Arminia-Trainer Jeff Saibene ist stocksauer. - © Christian Weische
Arminia-Trainer Jeff Saibene ist stocksauer. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminia-Spiel am Wochenende: Wenn die Spieler den Trainer im Stich lassen

Jörg Fritz

Regensburg. Unsicher und hilflos standen sie in einer Ecke der Regensburger Continental-Arena und blickten verunsichert in Richtung der rund 700 mitgereisten Bielefelder Fans. Die Profis des DSC Arminia fühlten sich sichtbar unwohl nach der 2:3 (1:2)-Niederlage beim Aufsteiger SSV Jahn Regensburg. Es war ein Spießrutenlauf. Mit der schlechtesten Saisonleistung, die sogar noch die 0:4-Heimklatsche gegen den anderen Aufsteiger MSV Duisburg übertraf, beendeten die Ostwestfalen das Fußballjahr 2017 und starteten im Anschluss in den Weihnachtsurlaub. Nach dieser blamablen Vorstellung war Trainer Jeff Saibene stocksauer. Zu Recht. Seine Spieler haben ihn im Stich gelassen. Seine Kritik war daher den Umständen der Spielqualität entsprechend messerscharf: „Fehlen Einstellung, Mentalität und Wille so wie heute, sind wir ein Abstiegskandidat. Die Spieler sollten sich fragen, ob sie weiterkommen oder ein Leben lang mit Arminia gegen den Abstieg kämpfen wollen." Worte, die markanter hätten nicht gewählt werden können. Die Protagonisten dieser peinlichen Vorstellung dürfen sich daher im neuen Jahr auf harte Maßnahmen ihres Trainers einstellen. Zum Rückrundenstart präsentierte sich die Mannschaft fußballerisch emotionslos, als hätten die meisten Spieler schon die Zubereitung der Weihnachtsgans im Kopf. „Leute mit Charakter haben gefehlt", monierte der Trainer, der sich diesen Rückfall in längst vergessen geglaubte Zeiten nicht erklären konnte. „Meine Aufgabe ist, dem gegenzusteuern. Ich werde mich 2018 noch gut an diesen Vorfall in Regensburg erinnern", sprach Saibene eine Warnung aus, die keinesfalls als Worthülse zu verstehen war. "Katastrophal und indiskutabel" Bis auf Torhüter Stefan Ortega sowie den beiden Torschützen Andreas Voglsammer mit seinem achten Saisontreffer und Konstantin Kerschbaumer (fünftes Saisontor) boten alle Bielefelder Spieler keine zweitligataugliche Leistung. Zumindest Selbstkritik übten die gescholtenen Spieler. „Die Regensburger waren in allen Phasen der Partie einen Schritt schneller als wir", meinte der Österreicher Kerschbaumer. Als „katastrophal und indiskutabel" stufte Voglsammer die Leistung der Mannschaft ein. „Wir haben nicht konsequent gespielt. Vor allem unser Abwehrverhalten ließ zu wünschen übrig." Noch drastischere Worte fand Kapitän Julian Börner. „Das war absolut ungenügend", lautete sein Urteil. Sowohl der Kapitän als auch Arminias erfolgreichster Torschütze blicken nach den beiden Auswärtsniederlagen in Sandhausen und Regensburg mit Sorge auf die verbleibenden 16 Rückrundenspiele. „Wir können uns die 25 Punkte schönreden, was aber nichts einbringt", sagte Voglsammer. „Die letzten beiden schlechten Spiele müssen wir ins neue Jahr tragen." Julian Börner sprach sogar von einer „brutalen Rückrunde", die Arminia zu erwarten hat. 25 Zähler, sechs Punkte Vorsprung auf Relegationsrang 16 und Platz neun in der Tabelle nach 18 Spielen – Arminia Bielefelds Bilanz ist sicherlich zufriedenstellend. Allerdings sollte der Blackout von Regensburg nachdenklich stimmen.

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