Arminia Bielefeld im Testspiel gegen den VfL Wolfsburg. Florian Dick kämpft gegen Orrin McKinze Gaines II um den Ball. - © Christian Weische
Arminia Bielefeld im Testspiel gegen den VfL Wolfsburg. Florian Dick kämpft gegen Orrin McKinze Gaines II um den Ball. | © Christian Weische

Albrechts Arminia Neuanfang bei Arminia: Aller guten Dinge sind drei

Kolumnist Patrick Albrecht über Himmel und Hölle, Jeff Saibene und Florian Dick

Patrick Albrecht

Bielefeld. Die Gefühlslage wechselt im Bielefelder Umfeld in diesen Tagen sehr schnell. Nach den guten Auftritten in Hannover und Frankfurt war die Hoffnung groß, zusammen mit Jürgen Kramny den Bock noch umstoßen zu können. Die schwache Leistung gegen Erzgebirge Aue und vor allem der blutleere Auftritt beim 1. FC Nürnberg sorgten schnell wieder für Ernüchterung. Nach dem 2:0-Erfolg über den 1. FC Kaiserslautern und den ersten Eindrücken vom neuen Cheftrainer Jeff Saibene ist der Klassenerhalt plötzlich wieder mehr als realistisch. Ein bisschen weniger Himmel oder Hölle täte Arminia Bielefeld zurzeit ganz gut. Sicherlich werden die zu vergebenen Punkte immer weniger, aber es muss nicht gleich nach jedem Spiel Sekt oder Selters heißen. Geht das Spiel gegen die kriselnden Würzburger Kickers daneben, ist noch nichts verloren. Genauso wie noch nicht viel gewonnen ist, wenn am nächsten Samstag drei Punkte eingefahren werden. Leidenschaft und Kampfeslust Wie man die Mannschaft anpacken muss, hat Carsten Rump in der vergangenen Woche einmal mehr unter Beweis gestellt. Rump brüstet sich weniger mit taktischem Geplänkel. Er holt aus den Spielern stattdessen die Extraprozente heraus, die den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage machen. Rump steht für Leidenschaft, Geschlossenheit und Kampfeslust. Für Saibene ist es keine einfache Situation, wenn für viele Anhänger mit Carsten Rump der geeignetste Trainer für die Zukunft schon bereit steht. Doch ganz egal, wer an der Seitenlinie steht: Profis müssen genügend Motivation aus sich selber ziehen können. Steckt man mitten im Abstiegskampf, muss das auf dem Platz zu sehen sein - in jedem Spiel. Fabian Klos hat Recht, wenn er nach zwei Trainerentlassungen in dieser Saison sagt: „Wir Spieler haben es verbockt." Saibene läuft jedenfalls nicht wie manche seiner Vorgänger Gefahr, zu weich zu wirken. Er kann laut eigener Aussage „knallhart" sein. Er könnte die Autoritätsperson verkörpern, die der Mannschaft gefehlt hat. Vor seiner Verpflichtung kannte ihn in Bielefeld kaum niemand. Zumindest Ex-Armine Uwe Rapolder hält große Stücke auf den Luxemburger. In der Schweiz hat der 48-Jährige den FC Thun bereits zweimal in fast aussichtsloser Situation vor dem Abstieg gerettet. Er kennt die momentane Situation also. Kein Mann für kurze Engagements Sollte am Ende dennoch der Abstieg stehen, könnte er trotzdem auf der Alm bleiben. Auch mit dem FC St. Gallen stieg er ab, schaffte den Wiederaufstieg und führte den Klub sogar in das internationale Geschäft. Saibene ist niemand, der für ein kurzes Engagement vorbeikommt. Bei all seinen Stationen hat er insgesamt mindestens fünf Jahre gearbeitet. Schon im November 2015 hat er in einer Thuner Zeitung von der zweiten Bundesliga und Traditionsklubs wie Fortuna Düsseldorf und dem Karlsruher SC gesprochen. Damals war ihm der Druck hierzulande als weitgehend unbekannter Coach noch zu groß, jetzt scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein. Saibene ist Arminias letzter Schuss, und der muss sitzen. Unter Saibene fangen alle Spieler wieder bei Null an - der Konkurrenzkampf entfacht noch einmal neu. Zweifelsfrei ein positiver Effekt des Trainerwechsels. So auch für Florian Dick. Es wäre eine gute Sache, wenn er sein Comeback in der Startelf geben könnte. Ein Routinier und eine Führungspersönlichkeit wie er würde der Mannschaft gut tun. Besonders in der Defensive, die bis heute keine wirkliche Stabilität gefunden hat. Dick wollte beim DSC bleiben und steckte nie auf, obwohl ihm ein Wechsel nahegelegt wurde. So etwas darf belohnt werden.

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