Arminias Zukunft ist gesichert, dafür sorgt auch der Verkauf der Schüco-Arena. - © Sarah Jonek
Arminias Zukunft ist gesichert, dafür sorgt auch der Verkauf der Schüco-Arena. | © Sarah Jonek

Albrechts Arminia Ostwestfalen legt vor - jetzt ist Arminia am Zug

Kolumne von Patrick Albrecht

Patrick Albrecht

Es ist kaum zu glauben, aber Arminia Bielefeld scheinen rosige Zeiten bevorzustehen. Die geplante Komplett-Sanierung des Vereins macht sogar den Traum "Bundesliga" ein erhebliches Stück realistischer. Was kann jetzt noch schiefgehen? Richtig: Ein Abstieg in die dritte Liga. Die Mannschaft ist nun gefordert - und auf dem besten Weg, den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft zu legen. Arminias Chefsanierer Markus Rejek wirkte leicht irritiert, als ihm bei der Präsentation des Sanierungskonzeptes "Hermann" auf der Jahreshauptversammlung von einem Mitglied die Frage gestellt wurde, was denn eigentlich bei einem Abstieg passieren würde. Seine Antwort: "Dann würde sich das entwickelte Sanierungskonzept nicht rechnen. Wir stünden vor einer komplett anderen Situation". Überhaupt wurde dieser Worst Case kaum thematisiert. Weder von den Verantwortlichen, noch von den Fans. Der Auswärtssieg beim VfL Bochum und die Aufstockung des Punktokontos auf 29 Zähler waren ein gewaltiger Schritt in Richtung endgültiger Rettung. Denn die ist de facto noch nicht jetzt, sondern erst im Falle des Klassenerhalts endgültig erreicht. Eine Region erweckt ihr Aushängeschild zu neuem Leben Das Sanierungskonzept unter Beteiligung von Gläubigern, Banken, des Landes, der Stadt und vor allem des "Bündnisses Ostwestfalen" soll die Darlehensverbindlichkeiten des Klubs in Höhe von 22,1 Millionen Euro auf einen Betrag von unter einer Million Euro senken. Auch unter Berücksichtigung des Stadionverkaufs soll die Komplett-Entschuldung Arminias gelingen. Eine Region schließt sich zusammen, um ihr Aushängeschild - ihren Fußballverein Nummer Eins - nicht nur am Leben zu halten, sondern eben zu dem Aushängeschild zu machen, das er einmal war. Was klingt wie ein Märchen, ist zugegebenermaßen ein Schlag ins Gesicht für jeden Traditionsverein, der solide wirtschaftet und es erst gar nicht so weit hat kommen lassen. Ohne Hilfe von außen wäre der DSC wohl niemals schuldenfrei geworden. Die Fans zögerten vor allem beim gepanten Verkauf ihrer "Alm". Verständlich: Auch wenn dem Klub das Stadion nur noch auf dem Papier gehört, ist er bald gar nicht mehr Herr im Haus. Ein Käufer ist noch nicht bekannt, ebenso wenig wie dessen Absichten. Nichtsdestotrotz macht die Erfolglosigkeit der vor einigen Jahren gegründeten Stadiongesellschaft Alm KG einen Verkauf unabdingbar. Kommerz ist nicht automatisch negativ Nichtsdestotrotz ist die Unterstützung aus der ostwestfälischen Wirtschaft nicht nur ein Auswuchs der allseits geächteteten Kommerzialisierung. Es hat etwas mit Tradition, mit Heimatverbundenheit und mit Nostalgie zu tun, wenn eine ganze Region zusammensteht und alles dafür tut, mit Arminia Bielefeld ein bedeutendes Stück ostwestfälische Kultur zu retten. Es ist etwas anderes, wenn ein österreichischer Energy-Drink-Hersteller ohne jeglichen regionalen Bezug seine Marketing-Abteilung in den deutschen Fußball ausgliedert und dank eines klaren Wettbewerbsvorteils mittlerweile ganz oben anklopft. Das Bündnis Ostwestfalen möchte dem DSC lediglich ein gesundes Fundament für die Zukunft bieten und in Form von liquiden Mitteln eine Starthilfe geben. Das operative Tagesschäft bleibt unberührt. Arminia behält gemäß 50+1-Regel die Mehrheitsanteile am eigenen Verein. Es ist eine große Chance - und die sollte der Klub nutzen. Voraussetzung dafür ist der Klassenerhalt in diesem Jahr. Aber der ist und war in der laufenden Spielzeit noch nie gefährdet. Machen Saibene und Co. so weiter, darf im nächsten Jahr vielleicht über andere Ziele gesprochen werden.

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