Gute Bilanz: Jeff Saibene hat den Erfolg zu Arminia zurückgebracht. - © Christian Weische
Gute Bilanz: Jeff Saibene hat den Erfolg zu Arminia zurückgebracht. | © Christian Weische

Albrechts Arminia Arminia in der Saison 2017/18: Wo kann die Reise hingehen?

Kolumne von Patrick Albrecht

Patrick Albrecht

Als Arminia Bielefeld am 12. März 2017 beim 1. FC Nürnberg mit 0:1 verlor, stand der DSC wie so oft vor einem Scherbenhaufen. Mit Jürgen Kramny musste der zweite Trainer innerhalb einer Saison gehen, knapp zwei Wochen später wurde ein weitgehend unbekannter 48-jähriger Luxemburger vorgestellt. Warum sollte ausgerechnet er das Ruder rumreißen können? War die Mannschaft nicht sowieso zu schwach für die zweite Liga? Die Zuversicht wurde nach dem enttäuschenden Debüt des neuen Hoffnungsträgers nicht gerade größer, als man dank eines denkwürdigen Eigentores von Junior Diaz in letzter Sekunde lediglich zu einem 1:1 bei den Würzburger Kickers kam. Was in den kommenden Wochen geschehen sollte, hätten damals wohl nicht viele für möglich gehalten. Auswärts wie daheim Stand heute steht der DSC nach vier Spieltagen mit zehn Punkten auf Platz 3, holte unter Saibene saisonübergreifend aus 13 Ligaspielen 24 Punkte und kann ein stolzes Torverhältnis von 26:14 Toren aufweisen. Sicherlich haben die Arminen in diesen Wochen auch das Glück auf ihrer Seite. Zum Auftakt gegen Jahn Regensburg fiel der Siegtreffer in letzter Sekunde, beim 2:0 gegen den VfL Bochum waren die Gäste das aktivere Team, ebenso wie Union Berlin am jüngsten Spieltag, als der DSC mit viel Kampf, aber auch etwas Dusel ein 1:1 an der alten Försterei erreichte. Dennoch zeigt die Mannschaft unter Jeff Saibene ein völlig anderes Gesicht, als es noch in den vergangenen Monaten der Fall war: Mut, Laufbereitschaft, hohes Verteidigen, konsequentes Pressing, offensive Außenverteidiger, viel Präsenz im gegnerischen Sechzehner. Und das sowohl heim als auch auswärts. Es macht keinen Unterschied, ob die Arminen in der Schüco-Arena oder in der Fremde spielen. Auswärts verloren die Arminen unter Saibene überhaupt noch nicht. Die Mannschaft hat bedeutend an Stabilität hinzugewonnen. Auch nach Gegentreffern fällt sie nicht auseinander. Jüngste Beispiele sind die Spiele bei Greuther Fürth und Union Berlin, in denen trotz Anschluss- beziehungsweise Ausgleichstreffer noch gepunktet wurde. Auch wenn Trainer und Mannschaft stets betonen, dass ausschließlich Punkte für den Klassenerhalt gesammelt werden, darf guten Gewissens ein Auge auf höhere Ziele geworfen werden. Natürlich besitzt der DSC im Vergleich zu fast allen Ligakonkurrenten finanziell die wenigsten Mittel, dennoch sind zehn Punkte nach vier Spieltagen kein Zufall. Mut zu anderen Zielen Vereine wie Ingolstadt, Darmstadt, Braunschweig und Union Berlin dürften auf lange Sicht in Bezug auf den Aufstieg zwar deutliche Vorteile besitzen. Doch übermächtige Schwergewichte wie der VfB Stuttgart oder Hannover 96 spielen wieder in der ersten Liga. In der Sommerpause gab es in der zweiten Liga zwar diverse Zu- und Abgänge, viel Geld wurde aber nicht bewegt. Zwölf der 18 Vereine nahmen mehr Geld ein, als sie ausgaben. Es wurde nicht konsequent aufgerüstet. Die Liga ist extrem ausgeglichen - und das ist wahrlich eine Chance für die Arminen. Dass mit wenig Mitteln viel erreicht werden kann, zeigte der 1. FC Heidenheim im letzten Jahr, als er mit einem der kleinsten Etats der Liga auf Platz 6 landete. Dadurch könnten auch deutlich mehr TV-Gelder eingestrichen werden, auch wenn die Platzierung in der jeweils letzten Saison nach dem neuen Verteilungs-Modell des DFB lediglich in die Fünf-Jahres-Wertung eines jeden Vereins mit einbezogen wird. Dennoch gilt es, in den kommenden Wochen so viele Punkte wie nur möglich zu sammeln, um eine sorgenfreie Saison spielen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, auf einem einstelligen Tabellenplatz zu landen, ist durchaus hoch - auch wenn alles Weitere reiner Bonus wäre. Aber warum sollte dieser Bonus nicht zu erreichen sein?

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