam anders.

Gestern leitete der 48-Jährige vor 500 Zuschauern sein erstes Training in Bielefeld an der Friedrich-Hagemann-Straße. Nun heißt es am Samstag für den Fußballtrainer: Aachen statt Dubai.

Als der sonnenverwöhnte Middendorp um kurz vor vier aus dem Kabinengebäude tritt, um seinen Job aufzunehmen, brandet Beifall auf. So viele Leute waren hier noch nie - außer bei der Einweihung der neuen Plätze. Der warme Empfang vermittelt Middendorp ein "sehr gutes Gefühl". Aus dem Andrang leitet er den Auftrag ab: "Das sollte jedem von uns die Verantwortung verdeutlichen, die wir haben."
Middendorps Mission ist einfach beschrieben: Klassenerhalt. "Ob mit Punktvorsprung oder durch das Torverhältnis: Es zählt nur Platz 15", sagt er - und hält das mit dieser "recht intakten, sehr ambitionierten Truppe" für ein "realistisches Ansinnen".

Sähe er das anders, hätte er wohl am Montag den Anruf aus Bielefeld kürzer gehalten. So aber hat er sich "bei der zweiten Tasse Kaffee recht spontan entschieden", der Einladung nach Ostwestfalen zu folgen. Noch vor drei Wochen sagte er dieser Zeitung, er habe kein Interesse daran, Trainer bei Arminia zu werden.

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Mit dem konkreten Angebot konfrontiert, änderte Middendorp seine Haltung. "Was kümmert mich mein Gequatsche von gestern?", sagt er dazu mit entwaffnendem Lächeln. Allerdings stand nach dem Treffen mit Vorstand und Geschäftsführern des DSC am Dienstag Abend noch ein "faszinierendes Gespräch" mit Frank Geideck an. "Danach habe ich gesagt: Packen wir es an!"

Geideck erklärte sich bereit, als Co-Trainer weiter zu machen. Sein Vertrag bis 2009 wurde aber finanziell reduziert. Auch der bisherige Geideck-Assistent Dr. Jörg Weber bleibt im Trainerteam, zu dem noch Torwartspezialist Thomas Schlieck gehört. Kontinuität schreibt Middendorp auch in der Vorbereitung auf das Aachen-Spiel groß: "Ich weiß, wie Frank arbeitet. Physisch, technisch, taktisch gibt es keine Defizite. Ich bin einfach nur da, um vielleicht das i-Tüpfelchen obendrauf zu setzen."

Schon am Samstag nach der Schlappe in Mainz hatten Roland Kentsch, Reinhard Saftig und Geideck den Namen Middendorp diskutiert. "Ich sollte möglichst kurzfristig möglichst großen Erfolg haben. Das ist mir nicht gelungen", bilanzierte Geideck seine Tätigkeit .

Ernst Middendorp musste dann nur noch Dubai stornieren und einen Flug nach Frankfurt buchen. Ergattert hat er in der Lufthansa-Maschine den letzten Platz. "Das sind Zeichen", sagt er, "da denkst du: Hey, das soll wohl doch noch einmal was werden mit dir und Bielefeld."

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