Die Qualen mit Arminias Zahlen

Trainer Lienen büßt auch beim 0:1 in Karlsruhe für die verfehlte Einkaufspolitik

VON RAINER KLUSMEYER
DSC-Trainer Ewald Lienen verfolgt mit gequältem Gesichtsausdruck das Spiel in Karlsruhe – Betreuer DirkWesterhold (r.) hat die gleiche Haltung eingenommen. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
DSC-Trainer Ewald Lienen verfolgt mit gequältem Gesichtsausdruck das Spiel in Karlsruhe – Betreuer DirkWesterhold (r.) hat die gleiche Haltung eingenommen. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Karlsruhe. Frage an die Kenner: Welche Statistik des Grauens verbirgt sich hinter der Zahlenfolge 0:2, 0:2, 1:2, 0:1, 0:0, 0:1, 0:2, 0:1? Lösung: Es sind die Halbzeitstände der acht Hinrunden-Auswärtsspiele des DSC Arminia Bielefeld.

Womit Zweierlei bewiesen wäre: Uns ist bei der samstäglichen Behauptung, die Arminen hätte in acht Versuchen keinen einzigen Treffer in einer ersten Auswärts-Halbzeit zustande gebracht, jener 30-Meter-Freistoß von Oliver Neuville durchgerutscht, den Bochums Keeper Andreas Luthe am 22. September durchrutschen ließ.Und, für das tabellarische Desaster der Bielefelder von etwas größerer Bedeutung: Immer dann, wenn der DSC auswärts in Rückstand geriet, waren die Punkte bereits verloren.

"Limitiert" seien eben die Mittel, die Aufholjagden zu einem glücklicheren Ende bringen zu wollen, klagte Ewald Lienen nach der 0:1-Niederlage beim Karlsruher SC. Die Leiden eines Trainers, der in seinen personellen Möglichkeiten zur Rettung äußerst begrenzt ist, standen Lienen am Wildpark-Spielfeldrand ins Gesicht geschrieben. "Was soll man da machen?" war aus der Mimik zu lesen, nachdem der Coach diverse Chancen in seinem Block notiert hatte – aber eben auch wieder mal nichts Zählbares. Seine Mannschaft habe das Spiel dominiert, nach vorn jedoch "keine Durchschlagskraft" gehabt, analysierte Lienen, listete die besten Torgelegenheiten auf und befand: "Wenn wir solche Situationen nicht nutzen, wird es schwer, Spiele zu gewinnen."

Letzte Gelegenheit Aachen

Seit fünf Begegnungen ist der frühere Arminia-Profi nun in seiner ostwestfälischen Heimat als Cheftrainer tätig, genau genommen hat er erst einen einzigen "eigenen" Treffer (di Gregorio gegen Fürth) bejubeln können. Denn das Debüt-2:1 über den VfL Osnabrück resultierte ja aus zwei Eigentoren des gut-nachbarschaftlich gestimmten Gegners.

Am kommenden Freitag (Anstoß: 18 Uhr) ist gegen Alemannia Aachen die letzte Gelegenheit, den Abstand zu den rettenden Plätzen der 2. Liga noch im ersten Saisonabschnitt ein wenig zu verkürzen. Mit jenem Kader, der Lienen hinterlassen worden ist von seinen Trainervorgängern, speziell von Christian Ziege.

Es lohnt sich, unter diesem Aspekt einen Blick auf die Arminia-Anfangsaufstellung beim Spiel in Karlsruhe zu werfen: Mit Orhan Mustafi – der bezeichnenderweise nach 53 Minuten wegen nicht erbrachter Leistung ausgewechselt wurde – stand ein einziger "normaler" Sommer-Neuzugang beim Anstoß auf dem Feld. Dazu kamen die Alt-Arminen Dennis Eilhoff, Markus Bollmann und Markus Schuler, das Arbeitsamt-Trio Kevin Schöneberg, Baldo di Gregorio, Christian Müller, der letztjährige Winter-Nachkauf Assimiou Touré sowie die jungen Lienen-Entdeckungen Onel Hernandez und Diego Demme. Bliebe aus dieser Formation also allein Arne Feick als Positiv-Einkauf der letzten Jahre.

Nun denn – ab dem 1. Januar und dem Abflug ins Winter-Trainingslager in die Türkei soll alles besser werden. Mit den drei, vier, fünf Neuen, die nun Ewald Lienen sorgsamst auszuwählen hat. Und für die laut Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier "ein genau mit der DFL abgestimmtes Budget" vorhanden ist – gemunkelt wird von 1,5 Millionen Euro.

Karlsruher SC - Arminia Bielefeld 1:0 (1:0)

Karlsruhe: Robles - Demirtas (62. Aduobe), Sebastian Langkamp, Stefan Müller I, Andreas Schäfer - Matthias Zimmermann, Engelhardt (62. Mutzel) - Staffeldt, Krebs (76. Rupp) - Chrisantus, Iashvili
Bielefeld: Eilhoff - Schöneberg, Toure, Bollmann, Schuler - Demme, Di Gregorio - Mustafi (53. Berisha), Feick (77. Heidinger) - Müller, Hernandez (63. Quaner)

Tor: 1:0 Staffeldt (27.)

Zuschauer: 11.386

Schiedsrichter: Sascha Thielert (Buchholz)

Gelbe Karten: Engelhardt (5), Staffeldt (2) - Hernandez (2), Demme

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