"Wenn von Heesen ruft, muss man kommen"

Middendorps stressige Rückkehr

Bielefeld. Er hatte unumstritten die weiteste Anreise: Ernst Middendorp war aus dem fernen Iran nach Bielefeld geeilt, um beim Benefizspiel das All-Star-Team zu betreuen. "Doch wenn von Heesen anruft, muss man einfach kommen", frotzelt der Ex-Arminencoach und gibt dem DSC-Geschäftsführer einen freundschaftlichen Klaps.

Dabei gestaltete sich Middendorps Wochenanfang überaus stressig. Noch am Montagabend stand für den Trainer des iranischen Zweitligisten Tracktorsasi Täbris ein Auswärtsspiel auf dem Programm. "Das haben wir 0:1 verloren ?“ durch ein Tor in der 89. Minute", berichtet Middendorp. Ein erneuter Rückschlag im Kampf um den Wiederaufstieg. Denn für Täbris zählt nur der Sprung in die erste Liga. Derzeit ist die Werkself aus der Millionen-Metropole im Nordwesten des Irans fünf Punkte von diesem Ziel entfernt. "Wir haben Offensivprobleme", erläutert der Coach, der eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen musste.

Dennoch fühlt sich Middendorp auf seiner dritten Auslandsstation nach den Engagements bei den ghanaischen Klubs Asante Kotoko Kumasi und Hearts of Oak ziemlich wohl. "Die Landschaft ist wunderschön, die Gastfreundschaft unglaublich", schwärmt der 46-Jährige. In der Kommunikation hapert es jedoch noch. "Lesen geht zwar, und das Alltagsvokabular der Landessprache Farsi beherrsche ich. Aber bei taktischen Anweisungen müssen die Dolmetscher ran", betont Middendorp, der trotz des "privaten Wohlfühlmoments" über einen Abschied zum Saisonende nachdenkt.

"Die Chancen stehen 50:50. In den nächsten zwei bis drei Wochen werde ich wohl entscheiden, ob es weiter Sinn macht, ob sich hier längerfristig etwas aufbauen lässt." Eine Rückkehr nach Deutschland schließt der Westfale nicht aus. Als neuen Weltreisenden á la Rudi Gutendorf sieht sich Ernst Middendorp jedenfalls nicht.

"Ich bin nicht als Heilsbringer unterwegs, sondern als Profi", lächelt der Wahl-Iraner und dreht sich um, um seinen ehemaligen Abwehrchef zu begrüßen: "Es ist immer wieder toll, einen topfitten Thomas Stratos als Abwehrchef zu zu sehen." Der so Gelobte dirigiert in den folgenden 90 Minuten souverän die kompakte All-Star-Defensive. Ein ums andere Mal laufen die Arminen ins Abseits. "Middendorp hat uns in zehn Minuten die Vierer-Kette erklärt ?“ und dann haben wir sie halt gespielt", erklärt Stratos nach dem Spiel.

Leichte Orientierungsprobleme hatte der Defensivstratege jedoch außerhalb des Spielfeldes. "Ich wäre fast in die falsche Kabine gelaufen", schmunzelt der Ex-Arminenkicker, "denn die Gäste-Umkleide ist für mich halt sehr ungewohnt."

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