Zufrieden? Nicht zufrieden? Jeff Saibene hat seinen Spielern in jedem Fall eine gepfefferte Weihnachtsbotschaft mitgegeben. - © Christian Weische
Zufrieden? Nicht zufrieden? Jeff Saibene hat seinen Spielern in jedem Fall eine gepfefferte Weihnachtsbotschaft mitgegeben. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Albrechts Arminia: Der goldene Abschluss kam zwei Wochen zu früh

Kolumne von Patrick Albrecht

Patrick Albrecht

25 Punkte nach 18 Spieltagen, Tabellenplatz Neun, sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Arminias bisherige Bilanz sieht doch ganz gut aus. Aber wir sind ja schließlich in Ostwestfalen, also kann traditionsgemäß nicht einfach alles in Ordnung sein. Der Grund für die schlechte Laune bei Spielern und Fans: Die letzten beiden Auftritte in Sandhausen und Regensburg. Hätten sich die Arminen bereits nach 16 Spieltagen in den Urlaub verabschieden können, wäre alles in bester Ordnung gewesen. So war es aber nicht. Die meisten Bielefelder waren nach dem berauschenden 5:0-Fußballfest gegen den FC St. Pauli mit den Gedanken vielleicht schon beim Weihnachtsessen mit der Familie. Alle Spieler standen nach Abpfiff auf dem Zaun, die ganze Alm blühte in Partystimmung auf. Trainer Jeff Saibene bekundete nach einer Ehrenrunde über das Stadionmikro: "Ich bin stolz, ein Armine zu sein". Spätestens jetzt war der Jahresabschluss perfekt. Alle waren glücklich. Alle waren ausgelassen. Mal ehrlich, danach konnte nichts mehr kommen. Wenn der Urlaub wartet... Das Phänomen, nach große Erfolgen in ein Leistungsloch zu fallen, ist kein Neues. So ist es kein Zufall, dass die letzten acht Bundesligamannschaften, die gegen den FC Bayern gewonnen haben, im darauffolgenden Spiel nie gewinnen konnten. Auf die Situation des DSC angewendet ergibt sich folgendes Bild: Gerade noch ein 5:0-Schützenfest gefeiert, findet man sich eine Woche später plötzlich im Schneechaos von Sandhausen wieder. Und bis man sich auf den Schnee eingestellt hat, pfeift der Schiedsrichter auch schon wieder ab. Direkt danach geht es zur Mannschaft der Stunde nach Regensburg. Neben der Aussicht auf drei Punkte gibt es vor allem die Aussicht, sich nach Abpfiff direkt in den Urlaub verabschieden zu können. Die Niederlagen in Sandhausen und Regensburg waren keine Frage der Qualität oder des Systems. Sie waren eine Frage der Mentalität und der Einstellung. Das können Mannschaft und Trainer zum Glück relativ schnell wieder in den Griff bekommen. Dass die Arminen sich selbst am meisten geärgert haben, zeigten die Reaktionen nach dem Regensburg-Spiel: Kapitän Börner und Andreas Voglsammer sprachen von einer ungenügenden, indiskutablen und katastrophalen Leistung. Eine Drohnung vom Chef als Weihnachtsgeschenk Auch Jeff Saibene nahm wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Seine Mannschaft habe sich wie ein Abstiegskandidat präsentiert, keinen Charakter gezeigt. "Die Spieler müssen sich überlegen, ob sie mit Arminia ein Leben lang gegen den Abstieg spielen oder weiterkommen wollen." Letzteres sollte den DSC-Profis zu denken geben. "Diesen Auftritt merke ich mir", drohte der Chef seinen Spielern. Da freut man sich doch so richtig auf den Trainingsauftakt im Januar. Dennoch: Dass es nicht bis zum Schluss gegen den Abstieg gehen muss, haben die Arminen bereits gezeigt. Drei Punkte im nächsten Heimspiel gegen Greuther Fürth wären da schon ein guter erster Schritt. Die halbe Liga hat der DSC bis zum jetzigen Zeitpunkt hinter sich gelassen. Das kann in der Rückrunde wiederholt werden. Vielleicht kam der Weckruf kurz vor Weihnachten genau richtig. In diesem Sinne: Ein frohes Fest allen Arminen! Denn: 25 Punkte zur Winterpause sind keine Selbstverständlichkeit. Wissen wir zu schätzen, was wir haben.

realisiert durch evolver group