Arminia erst gehemmt, dann beherzt

Nach enttäuschender erster Halbzeit noch ein verdientes 1:1 gegen Stuttgart II erkämpft

Arminia erst gehemmt,

dann beherzt - © Arminia
Arminia erst gehemmt,
dann beherzt | © Arminia

Bielefeld. Vielleicht waren es die unüberhörbaren Pfiffe der 6.262 Unentwegten. Ganz bestimmt aber hatte die aufrüttelnde Kabinenpredigt Stefan Krämers großen Anteil: Der Ausgleich zum 1:1 gegen die Zweitvertretung des VfB Stuttgart sowie die kämpferisch für die enttäuschende erste Halbzeit immerhin etwas entschädigende zweite Spielhälfte sorgten dafür, dass der Nachmittag auf der Alm nicht komplett im Novemberblues unterging.

"Für unseren Auftritt in der ersten Halbzeit können wir uns nur entschuldigen", sagte Manuel Hornig. So recht vermochte der hochgewachsene Innenverteidiger auch nicht zu erklären, warum der Leistungsunterschied zwischen Gast- und Heimmannschaft zunächst so eklatant war. Der "kleine" VfB spielte ein fast bundesligareifes Pressing, wirkte geistig und körperlich frischer.

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"Man sieht, dass sie sehr gut ausgebildet sind. Technisch und taktisch sind die Stuttgarter einfach stark", sagte Ex-Arminenprofi Rüdiger Kauf, der einst selbst die badische Ausbildung durchlaufen hatte. Mithin war die Stuttgarter Führung durch Soufian Benyamina (38.) auch verdient. "Arminia hatte zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Zugriff auf uns", stellte VfB-Trainer Bernd Kramny sachlich nüchtern fest.

Nach einer Ecke steigen Bielefelder und Stuttgarter hoch, um den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen – mittendrin Arminias Manuel Hornig. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Nach einer Ecke steigen Bielefelder und Stuttgarter hoch, um den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen – mittendrin Arminias Manuel Hornig. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Das lag auch daran, dass lediglich die Viererabwehrkette der Arminen defensiv Normalform zeigte. Häufig waren Hornig und Co. letzte Instanz. "Wir waren immer einen Tick zu spät und haben kaum zweite Bälle gewonnen", analysierte Arminias sportlicher Leiter Samir Arabi. "Vielleicht hat uns die im Vorfeld angekündigte Konterstärke der Stuttgarter gehemmt", forschte Stefan Krämer nach Ursachen und ergänzte: "Der VfB ist keine Laufkundschaft, die schlägt man nicht mal so im Vorbeigehen." Immerhin - und das ist den Arminen positiv anzurechnen - gaben sie sich nicht auf, sondern bewiesen gegen eine starke Stuttgarter Mannschaft Charakter.

Gastgeber wollten mehr

Mit dem Ausgleich durch Pascal Testroet (66.) war es nicht getan. Die Gastgeber wollten mehr. Krämer sah "ein Spiel auf ein Tor", sein Gegenüber Jürgen Kramny bestätigte, "dass Arminia uns keine Luft mehr ließ". Es gab sogar Chancen für den Sieg. Pascal Testroet (86.) traf den Ball freistehend aus elf Metern nicht voll.

Und es gab zwei umstrittene Strafraumszenen. Fabian Klos beschwerte sich vehement über ein Foul. Auch Patrick Schönfeld forderte kurz vor Schluss einen Elfmeter nach einer Situation, in der wohl viele Unparteiische auf Strafstoß entschieden hätten.

Schiedsrichter Arne Aarink, der durch eine "unglaubliche Arroganz" (Hornig) auffiel und sein Assistent Henrik Bramlage, der nach einem Einwurf Abseits winkte, taten dies nicht. Weniger wegen der Elfmeterentscheidung als vielmehr wegen des gesamten Auftretens erwägt Samir Arabi, dem DFB nach dem Beispiel des Mainzers Thomas Tuchel einen Brief zu schreiben. "Wenn die Schiedsrichter mehr falsch als richtig machen, sollte man mal darüber reden", so Arabi.

Ob dies was bewirkt, steht in den Sternen. Fakt ist, dass Arminia nur einen Punkt gegen Stuttgart geholt hat "und mehr nach der sehr schwachen ersten Halbzeit auch nicht verdient hatte", wie Stefan Krämer treffend zusammenfasste.

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