Gewalt im Fußball ist keine Seltenheit. Hier kam es zu einem Einsatz der Polizei im Holstein-Stadion bei einer Begegnung zwischen Kiel und dem FC St. Pauli. - © picture alliance / Selim Sudheimer
Gewalt im Fußball ist keine Seltenheit. Hier kam es zu einem Einsatz der Polizei im Holstein-Stadion bei einer Begegnung zwischen Kiel und dem FC St. Pauli. | © picture alliance / Selim Sudheimer

Bielefeld Sicherheit im Fußball: Was sie in NRW an Geld und Polizeiarbeit kostet

In der Fußballsaison sind pro Woche mindestens 100 bis 200 Bundespolizisten im Einsatz - die Polizei NRW verzeichnete in der vergangenen Saison zusätzlich fast 570.000 Arbeitsstunden rund um den Fußball

Leandra Kubiak

Bielefeld. Auseinandersetzungen und Gewalt rund um die Spiele der Fußball-Bundesliga sind keine Seltenheit. Gerade wenn zwei rivalisierende Klubs aufeinandertreffen, sind Krawalle meist absehbar. Nicht nur im Stadion oder um das Stadion herum kommt es zu Ausschreitungen - auch Bahnhöfe, Züge und andere öffentliche Plätze werden oftmals zum Schauplatz von Anfeindungen und Vandalismus. Ein alarmierender Aspekt dieser Gewalt: Sie trifft oftmals Unbeteiligte, wie Statistiken der Polizei belegen. Erst am vergangenen Wochenende kam es in Bochum-Wattenscheid zu einem Angriff auf einen Regionalexpress (RE), in dem sich knapp 800 Arminia-Fans und andere Fahrgäste befanden. Die bis zu 80 vermummten Angreifer könnten Ultras des VfL Bochum gewesen sein. Bei dem Zug handelte es sich um keinen Sonderzug, sondern einen regulären RE der Deutschen Bahn. Unter den fast 800 Fans haben sich nach Schätzungen der Bundespolizei etwa 140 sogenannte Problemfans des DSC befunden. Welche Hintergründe die Tat im Detail hatte, ist weiterhin nicht abschließend geklärt. 100 bis 200 Bundespolizisten pro Woche an Bahnhöfen im Einsatz Immer wieder kommt es im Zusammenhang mit Fußballspielen zu Beschädigungen in Zügen und an Bahngleisen. Die gewaltbereiten Gruppierungen machen in der Fußballsaison Woche für Woche ein großes Polizeiaufkommen notwendig, um die Lage unter Kontrolle zu halten. An Bahnhöfen und in Zügen ist dabei die Bundespolizei zuständig für die Sicherheit. Für die Sicherheit rund ums Stadion ist die Polizei NRW zuständig, im Stadion selbst trägt der ausrichtende Verein Sorge für das Sicherheitspersonal. "In der Spielsaison werden in NRW pro Woche etwa 100 bis 200 Beamte der Bundespolizei zusätzlich zum Regeldienst eingesetzt", sagt Jens Flören, Sprecher der Bundespolizei für das Land NRW. Bei Spielen, die als besonders riskant gelten - also zum Beispiel Begegnungen zwischen Köln und Leverkusen oder Dortmund und Schalke - könne man durchaus mit der doppelten Zahl benötigter Kräfte rechnen. Landespolizei kommt rund um den Fußball auf 570.000 Arbeitsstunden Zusätzlich zum Personal an den Bahnhöfen ist bei jedem Ligaspiel eine große Zahl an Einsatzkräften der Polizei NRW vor Ort. In der Saison 2016/2017 verzeichnete die Landespolizei bei den Arbeitsstunden rund um den Fußball ein Plus von 13 Prozent. In Zahlen heißt das: Für alle Fußballspiele innerhalb der ersten vier Ligen wurden fast 570.000 Arbeitsstunden aufgewendet. Mit dem Absichern des Stadions und der Bahnhöfe unmittelbar vor und nach dem Spiel sei es aber nicht getan, erklärt Flören. Die gewaltbereiten Fans verabredeten sich zunehmend geheim, sagt der Sprecher. Beispielsweise lange nach Apfiff eines Spiels oder an Plätzen fernab des Stadions. Deutsche Bahn: 2.400 Fälle von Gewalt unter Fahrgästen Leidtragende gewaltbereiter Fußballfans ist auch die Deutsche Bahn. Der Vandalismus in Zügen und an Bahngleisen ging von 2015 auf 2016 in NRW zwar leicht zurück, lag aber immer noch bei 1.900 Fällen. Die Zahl der Strafanzeigen wegen Körperverletzungsdelikten unter Fahrgästen lag noch höher: 2016 zählte die Deutsche Bahn 2.400 Fälle. Diese seien zwar nicht alle auf Ereignisse im Umfeld von Fußballspielen zurückzuführen, sagt ein Bahnsprecher. Ein Großteil davon entfalle aber weiterhin auf Straftaten von Jugendlichen und den Reiseverkehr im Umfeld von Fußballspielen oder Volksfesten. Polizei zählt 265 Verletzte in der Fußballsaison 2016/2017 Auch die Polizei NRW hat für die Fußballsaison 2016/2017 Bilanz gezogen: In der Spielzeit wurden in NRW mehr als 2.400 Strafverfahren eingeleitet und bei knapp 2.500 Personen "freiheitsbeschränkende Maßnahmen" durchgeführt. Das geht aus der Statistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze des Landes NRW hervor. Bei den Ligaspielen der ersten vier Ligen wurden laut Polizei 265 Menschen verletzt. Die Zahl ist damit im Vergleich zur Saison 2015/2016 fast gleich geblieben. Beim größten Teil der Verletzten soll es sich um Polizisten und um Unbeteiligte gehandelt haben. NRW will die Kosten auch weiterhin übernehmen Bezahlt werden die Einsätze vom Land NRW und nicht etwa von den Fußballvereinen oder der Deutschen Fußball Liga (DFL). Bremen ist das einzige Bundesland, das eine Beteiligung der DFL an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen fordert. Bisher ist das Bundesland damit jedoch vor Gericht gescheitert. Konkret geht es in dem Rechtsstreit zwischen Bremen und der DFL um eine Rechnung über 425.718 Euro für den Einsatz bei einem Bundesliga-Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV. Seitens des Innenministeriums des Landes NRW gebe es derzeit keine Bestrebungen, die Situation zu ändern, sagt Sprecher Wolfgang Beus auf Anfrage. Zum einen sei es Aufgabe des Staates, für Sicherheit zu sorgen, zum anderen sei das Thema auch sehr komplex und es sei problematisch, eine Grenze zu ziehen. Bei Fußballspielen sorge die Polizei im Umfeld des Stadions dafür, Straftaten zu verfolgen und Gefahren abzuwehren, so Beus. Genauso sorge die Polizei beispielsweise auch im Karneval und bei anderen Veranstaltungen für Sicherheit. Schwierig wäre also alleine schon, festzulegen, wann sich Vereine beteiligen müssen, und wann nicht. Zudem bleibe die Frage, welche Ausgaben die Fußballvereine übernehmen müssten, und welche nicht.

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