Arminias Cheftrainer Stefan Krämer: Ein harter Kumpeltyp

Coach führt DSC mit ballorientiertem System aus dem Tabellenkeller

VON JÖRG FRITZ
Stefan Krämer: Ein harter Kumpeltyp - © ARMINIA
Stefan Krämer: Ein harter Kumpeltyp | © ARMINIA

Bielefeld. Ihren Steve vermissen die Menschen in Roßbach doch sehr. Steve lautet der Spitzname von Stefan Krämer, der von 2002 bis zum 30. Juni 2011 Trainer des SV Roßbach/Verscheid war, ehe er das Angebot des Zweitligaabsteigers Arminia Bielefeld annahm, als Co-Trainer unter Markus von Ahlen zu arbeiten.

"Einige trauern ihm immer noch nach", erzählt Ingo Dittrich, Präsident des Oberligaklubs aus dem 1.000-Seelen-Ort am Rande des Westerwaldes. Drei Aufstiege schaffte Krämer während seiner Zeit in Roßbach mit dem Dorfverein, der zu einer festen Fußball-Größe in dieser Region wurde.

Nachdem Krämer, der am 22. März 1967 in Mainz geboren wurde, Mitte März 2011 erfolgreich als Viertbester sein Fußballlehrer-Examen in Köln bestanden hatte, stand sein Entschluss fest: "Ich möchte im bezahlten Fußball arbeiten." Bereits während des Lehrgangs hatte Arminia Kontakt zu ihm aufgenommen. Es kam schnell zu einem Gespräch", schildert Krämer die erste Bekanntschaft mit dem ostwestfälischen Verein. "Nach zwei weiteren Runden waren wir uns einig. Ich unterschrieb als Co-Trainer unter Markus von Ahlen."

"Er ist ein Fußballverrückter"

Sein bisheriger Arbeitgeber war von Krämers Schritten stets informiert. "Dittrich: "Wir konnten ihm keine Perspektive mehr bieten und haben uns deshalb alle für ihn gefreut, dass er diese große Chance bekommen hat!" Dittrichs Meinung über Stefan Krämer: "Er ist ein Fußballverrückter, der 24 Stunden am Tag für den Fußball lebt. Er ist ein harter Kumpeltyp, der sein Team unter Druck setzt, gleichwohl aber ein Freund der Spieler bleibt."

Stefan Krämer reißt nach dem 1:0 in Offenbach jubelnd die Arme hoch. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Stefan Krämer reißt nach dem 1:0 in Offenbach jubelnd die Arme hoch. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Krämers Spieler-Laufbahn begann in der Nordrhein-Oberliga (damals die 3. Liga) beim FV Bad Honnef. Die ehemaligen Nationalspieler Lothar Emmerich und Heinz Hornig waren unter anderem Trainer des Mittelfeldspielers, "für den es nach ganz oben nicht reichte. Ich hatte nur einen linken Fuß und war zu lahm auf dem Platz. Mir fehlte ein Tick Schnelligkeit", beurteilt der Trainer Krämer den Spieler Krämer. Bereits damals hatte er sich Notizen über schlechte oder gute Trainingseindrücke gemacht. "Ich habe versucht zu denken wie ein Trainer."

Als 31-Jähriger wechselte er die Fronten und startete als Coach in Rheinbrohl (4. Liga) einen neuen sportlichen Lebensabschnitt. Zwei Jahre in Neuwied folgten, ehe der Fan des 1. FC Köln und des Hamburger SV "neun schöne Jahre" (Krämer) in Roßbach verbringen durfte.

Weg vom Abstiegsplatz

Nachdem Markus von Ahlen am 20. September wegen ausbleibender Erfolge gefeuert wurde, übernahm der Diplom-Sportlehrer interimsweise den Trainerjob. Am 3. November wurde der Junggeselle, der in Königswinter wohnt, offiziell zum Chef befördert. "Ich war stets loyal zu Markus und hätte mich auch über meine Entlassung nicht beschwert", räumt Krämer ein.

Die Gremien räumten letztlich ihm das Vertrauen ein, da finanzielle Mittel für die Verpflichtung eines "großen Namen" nicht vorhanden waren. Ein weiser Entschluss: Unter Krämers Regie wurden zuletzt zehn Punkte aus den vergangenen vier Spielen erkämpft. Arminia befindet sich nicht mehr auf einem Abstiegsplatz.

Torhüter Stefan Ortega liefert eine einfache Erklärung für diesen Wandel: "Der Trainerwechsel hat eine feste Schraube bei uns gelöst. Wir sind freier im Kopf geworden und spielen offensiver."

"Jedes Spiel ist ein Endspiel"

Krämers Fußball-Philosophie ist von Arminias Spielern mittlerweile verstanden worden. Krämer setzt auf ein "ballorientiertes Spiel mit hohem Risiko. Wir müssen selbst aktiv werden und nicht auf Fehler des Gegners warten." Er habe im Team jetzt die Spieler, so Krämer, um dieses System erfolgreich umzusetzen.

Von dem derzeitigen Leistungs-Hoch lässt sich Krämer jedoch nicht blenden. "Erfolge zu bestätigen ist noch schwieriger. Diese Einsicht muss sich in den Köpfen meiner Spieler zementieren." Mit diesem Grundsatz und dem Motto "jedes Spiel ist ein Endspiel" geht Krämer auch in das Derby am Samstag bei Preußen Münster (15 Uhr/live im WDR). Auch in Roßbach werden an diesem Tag etliche Fans ihrem ehemaligen Trainer die Daumen drücken. Zur Weihnachtsfeier ist Stefan Krämer an seiner früheren Wirkungsstätte bereits jetzt schon eingeladen.

Vielleicht wird er dann auch Oskar nach Roßbach mitnehmen. Stefan Krämers Appenzeller Sennenhund vermisst sein Herrchen in Königswinter sehr.

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