"Spieler war vier Minuten weg"

INTERVIEW: Ex-Arminen-Trainer Middendorp über einen Bestechungsfall

Middendorp über Bestechungsskandal - © DURBAN
Middendorp über Bestechungsskandal | © DURBAN

Durban. Ernst Middendorp, 51, gilt als Weltenbummler unter den Trainern und arbeitet derzeit beim südafrikanischen Erstligisten Maritzburg United in der Nähe von Durban. Im Interview mit Maik Rosner spricht der mehrmalige Coach von Arminia Bielefeld über Südafrika, die WM und was ihn am Thema Sicherheit nervt.

Herr Middendorp, Sie sind seit November Trainer beim Erstligisten Maritzburg United, nach den Kaizer Chiefs schon Ihr zweiter Klub in Südafrika. Warum hat es Sie wieder ins Gastgeberland der WM gezogen?
ERNST MIDDENDORP: Ich bin nach der Zeit auf Zypern nach Südafrika gekommen, denn mein Hauptwohnsitz befindet sich in Johannesburg. Zwischendurch war ich auch in den USA, bei den New York Red Bulls habe ich mit dem Management Gespräche geführt, doch dann kam die Anfrage von Maritzburg United. Drei Tage später stand ich schon auf dem Trainingsplatz, ohne genau zu wissen, was mich dort erwartet. Jetzt habe ich Maritzburg meine Zusage für die kommenden zwei Jahre gegeben.

Ernst Middendorp sagt Fußball-Fans am Kap eine gute Zeit voraus. - © FOTO: DPA
Ernst Middendorp sagt Fußball-Fans am Kap eine gute Zeit voraus. | © FOTO: DPA

Maritzburg ist bereits Ihre vierte Station in Afrika. Hat der Fußball in Afrika für Sie einen besonderen Reiz?
MIDDENDORP: Ich habe mich schon bei meinen zwei Engagements in Ghana immer besonders von Südafrika infizieren lassen. Wir haben damals hier Champions League, Caf-Cup und internationale Turniere gespielt. Es hat mir hier immer sehr gut gefallen, deshalb war für mich klar, dass es Südafrika schon mal sein sollte. Das ist dann ja auch 2005 passiert, mit dem Zweijahres-Vertrag bei den Kaizer Chiefs. Ich habe also schon eine besondere Verbindung zu diesem Land.

Wie hat sich der Fußball in Südafrika seit Ihrer ersten Zeit verändert?
MIDDENDORP: Er ist professioneller geworden. Die mediale Präsenz beispielsweise, mit vielen Live-Spielen im Fernsehen. Aber auch bei den Regularien hat sich vieles verbessert. Und die Stadien sind mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau.

Zuletzt gab es Aufregung um einen Bestechungsskandal, Maritzburg hat deshalb einen Spieler suspendiert. Wie weitreichend ist der Skandal?
MIDDENDORP: Ich habe Eindrücke, aber keine Belege. Grundsätzlich denke ich, dass die Spiele sauber sind, es gab und gibt aber Fälle, in denen Verdachtsmomente aufgekommen sind. Wie bei dem betreffenden Spieler. Da habe auch ich einen Fehler gemacht. Ich hätte ihn früher auswechseln müssen. Nach 20 Minuten hatte ich den Eindruck, irgendetwas stimmt da nicht. Das gipfelte darin, dass ich den Spieler für vier Minuten aus den Augen verloren hatte, weil er hinter dem Tor seine Schuhe neu schnürte. Der Verein hat dann eine Überprüfung eingeleitet, mit Lügendetektortest, und ihn suspendiert.

Welchen Beitrag kann die WM leisten, den Fußball in Südafrika zu fördern?
MIDDENDORP: Sie kann den Fußball schmackhafter machen, die Wertigkeit zum Beispiel in den Schulen steigern, das ist meine Hoffnung. Gerade in den privaten Schulen hat Fußball noch keinen großen Stellenwert, da dominieren Rugby und Cricket.

Was trauen Sie der Bafana Bafana bei der WM zu?
MIDDENDORP: Eine Menge. Da bin ich wahrscheinlich einer der ganz Wenigen. Aber man muss mal zurückblicken, wie es mit anderen Gastgebern war: Wie war denn die Situation bei Frankreich vor der WM 1998? Es hat auch keiner erwartet, dass Südkorea 2002 so eine gute Rolle spielt, oder Deutschland 2006.

Sie haben vorab gesagt, Sie wollen nicht über die Themen Sicherheit und Kriminalität sprechen. Was nervt Sie so daran?
MIDDENDORP: Das Nervige ist, dass Personen mit sehr hohem Stellenwert in Europa und Deutschland Aussagen aus der Ferne treffen, die nicht stimmen. Das findet hohe Beachtung in den Medien, obwohl den Urhebern der Aussagen der Einblick fehlt. Das halte ich für gefährlich. Es ist aber nicht meine Aufgabe, gegen derartige Kommentare zu wirken. Ich glaube, Südafrika wird das schaffen. Und man wird hier als Fan gelungene vier Wochen verbringen können.

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