Ein Polizeivideo zeigt den Überfall der Hooligans auf eine Gruppe Bremer Fußballfans auf der Jöllenbecker Straße. Auf dem Bürgersteig liegt regungslos Malte K., rechts im Bild der ebenfalls verletzte Sebastian W. (29). Einer der Hooligans tritt weiter zu.
Ein Polizeivideo zeigt den Überfall der Hooligans auf eine Gruppe Bremer Fußballfans auf der Jöllenbecker Straße. Auf dem Bürgersteig liegt regungslos Malte K., rechts im Bild der ebenfalls verletzte Sebastian W. (29). Einer der Hooligans tritt weiter zu.

Bielefeld Bielefelder Hooligan-Prozess: Für alle Angeklagten geht es weiter

20-Jähriger hat Gewalt rund um den Fußball gesucht

Bielefeld. Die elf jungen Männer, die sich derzeit wegen eines Überfalls auf eine Gruppe von Werder-Bremen-Fans vor dem Bielefelder Landgericht verantworten müssen, werden auch noch im Januar in derselben Konstellation im Gerichtssaal sitzen müssen. Das Verfahren gegen die beiden Hauptbeschuldigten werde nicht abgetrennt, gab der Kammervorsitzende Carsten Nabel Montatg bekannt.

Am vorangegangenen Hauptverhandlungstag der III. Großen Strafkammer hatte Nabel erklärt, die Kammer erwäge, das Verfahren gegen die beiden mutmaßlichen Haupttäter – darunter der wegen versuchten Mords angeklagte Philip G. (20) – abzutrennen. Auf diese Weise, so die ursprüngliche Überlegung, könne das Verfahren gegen die dann übrigen neun jungen Männer aus der Region möglicherweise noch vor Weihnachten zu einem Abschluss gebracht werden.

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Da unter anderem noch weitere Zeugen vernommen werden sollen, auf die zumindest Kammer und Staatsanwaltschaft nicht verzichten möchten, ist diese Überlegung nun hinfällig. Die Abtrennung, so Nabel gestern, habe sich durch den Verlauf der Verhandlung erledigt: "Wir sehen keine Möglichkeit mehr, dieses Jahr noch fertig zu werden."

"Außerhalb des Fußball-Umfelds wussten nur sehr wenige Leute von seinen Gewalttaten."

In der Verhandlung am Montag befassten sich die Prozessbeteiligten unter anderem mit der Person, des wegen versuchten Mords angeklagten G. aus Espelkamp. Eine Pädagogin der Justizvollzugsanstalt Herford – dort sitzt G. derzeit in Untersuchungshaft – sagte als Zeugin aus. Die Pädagogin gab an, dass G. sich in der Haft ausgesprochen regelkonform gebe und eher den Kontakt zum Personal, denn zu anderen Gefangenen suche.

Auch habe er berichtet, außerhalb des Fußballumfelds über keinerlei Gewalterfahrungen zu verfügen. Doch habe er in den vergangenen Jahren gezielt die körperliche Gewalt rund um Fußballspiele gesucht; seit dem vergangenen Jahr habe G. auch an verabredeten Auseinandersetzungen teilgenommen.

Während der Woche habe er versucht, den Alltag vom Fußball zu trennen, sagte die Gefängnis-Pädagogin: "Außerhalb des Fußball-Umfelds wussten nur sehr wenige Leute von seinen Gewalttaten." Eine Woche vor dem Überfall auf die Bremer Fans war ein bundesweites dreijähriges Stadionverbot für Spiele der ersten bis zur vierten Liga gegen G. ausgesprochen worden.

Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt.

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