Anklage gegen Hooligans

Drei Bochumer Fans sollen Arminia-Ordner misshandelt und schwer verletzt haben

VON PETER JOHNSEN

Bielefeld. Im Fall des am 3. Mai beim Heimspiel des DSC Arminia Bielefeld gegen den VfL Bochum von Bochumer Fans angegriffenen und schwer verletzten Ordners Radenko Radic hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld ihre Ermittlungen nach sechs Monaten abgeschlossen und gegen drei Personen Anklage wegen Körperverletzung zum Jugendschöffengericht erhoben. Das teilte gestern der Pressesprecher der Behörde, Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart, mit.

Es handelt sich um den 19-jährigen Auszubildenden Thomas D. aus Bochum, die 21-jährige Anwaltsgehilfin Janine B., ebenfalls aus Bochum sowie den Fleischer Daniel H. (21) aus Werl. Der ermittelnde Staatsanwalt Christoph Zielke geht von folgendem Sachverhalt aus: Die drei Angeklagten befanden sich im Gästeblock A 1 der Schüco Arena. Kurz von Anpfiff um 15.30 Uhr zündete Daniel H. eine Rauchbombe. Radic eilte herbei, um den Randalierer dingfest zu machen. Es kam zu einem Wortwechsel mit Thomas D., der damit endete, dass dieser dem Ordner einen Faustschlag ins Gesicht versetzte.

Dieses Geschehen beobachtete Janine B., die auf einem sogenannten Wellenbrecher stand. Von dort sprang sie "mit den Füßen voran", so die Anklage gegen Radic, der dadurch zu Boden gerissen wurde. Nun trat Daniel H. mehrmals "wahllos" auf den am Boden Liegenden ein und traf ihn mindestens einmal am Kopf.

Das Opfer erlitt Brüche des linken Jochbeins, der rechten Augenhöhle, des Unterkiefers (beidseitig) und Blutungen unter der Hirnhaut. Noch während des Spiels werteten szenekundige Beamte aus Bochum die Polizeivideos aus. Thomas D. und Janine B. wurden sofort identifiziert. Auf dem Weg zum Bahnhof fiel D., der an diesem Tag 19 Jahre als geworden war, durch Randalieren auf. Er sollte festgenommen werden, widersetzte sich aber. Aus diesem Grund ist er nicht nur wegen der an Radic begangenen Körperverletzung, sondern zusätzlich wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung angeklagt.

Daniel H. blieb zunächst unerkannt. Aufgrund der Presseberichterstattung mit Fotos meldete er sich schließlich freiwillig bei der Polizei. Auf gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage gegen ihn und Janine B. Noch am Tatabend wurden diese beiden von der Polizei vernommen. D. soll die Attacke gegen den Ordner eingeräumt haben. Die Frau soll angegeben haben, "in Richtung" des Geschädigten gesprungen zu sein.

Thomas D. wird von Rechtsanwalt Eberhard Nagler aus Essen, Janine B. von Rechtsanwalt Gabor Subai aus Köln und Daniel H. von Rechtsanwalt Burkhard Michel aus Werl vertreten. Die Anklageschrift wird den Betroffenen in den nächsten Tagen zugestellt. Die zuständige Jugendrichterin am Bielefelder Amtsgericht hat noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden.


Die endlosen Leiden des Arminia-Ordners
Bewusstlos und mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde der Bielefelder Radenko Radic am 3. Mai aus dem tobenden Gästeblock der Bochumfans geborgen. Zwölf Tage lang hatte der damals 34-Jährige auf der Intensivstation des Unfallkrankenhauses Gilead I gelegen. Es folgten zahlreiche Operationen an Kopf und Kiefer, 14 Tage Reha-Klinik und endlose Termine bei Physiotherapeuten und Ärzten. Bis heute – sechs Monate nach der Tat – leidet der Arminia-Ordner unter den Folgen des Angriffs. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Todesangst, die Radenko Radic damals im Gästeblock erlebt hatte, noch ganz andere Folgen hatte, als zunächst von den Ärzten angenommen wurde.

Die Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung. Radenko Radic leidet seitdem unter Angstzuständen, Depressionen und Albträumen. Anfang September musste er sogar vorübergehend in die Psychiatrie eingewiesen werden. Bis heute traut sich Radic nicht mehr alleine aus dem Haus. Seine Mutter muss sich rund um die Uhr um den ehemals so mutigen Arminia-Fan kümmern. Außer Schmerzen und Enttäuschungen ist ihm im Leben nicht viel geblieben.(jr)

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