Die Fans der Arminia hoffen darauf, dass sich die finanziellen Probleme ihres Clubs bald lösen lassen. - © Christian Weische
Die Fans der Arminia hoffen darauf, dass sich die finanziellen Probleme ihres Clubs bald lösen lassen. | © Christian Weische

Bielefeld Arminia kein Einzelfall: Fußballclubs immer wieder in Geldnot

Arminia Bielefeld kämpft um seine Lizenz. Die Planungen gehen nicht auf, aktuell fehlen mehrere Millionen Euro an Liquidität. Kapitalprobleme beschäftigen immer wieder auch andere Vereine. Der sportliche Erfolg entscheidet

Dennis Bleck
Peter Burkamp

Bielefeld. Die Spekulationen schwanken zwischen 2,4 und 5,8 Millionen Euro. Wie viel Geld Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld genau aufbringen muss, um bis zum 15. Januar das Nachlizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga (DFL) ohne schwerwiegende Konsequenzen bis hin zum Punktabzug zu bestehen, verraten die DSC-Verantwortlichen nicht. Die Lizenzierungsverfahren sind regelmäßig ein Drahtseilakt für den mit mehr als 22 Millionen Euro verschuldeten Klub. Eine Unterdeckung in Millionenhöhe wie aktuell haben die Bielefelder allerdings zur Winterpause kaum zu kompensieren gehabt. Präsident Hans-Jürgen Laufer hat ein Defizit im Bereich Merchandising (Trikotverkauf und ähnliches) sowie fehlende Sponsoreneinnahmen als Grund angegeben. Das aktuelle Defizit in kolportierter Millionenhöhe lässt sich über diese beiden Einnahmesäulen kaum darstellen, zumal der Klub in dieser Zweitligasaison rund vier Millionen mehr TV-Geld als 2016/17 einnimmt.Plausibel würde die Unterdeckung, wenn Arminia Transfereinnahmen eingeplant hätte – lange stand eine Trennung von Fabian Klos im Raum – und in der Transferperiode nicht umgesetzt hätte. Transfereinnahmen nicht planbar Sport-Geschäftsführer Samir Arabi schließt dies als Ursache für die Finanzlücke allerdings aus: „Transfereinnahmen sind nicht seriös planbar." Dabei ist es durchaus gängig, zu erwartende Transfer- und/oder Sponsoringeinnahmen in den Lizenzantrag aufzunehmen. „Es muss plausibel dargestellt werden", sagt Heribert Bruchhagen. Der Vorstandsvorsitzende des HSV hatte als Arminen-Geschäftsführer den DSC um die Jahrtausendwende vor der Insolvenz bewahrt. Es komme häufiger vor, dass Planungen nicht erfüllt werden. Sei es durch geringere Einnahmen oder unerwartete Ausgaben. Arminia hatte vergangenen Saison, wie aktuell der VfL Bochum, drei Trainer, zum Teil mit Assistenten, zu bezahlen. So entstehen Defizite. Zahlungsverpflichtungen in die nächste Saison zu übertragen, sind ein häufig benutztes Mittel, um Liquiditätsprobleme kurzfristig zu lösen. Sie wiegen dann jedoch in der nächsten Saison umso schwerer. Das spüren die Arminen seit Jahren. Genau diese Praxis möchte der DSC-Geschäftsführer Markus Rejek künftig vermeiden: „Arminia lief Gefahr, ihre Zukunft zu verkaufen. Wir wollen aber erreichen, dass uns die Zukunft auch Gewinne bringt." Eine längere Planung ist nicht kalkulierbar Arminia als finanziell angeschlagener Verein befindet sich insgesamt in prominenter Gesellschaft. Andere Klubs trifft es teils noch weit schlimmer. Immer wieder müssen Fußballvereine Insolvenz anmelden. Die Gründe dafür sind vielfältig – meistens beginnt jedoch alles mit einem Abstieg. „Ein Abstieg ist in den europäischen Ligen immer mit großen finanziellen Einbußen verbunden", erklärt Christian Deutscher, Sportökonom an der Universität Bielefeld. Eine Saison lasse sich im Vorfeld nur schwer kalkulieren, eine längere Planung sei kaum möglich: „Die Einnahmesituation ändert sich von Jahr zu Jahr. Langfristige Investitionen und die damit verbundenen Risiken lassen sich nur schwer abwägen." So geschehen in Bielefeld. Der Neubau der Osttribüne sollte ursprünglich acht Millionen Euro kosten – am Ende zahlte der Club knapp 19 Millionen. Kurz nach der Fertigstellung im Jahr 2008 stieg der Verein als Tabellenletzter in die Zweite Liga ab. Weitere zwei Jahre später folgte der Sturz in die Drittklassigkeit. Fernsehgelder in Höhe von 130 Millionen Euro „Jeder Abstieg bedeutet in etwa ein Drittel weniger Einnahmen", sagt Christoph Breuer, Sportökonom an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Der Abstieg aus der zweiten Liga ist oft schon der Anfang vom Ende. In der zweithöchsten deutschen Spielklasse werden aktuell Fernsehgelder im Wert von mehr als 130 Millionen Euro ausgeschüttet; in der dritten Liga sind es nur noch 12,8 Millionen. Aufgrund der abrupten Einnahmeverschlechterungen, geraten die Vereine dann in finanzielle Schieflagen. „Es ist äußerst schwer, sich aus dem Finanzloch zu befreien", sagt Breuer. Vor allem eine intelligente Einkaufs- und Nachwuchspolitik sei ausschlaggebend, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben: „Gute Beispiele sind da etwa der 1. FC Köln oder der SC Freiburg. Beide Vereine schaffen es auch ohne große Stars, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen. Wichtig ist dabei vor allem das Vereinsumfeld", so Breuer. Denn neben den externen Faktoren, wie dem finanziellen Risiko durch plötzliche Abstiege, spielen auch interne Faktoren bei Finanzlücken eine Rolle. „Natürlich führt auch schlechte Betriebsführung zu Insolvenzen", betont Breuer. Borussia Dortmund als Beispiel Bestes Beispiel ist Borussia Dortmund. Die Westfalen standen 2005 nur Millimeter vor der Insolvenz. Verantwortlich für die prekäre Lage waren allen voran die damaligen Führungskräfte Gerd Niebaum und Michael Meier. Mit der für Traditionsclubs nicht untypischen Großmannssucht wurde das Geld mit beiden Händen zum Fenster herausgeworfen. Der Spieleretat wurde immer weiter aufgebläht, die Erfolge aus vergangener Zeit blieben jedoch aus. „In erster Linie rechnen sich Investitionen nur dann, wenn der Verein auch sportlich erfolgreich ist", sagt Deutscher. Breuer ergänzt: Sportlicher Erfolg garantiert zwar keine gesunden Finanzen, erleichtert aber das Wirtschaften."

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