Arminia Bielefeld nach dem 2:1-Sieg gegen Nürberg. - © Wolfgang Rudolf
Arminia Bielefeld nach dem 2:1-Sieg gegen Nürberg. | © Wolfgang Rudolf

Albrechts Arminia Fünf Gründe für Arminia Bielefelds Höhenflug

Kolumne von Patrick Albrecht

Patrick Albrecht

Siebzehn Punkte aus neun Spielen - Arminia Bielefeld weist derzeit die Ausbeute eines Aufstiegsfavoriten auf. Zufall? Glück? Das wäre zu einfach. Die Erklärungen für den Erfolg sind vielfältig. Ein Versuch, die wichtigsten fünf Gründe herauszukristallisieren: Lauf- und Zweikampfstärke "Laufen ist unser Plan. Damit haben wir Erfolg. Jeder einzelne Spieler soll an allen Situationen beteiligt sein", erzählte DSC-Trainer Jeff Saibene jüngst der Neuen Westfälischen. Fehlende individuelle Klasse muss durch das Kollektiv kompensiert werden. Eine hohe Laufbereitschat ist für Saibenes Spielphilosophie unverzichtbar. Seine Spieler haben das verstanden. In den bisherigen neun Meisterschaftsspielen haben die Arminia-Profis 1.088,41 Kilometer zurückgelegt - Ligaspitze vor dem FC Ingolstadt (1.055,52) und dem VfL Bochum (1.055,40). Ein Schlüsselspieler ist Manuel Prietl, der von allen Zweitligakickern bislang am meisten gelaufen ist. Überdurchschnittlich gute Zweikampfwerte belegen zudem die Einsatzbereitschaft der Arminen. Mut zum Risiko Unter Saibene verteidigt Arminia so hoch wie kaum einmal zuvor. Die Veränderungen sind spürbar: Mehrere Spieler stören den Spielaufbau des Gegners bereits tief in dessen Hälfte. Der Weg zum gegnerischen Tor ist entsprechend kurz. Mit Fabian Klos und Andreas Voglsammer besitzen die Arminen zwei Stürmer in Top-Form, die die Vorgaben hervorragend umsetzen. Selbst Top-Mannschaften bekamen mit dem DSC große Probleme. In den Spielen gegen Bochum und Union Berlin erzwangen die Arminen durch aggressives Pressing Ballverluste im letzten Drittel, aus denen jeweils wichtige Tore entstanden. Die große Kunst wird es nach wie vor sein, bei allem Offensivdrang die Struktur und Ordnung nicht zu vernachlässigen. Kaltschnäuzigkeit Unmittelbar damit verbunden ist das konsequente Ausnutzen von Fehlern des Gegners. Gegen Regensburg, Dresden und Nürnberg nutzten Andraz Sporar, Andreas Voglsammer und Konstantin Kerschbaumer jeweils kapitale Fehler des Gegners eiskalt aus. Bekommen die Arminen Geschenke, nutzen sie diese auch. Einhergehend damit ist die Effektivität im Spiel der Saibene-Elf: Laut Statistik des Kicker nutzte sie rund 34,9 Prozent ihrer bisherigen 42 Chancen. Ein Spitzenwert in der zweiten Liga. Geschlossenheit und Moral Nicht zu vernachlässigen ist die mannschaftliche Geschlossenheit und die Moral des Teams: Nach Anschluss- oder Ausgleichstreffern fallen die Arminen nicht auseinander, sondern haben in den meisten Fällen eine Antwort parat. Das war nicht immer so - insbesondere in weiten Teilen der letzten Saison. Gekämpft wird bis zum Schluss: Immerhin sechs der bisherigen fünfzehn Tore wurden in den letzten zehn Minuten erzielt. Ein Chef mit ruhiger Hand Nicht zuletzt trägt auch der Umgang Saibenes mit seinen Spielern zum Erfolg bei. Saibene moderiert die derzeitige Situation souverän. Er ist keineswegs überheblich, redet die gezeigten Leistungen aber auch nicht klein. Ein genehmigter Ausflug zum Münchener Oktoberfest wie nach dem jüngsten Sieg in Nürnberg trägt zu einem positiven und gelassenen Mannschaftsklima bei. Auch schwierige Einzelfälle - wie die Degradierung von Fabian Klos auf die Ersatzbank in der letzten Saison oder leichte Schwierigkeiten mit Andraz Sporar, der mit seiner Joker-Rolle nicht zufrieden war - löst Saibene mit ruhiger Hand. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer stimmt. Spannend wird es sein, wie Saibene die erste leichte Krise meistert, sollte es im Laufe der Saison mal nicht mehr laufen. Zwar bleibt ein Aufstieg nach wie vor unrealistisch. Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte ist jedoch allemal möglich. Die Liga ist so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Ziehen Saibene und Co. ihr Ding auch weiterhin durch, können sie guten Mutes in die kommenden Wochen blicken.

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